Erster Hessischer Verlagspreis an Rotopol und Büchner-Verlag verliehen

"Wahnsinnig gute Idee"

In der Wiesbadener Villa Clementine wurde am Freitag der erste Hessische Verlagspreis verliehen. Der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an den Verlag Rotopol in Kassel, der Büchner-Verlag aus Marburg erhielt den Gründer-Preis (5.000 Euro). Mit dem Preis soll "die komplexe Verlagsarbeit in schwierigen Zeiten" gefördert werden, sagte der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein bei der Verleihung. SABINE VAN ENDERT

Grund zum Strahlen: Stefanie Brich (Börsenverein Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Rita Fürstenau (Rotopol), Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, sowie Norman Rinkenberger, Sabine Manke, Mareike Gill und Ina Beneke (alle Büchner-Verlag), von links

Grund zum Strahlen: Stefanie Brich (Börsenverein Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Rita Fürstenau (Rotopol), Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, sowie Norman Rinkenberger, Sabine Manke, Mareike Gill und Ina Beneke (alle Büchner-Verlag), von links © kunst.hessen.de

Boris Rhein

Boris Rhein © Paul Müller

"Mit dem Geld können Sie keinen Verlag führen oder retten", sagte Boris Rhein weiter, "wir wollen damit die Verbreitung und den Vertrieb von Büchern fördern". In seinem Grußwort ging der Staatsminister, der freimütig bekundete, zum ersten Mal in der Villa Clementine zu sein, auch auf die Börsenvereinsstudie "Buchkäufer - quo vadis?" ein: "Ein Fazit der Studie ist, dass das Buch zum Kunden kommen muss – und dafür muss die Branche neue Strategien finden. Innovative Ideen und neue Marketingstrategien sind gefragt. Auch dafür steht der Hessische Verlagspreis", sagte er abschließend. 

Barbara Jost

Barbara Jost © Paul Müller

Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, verglich die Verlagsbranche mit der Landwirtschaft: Während die Landwirtschaft für die Ernährung sorge, sorgten die Verlage für die geistige Nahrung. Und so wie die Landwirtschaft für die Pflege der Natur zuständig sei, würden Verlage die Kunst- und Kulturpflege übernehmen. Beide könnten überdies das Risiko ihres Tuns - Mißernte oder Verkaufsflops - nicht abschätzen. Der Unterschied: "Landwirte können vielfältig auf öffentliche Mittel zurückgreifen, Verlage können das nicht", so Jost.

Britta Jürgs

Britta Jürgs © Paul Müller

"Am Anfang war das Wort, nicht die Zahl"

Die Laudatio von Britta Jürgs, Verlegerin (Aviva Verlag) und Vorstandsvorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, lobte die Programmarbeit der unabhängigen Verlage: Die Größe eines Verlags sei natürlich kein Qualitätsmerkmal, "doch die ungewöhnlichsten und innovativsten Projekte stammen doch meist von den Independents", sagte sie. "Am Anfang war das Wort, nicht die Zahl", zitierte Jürgs den großen Verleger Kurt Wolff - und handelte sich damit eine Einwurf von Siv Bublitz ein, Programmgeschäftsführerin bei den S. Fischer Verlagen und Jurymitglied des Hessischen Verlagspreises: Auch in den Konzernverlagen würden tolle Bücher gemacht und der Profit stehe nicht an erster Stelle, sagte Bublitz.

Büchner-Verlagsteam Norman Rinkenberger, Ina Beneke, Mareike Gill, Sabine Manke (von links)

Büchner-Verlagsteam Norman Rinkenberger, Ina Beneke, Mareike Gill, Sabine Manke (von links) © Paul Müller

Sabine Wanke

Sabine Wanke © Paul Müller

"Wahnsinnig gute Idee"

Es sei "eine wahnsinnig gute Idee" gewesen, sich diesen Preis auszudenken, lobte Sabine Manke vom Büchner-Verlag in Marburg. Die Auszeichnung sei für den Büchner-Verlag eine "unglaubliche Ermutigung", aber auch eine Herausforderung, was die künftige Arbeit betreffe. "Es gibt nur einen Preis, der wichtiger für uns ist als dieser Verlagspreis, und das ist der gebundene Buchpreis", sagte sie - und dankte dem Börsenverein für sein Engagement für kleinere Verlage und den Einsatz für die Buchpreisbindung.

Rita Fürstenau

Rita Fürstenau © Paul Müller

Im Verkaufraum des ROTOPOL Verlags in Kassel

Im Verkaufraum des ROTOPOL Verlags in Kassel © Nils Klinger

"Wir haben durch den Preis die Möglichkeit, unsere Arbeit noch einmal anders zu reflektieren", freute sich Rita Fürstenau, Verlegerin von Rotopol aus Kassel. Das Preisgeld biete etwas mehr Planungssicherheit, besonders erfreulich sei aber die Wertschätzung und die mit dem Preis verbundene erhöhte Wahrnehmung für Rotopol und für kleinere Verlage insgesamt.

29 Verlage hatten sich um den ersten Hessischen Verlagspreis beworben. Rotopol habe "eine ganz  besondere Ausrichtung, eine außerordentlich klare Vorstellung vom eigenen Tun und bemerkenswerten Durchhaltevermögen", heißt es in der Jurybegründung für den Hauptpreis. Rotopol wurde vor 12 Jahren gegründet und ist auf grafische Erzählformen zwischen Comic und Illustration fokussiert.

Der Büchner-Verlag, der mit dem Gründer-Preis ausgezeichnet wurde, ist eine Neugründung aus dem vorigen Jahr - inklusive Übernahme aus einem vorherigen Verlag. Mit Mut und Tatkraft hätten sich die vier Mitarbeiter selbstständig gemacht und einen Verlag erworben, den sie ihren eigenen Vorstellungen gemäß umgestalten wollen, so die Jury. In kurzer Zeit sei es ihnen gelungen, dem Programm ein geschärftes Profil zu geben.

Hintergrund Der Hessische Verlagspreis wird vom Land Hessen gemeinsam mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland des Börsenvereins verliehen. Für den Hessischen Verlagspreis bewerben konnten sich alle unabhängigen Verlage mit Firmensitz in Hessen, deren jährlicher Umsatz unter 2 Millionen Euro liegt. Die Ausschreibung richtete sich an alle Verlagssparten (Belletristik, Lyrik & Sachbuch, Fachbuch &  Wissenschaft sowie Kunst- & Regionalbuch). Die Jury bewertete Verlagsstrategie und das Gesamtprogramm, nicht einzelne Bucherfolge oder bekannte Autoren. Mitglieder sind Siv Bublitz (S. Fischer), Jutta Leimbert (Buchhandlung Vaternahm, Wiesbaden), Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst), Florian Balke (FAZ), Ute Schwens (Deutsche Nationalbibliothek), Björn Jager (Hessisches Literaturforum) und Bärbel Schäfer (Autorin, Journalistin, Moderatorin).

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