Lesetipp: Rede Navid Kermanis im Bundestag

"Dieser hässliche, herzlose Fleck im Grundgesetz"

Der Schriftsteller Navid Kermani hat eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag gehalten. Anlass war eine Feierstunde anlässlich des 65. Geburtstages des Grundgesetzes. In seiner Rede kritisiert der Kleist-Preisträger mit ungewöhnlich deutlichen Worten den Umgang Deutschlands mit Asylbewerben und Einwanderern.

Navid Kermani

Navid Kermani © Heinrich-Böll-Stiftung

Kermani machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass Deutschland das im Grundrecht verankerte das Recht auf Asyl durch Gesetzesreformen "praktisch abgeschafft" habe − er forderte: "Möge das Grundgesetz spätestens bis zum 70. Jahrestag seiner Verkündung von diesem hässlichen, herzlosen Fleck gereinigt sein."

Außerdem warf Kermani einen Blick auf die Geburt der Bundesrepublik:

"Das Interesse der Öffentlichkeit am Grundgesetz war aus heutiger Sicht beschämend gering, die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung marginal. Befragt, wann es Deutschland am besten gegangen sei, entschieden sich noch 1951 in einer repräsentativen Umfrage 45 Prozent der Deutschen für das Kaiserreich, 7 Prozent für die Weimarer Republik, 42 Prozent für die Zeit des Nationalsozialismus und nur 2 Prozent für die Bundesrepublik. 2 Prozent! Wie froh müssen wir sein, dass am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen, die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten."

Die vollständige Rede Navid Kermanis finden Sie unter: www.bundestag.de - der Beitrag ist auch als Video verfügbar.

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