Kommentar zur Satzung beschlossen

Ärger um Schwedische Akademie hält an

Die Schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, steht erneut in den Schlagzeilen: Ein Gericht hat entschieden, Jean-Claude Arnault (72), den Ehemann des Akademiemitglieds Frostenson, in Untersuchungshaft zu nehmen. Die Korruptionsvorwürfe gegen das Paar hat die Krise und Spaltung der Akademie eingeleitet.

Die Staatsanwältin fordert eine Freiheitsstrafe von drei Jahren für Arnault wegen zweifacher Vergewaltigung und 18 Fällen sexueller Übergriffe und Belästigungen gegen Mitarbeiterinnen der Akademie sowie weibliche Akademiemitglieder und deren Töchter, was Arnault bestreitet. Der mit der Lyrikerin Katarina Frostenson (65) verheiratete Fotograf und Regisseur soll sich die Belästigungen immer mit dem Hinweis auf seine Nähe zur Akademie erlaubt haben.

Frostenson ist Mitinhaberin des von ihrem Mann betriebenen Kunstklubs Forum, der von der Akademie kontinuierlich finanziell unterstützt worden sei, wie die schwedischen Medien berichten. Damit hätte das Akademiemitglied Frostenson, die seit 1992 Mitglied der Akademie ist, über Zuwendungen an die Klub-Inhaberin Frostenson mitentschieden. Weiterhin steckt der Klub in juristischen Schwierigkeiten vom illegalen Ausschank von Alkohol bis zur Steuerhinterziehung, sodass Sara Danius, die frühere Ständige Sekretärin der Akademie, sich 2017 gezwungen sah, eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung der Gemengelage zu beauftragen. Die Kanzlei gab den guten Rat, die Angelegenheit juristisch zu verfolgen; die Anklage wegen Korruption wurde jedoch aus Mangel an Beweisen inzwischen fallengelassen. Des Weiteren gibt es den Verdacht, dass Frostenson an ihren Mann vertrauliche Informationen aus den Akademiesitzungen ausgeplaudert hat – ein Sicherheitsleck, was dem Ansehen der bislang sehr verschwiegenen Akademie bis heute immens schadet. Die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" hatte mit Einblick in Schreiben von Rechtsanwälten die Namen Wisława Szymborska, Elfriede Jelinek, Harold Pinter, Jean-Marie Gustave Le Clézio, Patrick Modiano, Swetlana Alexijewitsch und Bob Dylan genannt.

Kommentar zur Satzung reicht nicht aus

Wie die Schwedische Akademie in diesem Monat mitgeteilt hat, habe sie seit Sommer mit dem "Wiederaufbau von Vertrauen" begonnen. Zentrale Aufgabe sei "die moderne Interpretation der Akademiesatzung von 1786" mit Hilfe von Juristen gewesen, die Anfang September in einen Kommentar eingeflossen sei. "Nicht weniger wichtig in diesem Kommentar ist die Klärung der Loyalitätspflicht der Mitglieder gegen die Akademie und klare Richtlinien, wie man mit dem Fall eines Ausschlusses umgehen soll", teilt der Ständige Sekretär Anders Olsson mit. Auch Einsprüche müssten "unparteiisch und sachlich" behandelt werden.

Der schwedische Kulturbetrieb sieht den am 20. September veröffentlichten Kommentar als wenig hilfreich an, um die Krise der Akademie tatsächlich zu lösen. Kommentatoren bringen König Carl Gustav als "obersten Beschützer der Akademie" ins Spiel, der in die Statuten eingreifen solle – was rechtlich nicht ganz einfach ist. Bei der Beschneidung der Befugnisse des Monarchen in der Reform von 1974 wurden in Übergangsbestimmungen Befugnisse automatisch auf die Regierung übertragen, so dass einige auch ein Eingreifen der Regierung fordern. Dort bringt sich allerdings niemand in Stellung.

Akademie arbeitet weiter

Die Schwedische Akademie vergibt, was außerhalb Schwedens kaum zur Kenntnis genommen wird, neben dem Literaturnobelpreis noch 31 andere Preise, darunter

  • den mit 400.000 Kronen (38.570Euro) dotierten Nordiska Pris der Schwedischen Akademie, der in diesem Jahr an Agneta Pleijel ging,
  • den Doblougska-Preis, dotiert mit 200.000 Kronen (19.285 Euro), der 2018 an Johannes Anyuru, Ida Börjel, Vigdis Hjorth und Helge Torvund ging,
  • den Margit Påhlsons-Preis, dotiert mit 200.000 Kronen (19.285 Euro), der an Per Lindblad ging,
  • den mit 100.000 Kronen (9.642 Euro) dotierten Essay-Preis der Schwedischen Akademie, der an Aris Fioretos ging,
  • den mit 60.000 Kronen (5.785 Euro) dotierten Übersetzer-Preis der Schwedischen Akademie, der an Daniel Gustafsson ging,
  • den mit 100.000 Kronen (9.642 Euro) dotierten Kritiker-Preis der Schwedischen Akademie, der an Mikaela Blomqvist und  Rebecka Ahlberg Kärde ging.

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