Umfragen, Interviews, Analysen

Dossier zur Insolvenz von KNV

Die KNV-Gruppe hat am 14. Februar beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz beantragt. Danach ging ein Beben durch die Branche. Wie geht es weiter? Welche Kettenreaktionen sind zu befürchten? Gibt es einen Notfallplan? Umfragen, Interviews, Analysen - lesen Sie alles zur KNV-Insolvenz in unserem Dossier!

KNV-Logistikzentrale in Erfurt

KNV-Logistikzentrale in Erfurt © KNV

Investorenverhandlung gescheitert

Die Geschäftsführer der Unternehmen der KNV Gruppe haben am 14. Februar beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenzanträge gestellt. Die LKG (Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft) ist davon nicht betroffen, wie das Unternehmen mitteilt.
KNV Gruppe meldet Insolvenz an

KNV-Wannen im Buchhandel

KNV-Wannen im Buchhandel © Daniel Müller

Keine gemeinsamen Transporte mehr

Umbreit beendet seine Kooperation mit KNV vorzeitig. Die gemeinsamen Bücherwagentouren enden laut Unternehmen bereits am 30. April 2019.
Umbreit beendet Kooperation mit KNV

Der strategische Aspekt der KNV-Pleite

Welche strategischen Auswirkungen hat die KNV-Insolvenz für die Buchlogistik in Deutschland? Dieser Frage gingen Eckhard Südmersen, Stephan Schierke, Jan Orthey und Christian Schuhmacher-Gebler bei einer Diskussion im Fachforum der Leipziger Buchmesse nach.
Diskussion auf der Frankfurter Buchmesse

Leif Greinus

Leif Greinus © Tobias Bohm

"Wut auf den Mann im Jägerrock"

"Hatten wir gerade noch ein Stammkapital von 50.000 Euro und Rücklagen von gut 20.000 Euro, schmilzt das Eigenkapital auf ‚Limes gegen Null‘", rechnet Voland & Quist-Verleger Leif Greinus die Folgen der KNV-Insolvenz im Verlagsblog vor. Nach der Überraschung sei "Wut auf den Mann im Jägerrock" gefolgt, "der doch schon im Herbst gewusst haben musste, dass es nicht weitergeht".
Voland & Quist-Verleger Leif Greinus über die Auswirkungen der KNV-Insolvenz

"Für die KNV-Insolvenz gibt es nicht nur hausgemachte Gründe"

Dass Konkurrenzkampf und Konditionenpoker Folgen für die Buchlogistik haben werden: Das hat Thomas Bez, Umbreit-Gesellschafter und Branchenexperte für die Geschichte des Zwischenbuchhandels, schon lange geahnt. Hier sagt er, warum.

Interview mit Zwischenbuchhändler Thomas Bez

Dritte Fassung der FAQ zur KNV-Insolvenz

Der Börsenverein hat die dritte Frassung seines Leitfadens mit Fragen und Antworten zur KNV-Insolvenz veröffentlicht.
Leitfaden des Börsenverein für Mitglieder



"KNV nicht unter die Räuber fallen lassen"

Seit 14. Februar, dem Tag der KNV-Insolvenz, läuft die Kommentarspalte auf boersenblatt.net über. 120 Leser haben ihre Meinung gesagt, Ideen entwickelt, Informationen ausgetauscht. Ausschnitte aus Kommentaren zu unserer KNV-Berichterstattung.

Best-of der Leserkommentare auf boersenblatt.net

"Wir sind doch eine Branche"

Buchhändler planen Crowdfunding-Aktionen, offene Briefe an die Beschäftigten von KNV und die Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Libri zieht Rechnungszahlungen an kleinere Verlage vor - die Solidaritätserbekundungen der Branche. 
Alle KNV-Solidaritätsbekundungen in einem Dossier 

Wahl peilt Start des Insolvenzverfahrens zum 1. Mai an

Einen Investor gibt es für KNV nach Aussage des vorläufigen Insolvenzverwalters Tobias Wahl noch nicht, doch sein Fahrplan steht: Voraussichtlich am 1. Mai soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden – die erste Gläubigerversammlung könnte dann Ende Juni / Anfang Juli stattfinden.
Fahrplan KNV-Insolvenz

