Börsenverein fordert neues Kartellrecht für den digitalen Markt

"Amazon missbraucht seine Marktstellung"

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verschärft seinen Tonfall im Bonnier-Streit. Der Branchenverband fordert, das deutsche Kartellrecht an die Gegebenheiten eines digitalen Marktes anzupassen. „Es ist ein klarer Auftrag an die Politik und längst überfällig: die richtigen Ziele des Kartellrechts generell jetzt auch im digitalen Markt durchzusetzen“, teilt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, heute in einer Stellungnahme des Börsenvereins mit.

Auf dem Buchmarkt spiele sich ein ungleicher Kampf ab. Faktisch sei Amazon auf dem Weg, weltweit auf dem E-Book-Markt und mittelfristig möglicherweise auch im deutschen Buchmarkt eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen. Insbesondere im E-Book-Sektor entfalte sich bereits jetzt die Marktmacht von Amazon gegenüber den Verlagen verheerend. „Auch wenn Amazon vielleicht noch kein Monopol im klassischen Sinne hat, so hat es doch die Macht, den Markt komplett zu verwüsten. Dadurch werden auf dem Buchmarkt Strukturen zerstört, die Qualität und Vielfalt gewährleisten“, so Skipis.

Die jüngsten Auseinandersetzungen mit Verlagen überschreiten nach Skipis‘ Ansicht eine weitere Grenze: „Amazon lässt seine Maske fallen und missbraucht mittlerweile seine Marktstellung derartig, dass man von Erpressung der Verlage sprechen kann.“ Doch die Wirkung sei weitaus grundsätzlicher:

„Diese Erpressung findet auf dem Rücken von Kunden und Autoren statt. Das alleinige Ziel ist es, weitere Marktanteile zu gewinnen und so die Verhandlungsmacht weiter auszubauen, dabei sind Autoren und Kunden dem Unternehmen letztlich gleichgültig“, so Skipis. „Wer vorsätzlich Bücher zurückhält, der schadet finanziell auch dem, der sie verfasst hat. Doch die Autoren werden sich das langfristig nicht gefallen lassen. Schließlich geht es um ihre Inhalte und schließlich entscheiden sie selbst darüber, welche Vertriebswege sie nutzen.“

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14 Kommentar/e

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  • wilh.hüttermann

    wilh.hüttermann

    Es ist zwar ganz reizend, was Herr Skipis uns "mitteilt". Wirkungsvoller wäre es aber wohl, wenn unser Verband per Justiziar rechtliche Schritte "ergreifen" würde. Jedenfalls wäre das wesentlich "ergreifender".

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Und was soll der Börsenverein jetzt bitte juristisch tun?
    Amazon verstößt gegen keine Gesetze, es wendet lediglich die unbarmherzigen Machtinstrumente, die einem Big Player zur Verfügung stehen, an. Dagegen können letztlich nur die betroffenen Verlage was tun - was jedoch angesichts der Marktmacht und des Distributionsumsatzes via Amazon sehr, sehr unwahrscheinlich erscheint.
    Der Börsenverein macht hier genau das, wozu er da ist: Er spricht sein Missfallen aus, zeigt die Gefahren solchen Handels auf und leistet hoffentlich weiterhin Lobbyarbeit in der Politik, um dem entgegenzutreten.

    Wie gesagt, nichts juristisch verfolgbares, was A. hier abzieht. Glaube vor einigen Jahren gab es mal den Fall, dass "ein großer deutscher Autokonzern" seinen Lieferanten lapidar mitteilte, ab jetzt werde grundsätzlich nur noch mit Zahlungsziel 90 Tage bezahlt. Glauben Sie, die Lieferanten wären alle abgesprungen? Wohl kaum! ;)

  • Johannes Kambylis

    Johannes Kambylis

    Unter uns: alles schon mal dagewesen! Früher wurden einfach Falschinformationen ins Netz gestellt, wenn man keinen Vertrag mit Amazon machte (dessen Konditionen immerhin für eine Seite auskömmlich waren). Daran hat vor ein paar Jahren leider auch eine konzertierte Aktion von 48 teilweise sehr einflussreichen Verlagen nichts ändern können, die der Meiner Verlag seinerzeit initiiert hatte.

