Aktuelle Studie der Stiftung Lesen

Eltern sehen E-Medien als Ergänzung

Heute Vormittag haben in Berlin „Die Zeit“, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn ihre repräsentative Studie „Digitale Angebote – neue Anreize für das Vorlesen?“ vorgestellt. Danach sind für fast 90 Prozent von 500 befragten Eltern Bilder- und Kinderbuch-Apps eine „tolle Ergänzung“, können aber nicht das gedruckte Buch ersetzen. Jede siebte dieser Familien nutzt bislang situativ Bilder- und Kinderbuch-Apps, 81 Prozent haben mindestens ein Smartphone im Haushalt, 25 Prozent ein Tablet.

Um den Einfluss digitaler Medien wie Tablets, Smartphones oder E-Reader auf das Vorleseverhalten in Familien zu untersuchen, wurden für die Studie 250 Mütter und 250 Väter mit mindestens einem Kind im Alter von zwei bis acht Jahren befragt. Ein weiteres Ergebnis: Elektronische Medien haben der Untersuchung zufolge das Potenzial, bildungsferne Schichten mit Vorleseangeboten zu erreichen. Und Väter, die bisher deutlich seltener vorlesen als Mütter, könnten über die neuen Angebote motiviert werden.

 

"Die Studie birgt überraschende Ergebnisse über die Akzeptanz und den Einsatz digitaler Lesemedien", meinte Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. Digitale Vorleseangebote böten neue Möglichkeiten, Familien zu erreichen, bei denen das Lesen und Vorlesen einen geringeren Stellenwert habe. In den befragten Familien mit formal niedriger Bildung sind laut Studie Smartphones und Tablets mit 74 und 27 Prozent ebenso verbreitet wie in den befragten Familien mit formal hoher Bildung (81 und 26 Prozent). Jede dritte Familie mit Tablet im Haushalt nutzt Bilder- und Kinderbuch-Apps. Vor allem aber werden die Apps situativ genutzt: für unterwegs und zwischendurch. Zum Kuscheln oder beim Einschlafritual werden gedruckte Bücher bevorzugt. Die junge Elterngeneration integriere die neuen Technologien ganz selbstverständlich in den Alltag mit ihren Kindern, erläuterte Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. Die Vorlesestudie zeigt zudem, dass Väter, die bereits mit einem elektronischen Gerät und aus Büchern vorgelesen haben, etwa doppelt so häufig dem digitalen Angebot den Vorzug geben (40 Prozent gegenüber 23 Prozent). Bei den Müttern ist es umgekehrt (20 zu 45 Prozent). "Elektronische Medien können helfen, das Vorlesedefizit von Vätern abzubauen, auch wenn diese Zahlen bedauerlicherweise Klischees bestätigen", erklärt Moritz Müller-Wirth, stellvertretender Chefredakteur der „Zeit“. "Denn jeder fünfte Vater, der selten oder nie aus Büchern vorliest, ist für das Vorlesen mit Apps offen." 73 Prozent der Kinder mögen bei den Apps die Animationen, Geräusche, Musik und integrierten Spiele. 67 Prozent der Eltern sehen bei den Apps  als Pluspunkt, dass ihr Kind die Apps auch alleine anschauen kann.

Rund die Hälfte der befragten Eltern, die noch keine Apps zum Vorlesen nutzen, äußerte sich jedoch zurückhaltend im Hinblick auf eine künftige Nutzung. Zentraler Grund ist die mangelnde Erfahrung mit digitalen Angeboten. Denn Eltern, die mit ihren Kindern bereits Apps angeschaut haben, greifen öfter darauf zurück. "Wir sehen, dass Eltern Orientierung und Beratung brauchen zur Einschätzung der Qualität und für die Nutzung von Apps", folgerte Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. "Das Lesen mit digitalen Medien und die Medienkompetenz müssen in der Leseförderung verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden."

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3 Kommentar/e

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  • franz wanner

    franz wanner

    Hier hat man rausgehört, was man hören wollte.
    Niemand zweifelt am Nutzen des Lesens.
    Niemand zweifelt am Gebrauch verschiedendster Medien.

    All dies belegt sich auch durch Verkaufszahlen.

    Alles weitere kann man auch bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erfahren.
    Wer liest was und wie und auch vor.
    Und Umfragen zeigen, wie hoch der Imagewert einer Erwartungshaltung ist.
    Ich denke, da wurden nicht die Eltern in einer Grundschule in Neuköln befragt.

  • Galbadon

    Galbadon

    Vorlesedefizit der Väter - was ist das jetzt, ein häuslicher Wettbewerb? Väter lesen wohl deswegen weniger vor, weil sie andere Aufgaben haben, sei es im Beruf, sei es daheim oder auch, weil es die Mutter als ihre originäre Aufgabe ansieht. Der Artikel erweckt jedoch den Eindruck, als würden sich Väter durch neue Technologien endlich bemüßigt fühlen, auch mal vorzulesen - worauf alle in der Familie schon warten. Auch ein Weg, einen künstlichen Bedarf vorzugaukeln.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Kinder sollten eigentlich normal lesen lernen und nicht
    mit vielen Medien überfordert werden. Kinder haben ein Recht darauf, dass ihre Entwicklung auch in den richtigen Wegen verläuft. Noch früh genug lernen sie dann die Medienwelt in der Schule kennen. Der Umgang mit Büchern fordert die Kreativität und das Nachdenken über bestimmte Leseinhalte. E-Medien können sicher als eine Ergänzung für Kinder und Jugendliche gesehen werden. Aber doch dies dann erst in einem bestimmten Alter.
    Es besteht eben in der Gegenwart die große Gefahr, dass Kinder und junge Erwachsene langsam den Überblick über die Menge an Medien verlieren und dann sozusagen für sich selber auch nicht mehr so überschaubar diese Angebote auch nutzbringend auswählen können. Deshalb sollte auch hier bewusst jeder, der mit Medien umgeht, dies im Blick zu den eigenen Grenzen tun. Letztendlich sind wir alle dann nur in einer Nachmachmentalität verstrikt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt und der Mensch sieht dann den Anderen als Konkurrent im Wissen an. Eine solche Ellenbogenstrategie im Miteinander der Menschen wäre eine fatale Entwicklung. Jeder Mensch hat eine gewisse Eigenständigkeit und diese würde doch langsam durch den Slogan: ,Alle kaufen diese oder jene E-Medien` zerstört.
    Dies ist aber den Herstellern der Medien egal, denn es geht doch in erster Linie um den Umsatz und nicht um den Erhalt einer geistigen Freiheit des Menschen. Dann wäre nur noch Konsum und die Strategie um jeden Preis. Und so etwas sollte es nicht geben, denn eine gute Entwicklung im Blick zur Welt der Kinder würde durch ein Überangebot der Medien nur zu einer größeren Überforderung führen. Es müssten auch da Grenzen gesetzt werden. Kinder und Jugendliche sollten in eigener Verantwortung entscheiden, welche Medien sie benutzen wollen.
    H. Kraft

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