Antje Wolters, Pressesprecherin bei der Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes Deutschland

Antje Wolters, Pressesprecherin bei der Kreditversicherungsgruppe Euler Hermes Deutschland © privat

"Jeder entscheidet selbst über sein Risiko"

Wohl denen, die eine Warenkreditversicherung haben und daraus jetzt Geld erhalten. Allerdings: Viele Verlage können oder wollen sich das nicht leisten. Antje Wolters, Pressesprecherin von Euler Hermes mit Details.

Interview mit Antje Wolters zur Warenkreditversicherung

Tobias Wahl

Tobias Wahl © anchor

Tobias Wahl wird starker Insolvenzverwalter

Mit Beschluss von Mittwochnachmittag (20. Feburar) hat das Amtsgericht Stuttgart der KNV-Geschäftsführung ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegt. Zugleich geht laut Beschluss „die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen der Schuldnerin“ auf den vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Wahl über.

KNV: Beschluss des Amtsgerichts Stuttgart

Es braucht einen starken Insolvenzverwalter

KNV hält die Branche in Atem. Noch ist es dem vorläufigen Insolvenzverwalter nicht gelungen, zögernde Verlage zur Weiterbelieferung des Erfurter Logistikzentrums zu bewegen. Die Unruhe wächst. – Anmerkungen zu einer hoch brisanten Situation.

Aktuelle Analyse von Torsten Casimir zur KNV-Insolvenz

Tobias Wahl

Tobias Wahl © anchor

Tobias Wahl will "möglichst viele Arbeitsplätze erhalten"

KNV-Insolvenz: Rechtsanwalt Tobias Wahl ist vom Amtsgericht Stuttgart für alle Gesellschaften zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Wahl will sich mit seinem Insolvenzteam in Stuttgart und Erfurt zunächst einen Überblick verschaffen. 
Vorläufiger Insolvenzverwalter für KNV

"Ohne Unterstützung der Verlage wird es keine Zukunft für KNV geben"

Der Geschäftsbetrieb bei KNV geht weiter: Das ist für Tobias Wahl die derzeit wichtigste Botschaft an die Branche. Der vorläufige Insolvenzverwalter (Kanzlei anchor) will sicherstellen, dass alle Bücher, die ab dem Insolvenzantrag von KNV gekauft werden, auch von KNV bezahlt werden - und erläutert im Interview die nächsten Arbeitsschritte.
Interview mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Wahl

Mehr Drama geht nicht

Too big to fail? Diese berühmte These von einer Systemrelevanz, die supergroßen Unternehmen selbst noch im Scheitern das Überleben sichert, ist heute fraglicher geworden. KNV ist insolvent. 
Analyse zur KNV-Insolvenz von Torsten Casimir

© KNV

"Eine erschütternde Nachricht"

Nerven bewahren, Kettenreaktionen vermeiden, hoffen, dass die Lieferfähigkeit bestehen bleibt - boersenblatt.net hat sich in der Branche umgehört.
Branchenumfrage zur KNV-Insolvenz

Christian Sprang

Christian Sprang © Magdalena Spinn

"Der vorläufige Insolvenzverwalter ist sich der Systemrelevanz von KNV bewusst"

Welche Aufgaben und Möglichkeiten hat der vorläufige Insolvenzverwalter? Wie priorisiert er die Aufgaben? Was passiert mit den aktuellen Geschäftsführern? Wie wird entschieden, ob das Unternehmen als Ganzes erhalten oder zerschlagen wird? Antworten von Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins. 
Interview mit Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang

"Eine große Gefahr für den gesamten Buchhandel"

"Ein Riese der Buchbranche ist in die Knie gegangen: Die den Markt prägende Stuttgarter Firmengruppe Koch, Neff und Volckmar (KNV) musste in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden. Und damit nicht genug: Dieser Riese droht, sollte er weiter fallen, einen beträchtlichen Teil der Buchbranche mit sich zu reißen", schreibt die Kurt Wolff Stiftung in ihrer Mitteilung an die Presse.
Presseerklärung der Kurt Wolff Stiftung zur Insolvenz von KNV

