"Als Branche sind wir systemrelevant"

Ehre und Pflicht, Gemeinwohl und Erfüllung: Auch um diese vier Begriffe ging es heute bei der Sitzung des Branchenparlaments in Frankfurt – der Börsenverein ehrte den bayerischen Verleger Wolf Dieter Eggert mit der Goldenen Nadel.

Eggerts Engagement im Außenhandels-Ausschuss, in der Abgeordnetenversammlung und als Vorsitzender des bayerischen Landesverbands von 2006 bis 2012 sei "von ganz großer Bedeutung" für den Verband gewesen, machte die stellvertretende Vorsteherin Viola Taube deutlich. Regionale Präsenz, Mitgliedernähe und eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Landesverband und Bundesverband seien Eggerts Leitlinien im Ehrenamt gewesen, sagte Taube: »All das hat er auf feine, elegante Weise mit dem Anspruch verbunden, die kulturpolitische Arbeit des Verbands zu intensivieren". Ein Ergebnis: Das Literaturfest München, das der Landesverband 2010 mitangestoßen hat und das heute auch als Rahmen für die Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises dient.

"Das Buch muss wieder in die Köpfe der Menschen. Und das gelingt uns nur, wenn wir es selbst in unserem Herzen tragen": Einer von vielen denkwürdigen Sätzen, die Eggert in seiner Amtszeit gesagt hat und die Viola Taube zitierte. Er selbst fügte im Branchenparlament gleich noch ein paar weitere hinzu. Das Ehrenamt habe er immer auch als Verpflichtung gesehen, so Eggert - nämlich als Verpflichtung zum Blick über den Tellerrand. Im Börsenverein gehe es nicht darum, Einzel- oder Gruppeninteressen zu vertreten, sondern um das Gemeinwohl - "auch wenn das immer eine schwierige Aufgabe ist und durchaus mit Kampf verbunden sein kann".

Die Branche, betonte Eggert, sei ein Garant für Meinungs- und Informationsfreiheit und damit "systemrelevant". Genau deshalb müsse sie den digitalen Wandel auch kritisch begleiten: "Wir dürfen nicht immer nur in vorauseilendem Gehorsam den "Gefällt-mir"-Daumen recken".

Persönlichkeitsprofile und -rechte würden durch die Digitalisierung und die großen Player in Milliardengewinne konvertiert: "Die Tauschwährung sind wir selbst". Die Einschätzung, dass der digitale Transformationsprozess vergleichbar sei mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, teile er durchaus: "Aber manche denken, dass die Schlacht für uns so gut wie verloren sei. Dabei haben wir alle schon viel geschafft".

Genau mit dem, was schon erreicht wurde und mit dem, was noch zu leisten ist, beschäftigte sich das Branchenparlament im weiteren Verlauf der Sitzung. 

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8 Kommentar/e

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  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    "Die Branche, betonte Eggert, sei ein Garant für Meinungs- und Informationsfreiheit und damit 'systemrelevant'."

    Da hat wohl jemand die Grundfunktion des Internets verpasst ... Ich bezweifle auch, dass solche gewollt starken Formulierungen die Sache voranbringen, weil wieder unnütze bzw. künstliche Fronten aufgemacht werden.

  • anderer Leser

    anderer Leser

    Beratergeschwafel deluxe:

    "Da hat wohl jemand die Grundfunktion des Internets verpasst ..."

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    Wenn Sie wenigstens unter einem echten Namen versuchen würden, hier in den Kommentaren geistreich zu sein, wäre es ja noch ein wenig interessant. - Immer diese anonymen Trolle im Internetzeitalter - das hat's früher nicht gegeben. ;)

  • Anonymer Troll

    Anonymer Troll

    "Die Branche, betonte Eggert, sei ein Garant für Meinungs- und Informationsfreiheit und damit "systemrelevant"........

    Scheint mir, als ob heutzutage wirklich jede Branche "Systemrelevant" ist. Ist eigentlich auch die Bäckereibranche "Systemrelevant"? Schließlich essen Millionen Menschen gerne Brötchen. Mal im Ernst. Die Buchbranche ist ein Minirädchen im Getriebe und alles andere als "Systemrelevant"... wären die Buchhändler aber gerne ;-)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    In der Vergangenheit war das ja auch nicht so falsch. Da war die Buchbranche für umfangreiche Inhalte zuständig. Insofern stand sie ja auch für einen "systemrelevanten" Teil unserer Kultur. Daher ja auch der Buch-Nimbus, der noch immer stark wirkt. Die Zeit ist aber spätestens seit dem Aufkommen des Internets von den Voraussetzungen her vorbei. Der Übergang dauert zwar länger, als viele Netz-Freunde glauben, aber heute noch zu sagen, die Buchbranche sei der Garant für die Meinungs- und Informationsfreiheit, ist ein Witz vor allem dann, wenn es ernst gemeint wäre. Als Lobby-Argument ist es natürlich zulässig und nützlich. Dann wäre es aber auch fair zuzugeben, dass es um schnöde Lobby-Arbeit, und nicht immer das Kultur- und Weltrettungs-Mäntelchen drüber zu legen.

  • wettbewerber

    wettbewerber

    @leander wie hoch war noch mal der Anteil der elektronisch verfügbaren Bücher? 1-2% ... na da sind wir ja noch weit von Systemrelevanz entfernt....

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @wettbewerber: Ich sage ja, der Übergang dauert länger als viele glaube. Dennoch ist die Wachstumsgeschwindigkeit inzwischen schon enorm. Und die Leute nutzen immer mehr entsprechende Geräte im Alltag, was ja die Voraussetzung schafft.

  • W. Arndt Bertelsmann

    W. Arndt Bertelsmann

    Warum über alt und neu oder Systemrelevanz streiten? Das ist Kraftverschwendung. Entscheidender ist es, für die Freiheit zu kämpfen, und die liegt in der Vielfalt - nicht in der Einfalt. Maßgeblich für eine freie Gesellschaft sind die Vielfalt der Inhalte, die Vielfalt der Produktformen und die Vielfalt der Vertriebswege - für Produzenten und Konsumenten. Das war und ist anstrengend, aber lohnenswert.

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