  • mondvogel

    mondvogel

    Derartige aussagen der verlage sind lediglich panikmache weil die verlage keine lust haben die dicke kohle für nichtstun aufzugeben.
    Ein ebook kostet den verlag ungleich weniger als die hardcopy. Woher der verlag die gier nimmt, trotzdem 75% zu wollen ist unverständlich. Amazon sorgt also höchstens für aufwandskonforme preise für endkunden.

    Auch das argument der vielfalt ist lächerlich. Kein instrument hat mehr vielfalt in der literatur ermöglicht als das ebook und damit amazon.

    Wir blicken also lediglich auf eine alteingesessene branche welche zu faul, träge und selbstzentriert ist mit grundlegenden veränderungen mitgehen zu wollen. Statt dessen versucht man es eben mit der diffarmierung der anderen

  • Erdling

    Erdling

    mondvogel, Sie kommen offenbar nicht von unserem Planeten ...

    Bezeichnungen wie gierig, faul und selbstzentriert sind meilenweit weg von der Realität. Mich interessiert – ganz ehrlich! – wo Sie denn Ihre Erfahrungen gemacht haben?!

    Und: Lächerlich ist die Warnung vor dem Verlust der Vielfalt in unserer Literaturlandschaft ganz und gar nicht. Wenn Titel vom Online-Riesen zurückgehalten werden, oder vorsätzlich mit schlechten Lieferzeiten an den Kunden übermittelt werden - wer diffamiert dann wen? Der Kunde kann sich umgucken.

    Gehen Sie ruhig online shoppen, und zwar nur noch, komplett, ausnahmslos! Wer brauch denn schon Verlage, die sich an Nischenprodukte herantrauen, die sich in der Entstehung und im Vertrieb für einen Titel stark machen und Autoren fördern und betreuen? Oder Buchhandlungen, die in ihrer Region meist in die Rolle einer Kulturstätte schlüpfen, die Fachkräfte ausbilden und hier ihre Steuern zahlen?

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Ich halte das Anliegen von Amazon, bessere Konditionen erzielen zu wollen für durchaus nachvollziehbar und gerechtfertigt. Die meines Wissens derzeit geltende Aufteilung von 70-30 (30 für Amazon) ist doch recht willkürlich und geht deutlich einseitig zugunsten des Verlages, der, wie nicht selten zu hören, mit Ebooks ein sehr margenträchtiges Produkt hat. Vermutlich ist der Betrieb des ganzen Ebook-Apparates bei Amazon sehr kostenintensiv, selbst wenn Amazon es irgendwie querfinanziert. Das Angebot ist jedenfalls toll und die Innovationen kommen am laufenden Band.

    Die Art und Weise, wie verhandelt und gedroht wird, kann ich zugegeben nicht nachvollziehen, und finde ich, wenn's wahr ist, für mich als Kunden in der Tat unschön.

    Daher meine Bitte: Einigt euch doch einfach, Amazon und liebe Verlage! Die Vielfalt braucht euch beide. Ich persönlich könnte mit Fifty-fifty gut leben. ;-)

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    @Amazonkunde, bei gedruckten Büchern beträgt der übliche Handelsrabatt um die 50 Prozent, auch für Amazon. Natürlich hat ein Online-Händler bei E-Books erheblich geringere Kosten, sie entfallen ja komplett für Lager und Transportlogistik. Da sind 30 Prozent Rabatt schon reichlich genug.

  • Holstein

    Holstein

    Wenn bei gedruckten Büchern der übliche Handelsrabatt tatsächlich 50 Prozent betrüge, gäbe es kaum eine Krise des Sortimentsbuchhandels. In Bezug auf Amazon ist diese Zahl vielleicht zutreffend.

    Für "normale" Buchhandlungen gibt es von den Verlagen in der Regel zwischen 30 und 45 Prozent, im Fachbuchbereich überwiegend 25 Prozent, die Schulbuchverlage gewähren teilweise noch geringere Nachlässe. Über alle Warengruppen hinweg gerechnet ist ein Nachlass jenseits der 35 oder 40 Prozent in der Regel nicht möglich.