Klaus Kowalke

Klaus Kowalke © Christoph Künne

“Wie zeigt der Buchhandel jetzt Solidarität mit KNV, Herr Kowalke?“

KNV ist insolvent. Der Buchhandel ist schockiert – erlaubt sich aber keine Panik. So wie Klaus Kowalke von Lessing & Kompanie in Chemnitz wollen auch viele andere KNV die Treue halten, so lange es geht.
Sonntagsfrage zur Branchensolidarität mit Klaus Kowalke

Christian Kille

Christian Kille © privat

"Die Logistiksparte von KNV und der Standort Erfurt sind hochattraktiv"

Zwischenbuchhändler KNV hat in der Insolvenz eigentlich ganz gute Karten, einen Investor zu finden – wenn der Mehrwert des Transportnetzes erkannt wird. Meint Professor Christian Kille vom Institut für angewandte Logistik in Würzburg.
Interview mit Logistikexperte Christian Kille

Wolfgang Tiefensee, Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft

Wolfgang Tiefensee, Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft © photofarm.de

Tiefensee setzt auf Fortführung

Der Thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee bedauert die Insolvenz von KNV, überrascht hat sie ihn nicht. Sobald ein Insolvenzverwalter feststehe, werde er mit ihm Kontakt aufnehmen. 
Thüringens Wirtschaftsminister zur KNV-Insolvenz

Rollenbahnen in Erfurt

Rollenbahnen in Erfurt © Jörg Spindler

Chronik der jüngeren Ereignisse

Wie konnte es soweit kommen? Am 14. Februar hat die KNV Gruppe Insolvenz angemeldet. Woran das Unternehmen scheiterte und was noch versucht wurde, um die Insolvenz abzuwenden? Eine Chronik der Ereignisse.

Chronik der Ereignisse

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19 Kommentar/e

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  • Vito von Eichborn

    Vito von Eichborn

    Der Fisch fängt am Kopf an ... Wie wär's, mal die Kompetenz des einst von Papa inthronisierten Oliver Voerster zu hinterfragen?
    Oder ist das Ketzerei unter Krähen?

  • Thomas Brausch

    Thomas Brausch

    @Vito von Eichborn: Haben Sie auch etwas Konkretes und /oder Konstruktives zum Thema beizutragen oder wollen Sie hier nur Ihren moralinsauren Sermon ablassen? Falls es Ihnen entgangen sein sollte: Es geht hier in erster Linie mal um den Buchhandel und die MA von KNV und (zumindest jetzt) nicht um die Qualifikation von Herrn Voerster.

  • Vito von Eichborn

    Vito von Eichborn

    Kapier ich nicht - was ist da moralinsauer? Wenn man nach der Verantwortung fragt - und sich um die zukünftige Führung sorgt?
    KNV hat sich übernommen und muss offensichtlich - im Interesse der Branche - auf seine Kernkompetenzen zurückgestutzt, vermutlich auch auseinandergenommen werden.
    Nun ja - wenn die aufgeregten Debatten vorbei sind, werden wir das hoffentlich mit kompetentem Managemant erleben.

  • august bebel cooperative

    august bebel cooperative

    "Wir dürfen gespannt sein, welche Hilfsmaßnahmen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vorschlägt." (Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung 16.2.2019).
    Bisher ist von dieser Seite gar nichts Substanzielles gekommen - dieses Dossier
    ist auch nicht hilfreich.

  • Arbeitnehmerseite

    Arbeitnehmerseite

    Schade um die Standorte! Die Idee war ja - leider nur im Prinzip - gut.
    Hoffentlich sind die Mitarbeiter gut gewerkschaftlich organisiert. Das ist - auch im Buchhandel, wie überall im Handel, jedem* Angestellt*en nur zu empfehlen. Zuständig ist meist ver.di: https://www.verdi.de/
    Unabhängig davon wünsche ich allen Beteiligten alles Gute.

