Libri-Chef Eckhard Südmersen zur KNV-Debatte

"Wir sollten die Barsortimente erhalten"

Libri-Chef Eckhard Südmersen hat sich am heutigen Donnerstag zum ersten Mal öffentlich zur KNV-Pleite geäußert: Allen, die die Services der Barsortimente nach der Insolvenzanmeldung des Zwischenbuchhändlers als verzichtbar einstufen, erteilte er in Leipzig eine Absage. Hier sind seine Argumente.

Provokante Fragestellung: Wie systemrelevant ist KNV?

Provokante Fragestellung: Wie systemrelevant ist KNV? © Gaby Waldek

"Deutschland hat eine sehr ausgeklügelte Buch-Infrastruktur, die in großen Teilen von den Barsortimenten betrieben wird", sagte Südmersen heute während einer Podiumsdiskussion in Leipzig. Und betonte: Ohne sie wäre die Branche eine andere – weil vieles fehlen würde, angefangen bei den umfangreichen Verzeichnissen, die sie pflegen (mit physischen Büchern, E-Books, Non-Books und auch ausländischen Titeln) über ihre Bestell- und Warenwirtschaftssystemen bis hin zu ihrem Riesenlager, aus dem sie den Buchhandel über Nacht bedienen können.

"Sinnvolle Bestellgrößen"

"Fast Dreiviertel aller Buchhandlungen in Deutschland haben einen Außenumsatz von unter 500.000 Euro", so Südmersen. "Die Gestaltung eines abwechslungsreichen, aktuellen Sortiments ist für diese Buchhandlungen nur mit dem Barsortiment möglich, weil sinnvolle Bestellgrößen beim Verlagsdirektbezug oft nicht zu erzielen sind."

"Wenn diese Buch-Infrastruktur nicht erhalten bleibt, liefert nur noch einer 'Prime' oder sogar 'Same Day'"  

Barsortimente hätten heute mehr denn je eine Aggregatorfunktion, würden Rationalisierungseffekte schaffen und übernähmen die Vorfinanzierung des Lagers. Südmersen: "Zusammengenommen tragen die Barsortimente zu einer vielfältigen Buchhandelslandschaft in Deutschland bei" – sie unterstützten die große Zahl unabhängiger Buchhändler dabei, individuell auf ihre Kunden eingehen und auch online bei Auswahl und Geschwindigkeit mithalten zu können. "Wenn diese Buch-Infrastruktur nicht erhalten bleibt, liefert nur noch einer 'Prime' oder sogar 'Same Day'".

Südmersen nannte dazu auch Zahlen: Bei großen Buchhandlungen liefen bis zu zehn Prozent des Umsatzes über Barsortimente – bei kleinen Buchhandlungen seien es im Schnitt mehr als 30 Prozent, Buchhandlungen, die sich einer Verbundgruppe angeschlossen hätten, würden sogar mehr als 80 Prozent ihrer Einnahmen über die Barsortimente abwickeln. Sollte dieses System verschwinden, hätte das massive Folgen: Umsatzverluste würden immer weitere Umsatzverluste nach sich ziehen und letztlich zu Geschäftsaufgaben im Buchhandel führen – und dann sei auch die Vielfalt des Verlagsangebotes in Gefahr. Südmersens plädierte: "Wir sollten das System der BS erhalten, in all‘ unserem Sinne."


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Hier geht es zu unserem Dossier.

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2 Kommentar/e

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  • Andrea Pirringer

    Andrea Pirringer

    Danke für diesen Artikel! Sehe ich als Betroffene genauso!

  • Jan Stümpel

    Jan Stümpel

    Ich kann Herrn Südmersen nur voll und ganz beipflichten. Ich bin selbst Inhaber einer kleinen Buchhandlung und wickle einen Großteil meiner Bestellungen über ein Barsortiment ab. Ohne dessen Infrastruktur wäre all der Service, den ich meinen Kunden biete, nicht denkbar. Insbesondere die täglichen Kundenbestellungen, die ja meist aus Einzelexemplare aus verschiedensten Verlagen von unterschiedlichen Verlagsauslieferungen bestehen, wären aufgrund des hohen logistischen und finanziellen Aufwands ohne Barsortiment praktisch nicht mehr möglich.

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