    Nur damit kein falsches Bild in der Öffentlichkeit entsteht.

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    Sie haben recht. Es sind um die 40 Prozent.

    Dann sind Amazons Forderungen für E-Books noch unangemessener.

  • Galbadon

    Galbadon

    @erdling: Manche lassen halt für sich denken, uns Mondvogel gehört offenbar dazu: dass ist 1:1 Raubkopierer-Propaganda, die von den Lobbyisten immer wieder und jenseits jeder Realität in die Welt getragen wird: Rechtfertigungslügen über die pöhsen Abzockerverlage, die wahnsinnig viel Geld mit Büchern verdienen, hinterm Mond leben und beim E-Buch soviel Geld sparen, dass sie doch eigentlich an den Verbraucher weitergeben sollten. Gegen diese düstere Verschwörung hilft nur Raubkopieren.

    Leider werden diese Argumente, auch in bekannten deutschen E-Buch Blogs, immer wieder aufgegriffen.

    Ist off-topic, aber nur mal zur Erläuterung, sowas muss man nicht ernst nehmen.

  • mondvogel

    mondvogel

    Zufällig bin ich kein raubkopierer sond habe brav jedes meiner bücher gekauft. Übrigens bei amazon welches mir als kunden diverse klassiker kostenlos zur verfüfung stellt, ein SERVICE auf welchen die alte industrie im traum nicht käme und auch hier fördert amazon die literatur. Genau wie mit dem mittelsmannlosen vertrieb von ebooks direkt über amazon. Davor haben sie doch auch angst

    Statt dessen werden andersdenkende eben als raubkopierer verunglimpft. Merken sie etwas? Die gleiche masche gegen mich wie amazon.

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    @Mondvogel:

    " amazon welches mir als kunden diverse klassiker kostenlos zur verfüfung stellt, ein SERVICE auf welchen die alte industrie im traum nicht käme"

    Hust... nach Duden online einmal Google benutzen hilft. Zum Beispiel für die Suche nach Projekt Gutenberg oder generell nach gemeinfreien Ebooks. Auch Shops wie ebook.de bieten kostenlose gemeinfreie Texte an. Also gut für Sie, dass Amazon das gnädigerweise auch macht, denn die epubs von anderen Seiten können Sie mit Ihrem Kindle ja ohne App gar nicht lesen... ;)

  • mondvogel

    mondvogel

    welcher der genannten sites ist von einem verlag?

  • Gourmet

    Gourmet

    Wer bitte hat den Leuten erzählt, dass ebooks ja so super billig auf den Markt zu bringen sind?
    Für Leser und Selfpublisher mag das so aussehen, weil alle erforderlichen Schritte von Amazon o.a. "wie von Geisterhand" erledigt werden. Die hohen Kosten die Amazon dabei hat, werden umso erträglicher, je mehr selfpublisher ins Boot kommen und je mehr Leser bei Amazon kaufen.

    Ein Verlag, der selbst ebooks neben Print anbietet, kennt diese Kosten genau. Endweder bezahlt der Verlag neben Dienstleistern für die physischen Titel (Druck, Lager, Auslieferung) noch zusätzliche Dienstleister für digitale Produkte und dann lassen sich beide Kostenblöcke nämlich nicht subsummieren, sondern kommen on top.
    Oder der Verlag macht soviel wie möglich bei ebooks selbst - und dann finden Sie mal fähiges Personal, das WIRKLICH Ahnung hat vom ebook-Vertrieb und mit den technischen Extrawürsten der verschiedenen Händler umzugehen weiß!

    Insofern ist der Amazon-Drang nach höheren ebook-Margen nachvollziehbar, die Aktionäre wollen endlich auch mal schwarze Zahlen sehen.
    Verlage - sicher auch so große wie die Bonnier-Verlage - haben aber ihre Speckschicht längst verloren, wenn sie je eine hatten, um bei einer Forderung nach 20% zusätzlichem ebook-Rabatt noch die Fassung zu wahren.
    Und hätte sich Amazon auch RandomHouse für das erste Duell vorgeknöpft?
    Wie beide Parteien aus diesem Schlamassell ohne blutige Nasen herauskommen wollen, ist mir ein Rätsel.

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