  • Florian

    Florian

    Interessant zu wissen ist, ab wann sich KNV bewusst war, dass es zu einer Insolvenz kommt. Noch am 1. Februar hat KNV entgegen der üblichen Praxis eine sehr große Anzahl unseres einzigen lieferbaren Titels bei uns geordert, obwohl noch eine größere Stückzahl im Lager war. So eine große Bestellung wurde noch nie getätigt. Einem befreundeten Verlag ist genau das selbe passiert. Gibt es noch mehr Verlage, denen es ähnlich wiederverfahren ist? Das Ganze hat einen sehr bitteren Beigeschmack, was KNV da getan hat. Das grenzt schon an Betrug.

  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    @ Florian: Das ist ja interessant zu hören. War ja wohl kein Zufall. Mich würde auch interessieren, ab wann die Lage im Vorstand bekannt war. Die Tatsache, dass der zuständige Vorstand für Logistik noch Ende 2018 mit dem (goldenen?) Handschlag verabschiedet wurde, hat auch ein "Gschmäckle".

  • Machandel Verlag

    Machandel Verlag

    Hier nur über KNV zu schreiben, greift meiner Meinung nach zu kurz. Ich möchte hier deshalb etwas posten, was ich bereits anderweitig im Internet ausführlicher sthen habe
    Leider sind Arbeitsplatzverluste bei KNV nicht alle möglichen Konsequenzen. Dahinter hängt noch ein ganzer Rattenschwanz.
    Fangen wir mit den Buchhandlungen an.

    Einige Buchhandlungen (besonders die kleinen um die Ecke) sind kaum noch rentabel. KVN hat seinen Kunden bislang mit seiner Logistik geholfen, mit einem Minimum an Geldreserven arbeitsfähig zu bleiben und aktuelle Bücher zu zeigen. Weil, die können normalerweise ohne Abzüge zurückgegeben werden, wenn sie sich nicht verkaufen. Bislang allerdings ist unklar, ob solche Retouren bei KNV überhaupt noch vergütet werden können. Der Buchhändler (wenn er KNV-Kunde ist) muss also mit noch spitzerer Feder kalkulieren, hat mehr alte ( und damit weitgehend unverkäufliche) Ware an Lager und kann seine Kunden nicht mehr so gut mit frischen Büchern beglücken.
    Das kann durchaus bedeuten, dass die Buchhandlung weniger verkauft. Und das wiederum kann für einige Buchhandlungen, die ohnehin am Limit sind, bdeuten, dass sie schließen müssen, weil es einfach nicht mehr reicht.
    Nein, Amazon wird wohl nicht dazugehören. Der Laden macht auch mit Verlusten in Millionenhöhen weiter, schließlich können die gegen anderweitige Konzerngewinne irgendwo auf der Welt verrechnet werden.
    Aber diese Möglichkeit hat eine kleine Buchhandlung nicht.
    Wenn Sie also an deren Erhalt interessiert sind, heißt es heute mehr denn je: Buy local. Kaufen Sie vor Ort, in der Buchhandlung.

    Leider sind das noch nicht alle Konsequenzen.
    Der Buchgroßhandel bezahlt die Bücher, die er von den Verlagen bekommt, normalerweise erst zwei bis drei Monate später. Das bedeutet für die Verlage, dass sie das Geld von den Verkäufen im November und Dezember erst jetzt bekommen. Bekommen müssten. Denn diese Zahlungen sind durch die Insolvenz eingefroren, und es steht reichlich in den Sternen, ob die Verlage je etwas davon sehen werden. Da sind andere, viel größere Geldforderungen gegen KNV offen, und bei Insolvenzen bekommen alle meist nur noch einen Bruchteil ihrer offenen Forderungen zu sehen.
    Ausgerechnet November und Dezember aber sind die umsatzstärksten Monate im Buchhandel. Das ist Geld, das für viele, besonders kleinere Verlage existentiell wichtig ist. Geld, das, selbst wenn es irgendwann noch gezahlt werden sollte, zunächst einmal in der Kasse und auf dem Bankkonto fehlt. Ausgerechnet jetzt, wo die Leipziger Buchmesse ansteht und bezahlt werden will, wo die neuen Frühlingstitel gedruckt werden müssen und die Druckereien bezahlt werden wollen.
    Auch bei den kleineren Verlagen arbeiten viele am Limit, gerade mal eben so in den schwarzen Zahlen (wenn überhaupt). Wenn da jetzt plötzlich eine größere Summe fehlt, die zwei Monatseinkommen entspricht (real mehr, weil, wie schon gesagt, diese beiden Monate die umsatzstärksten sind, es ist eher zu vergleichen mit einem Drittel Jahresgehalt), dann kann das einem Kleinverlag den Boden unter den Füßen wegziehen.
    Ja, der Verlag hat gut gearbeitet, hat gut verkauft, hätte theoretisch gute Einnahmen – aber die kommen nicht. Die fehlen.
    Auf unbestimmte Zeit oder für immer.
    Das heißt, die laufenden Kosten können nicht mehr bezahlt werden. Z.B. die Gehälter der Mitarbeiter. Oder die Mieten. Oder die Druckereien. Oder die Autoren. Oder das Finanzamt.
    Und spätestens das versteht, wie wir alle wissen, bei fälligen Geldern keinen Spaß.
    Die Insolvenz bei KNV kann also auch bedeuten, dass der eine oder andere Kleinverlag (und vielleicht auch der eine oder andere mittelgroße Verlag) die Pforten für immer schließt.

    Und das bringt mich zur letzten der Konsequenzen.
    Wovon, glauben Sie, kriegt ein Autor seine Tantiemen bezahlt für diese Bücher, die im Weihnachtsgeschäft verkauft wurden?
    Autoren bekommen ihre Tantiemen bezahlt für Bücher, für die der Verlag Geld bekommen hat. Nicht Bücher, die verkauft wurden, sondern Bücher, für deren Verkäufe tatsächlich Geld beim Verlag angekommen ist.
    Und davon kommt plötzlich über die Hälfte nicht mehr, bei einigem Pech.
    Und, wie ich schon sagte, November-Dezember sind die umsatzstärksten Monate im Jahr. Das ist Geld, das viele Autoren dringend als Einkommen brauchen. Geld, das auch bei ihnen plötzlich fehlt, denn die wenigsten Autoren verdienen soviel, dass die mal locker zwei Monate ohne Einkommen wegstecken können.
    Und auch für den Autor ist der Schaden größer als zwei Monate ohne Geld. Die Summe aus dem Weihnachtsgeschäft ist so hoch, dass es für den Autor so ist, als wenn Sie für drei bis vier Monate komplett ohne Gehalt leben müssten.
    Ein Autor, der von seinen Büchern kein Geld sieht, wird sich eine andere Arbeit suchen müssen. Und weniger (oder gar nicht mehr) schreiben.

    Und hier schließt sich der Kreis zum Leser:
    Es kann sein, dass sie durch die KNV-Insolvenz in der Zukunft die Bücher ihres Lieblings-Autors von ihrem Lieblings-Verlag nicht mehr in ihrer Lieblings-Buchhandlung kaufen können, weil es all das nicht mehr gibt.
    Selbst, wenn KNV doch noch gerettet wird.

    Charlotte Erpenbeck
    Machandel Verlag

  • Michael

    Michael

    @Machandel Verlag: Gibt es hier keinen Eigentumsvorbehalt, so dass die Ware, die KNV als Barsortiment eingekauft hat, aber noch nicht bezahlt und noch nicht weiterverkauft hat, aus deren Lager zurückgeholt werden kann?

    Bei der reinen Verlagsauslieferung darf das Lagergut nie und nimmer in die Insolvenzmasse fallen. Denn die Verlage sind ja weiterhin Eigentümer des Lagergutes und haben die jetzt insolvente Firma lediglich mit der Einlagerung, dem Versand und der Abrechnung beauftragt.

  • Ralf Keulen

    Ralf Keulen

    Liebe Frau Erpenbeck,
    warum schreiben Sie über die Situation des Buchhändlers, wenn Sie keine Ahnung davon haben?
    "Weil, die können normalerweise ohne Abzüge zurückgegeben werden, wenn sie sich nicht verkaufen."
    Ich kann Ihnen gerne die Konditionen für Remissionen an KNV zukommen lassen. Wir Buchhändler zahlen 2x Porto plus einer Bearbeitungsgebühr abhängig vom Ladenpreis des Buches und der Remissionsquote für jeden Titel den wir zurückschicken, und diese Gebühren sind vor kurzem erst deutlich erhöht wurden. Ihr Blick auf die Dinge aus der Sicht des Verlages ist durchaus interessant, aber von der Sicht des Buchhandels haben Sie leider zu wenig Ahnung.

  • Machandel Verlag

    Machandel Verlag

    @Michael: Nein, bislang gab es meines Wissens nach keinen Eigentumsvorbehalt. Nicht direkt bei mir und nicht bei meiner Verlagsauslieferung. Ich glaube, mit so etwas wie dieser Insolvenz hat einfach keiner von uns gerechnet.

    @Ralf Keulen: Ich bin von meinen eigenen Erfahrungen ausgegangen. Und da war zu Zeiten, in denen ich noch selbst Rechnungen schrieb (und nicht die Verlagsauslieferung), die Anlieferung portofrei und die Rückgabe vor Ablauf einer mehrwöchigen Valutafrist ohne Abzug möglich.
    Die Buchhandlungen hatten also schlimmstenfalls das Rückporto zu tragen.
    Offenbar wird das vom Handel heute überwiegend anders gehandhabt, in dem Fall haben Sie natürlich recht, und der Buchhandel hat bei Rückgaben einige Kosten. Da ich nie direkt mit KNV gearbeitet habe (ich habe nur mit Libri und Umbreit Verträge), kenne ich die aktuellen Konditionen von KNV nicht. Allerdings dürfen Sie trotzdem nicht verkaufte Bücher zurückgeben - und die liefert der Buchgroßhandel erst mit einiger Verspätung seinerseits an die Verlage zurück. Und ich wiederum kriege für die Rücknahme keine Bearbeitungsgebühr vergütet.

  • Thomas Emig, Altlandsberger Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig, Altlandsberger Buchhandlung & Antiquariat

    Lieber Herr Kollege Keulen,
    ich kann gut verstehen, wenn Ihre Nerven blank liegen, doch sprach Frau Erpenbeck wohl doch von den Sachgebiets-Abonnement, die KNV anbietet und die z.B. auch wir nutzen; hier ist eine Remission (abgesehen von den Versandkosten, die wir meist auch bei Verlagsremissionen übernehmen müssen) ohne Abzug einer Bearbeitungsgebühr möglich. Insofern sollten wir vielleicht alle dem Rat des Kollegen Heinrich folgen, Ruhe bewahren und von persönlichen Angriffen absehen. Wir sind doch EINE Branche, die in so einer wirklich kritischen Situation zusammenstehen sollte !

    Ich persönlich würde mich auch über Anfragen bzw. Angebote von Verlagen freuen, die auch abseits des Barsortiments mit uns arbeiten möchten - vielleicht bietet auch auf Verlagsseite die aktuelle Situation die Möglichkeit, offener auf kleinere KollegInnen im Buchhandel zuzugehen und gemeinsam die Marktchancen auszuloten. Außer dem rührigen Herrn Gloßmann, der seine Verlage wirklich aktiv vertritt und den VertreterInnen, die wir selbst kontaktiert haben, hat sich in den vier Jahren nach unserer Gründung da nur wenig getan... Einer der Gründe, warum wir viel beim Barsortiment bezogen haben. Aber auch für die jetztige Situation mit KNV liegt: "Jedem Ende liegt ein neuer Anfang inne".

  • Mohammad Al-Hasani

    Mohammad Al-Hasani

    Die Berichterstattung über die Causa KNV verwundert mich zunehmend fast hin zur Bestürzung. Die eigentlich zugrundeliegende Erzählung ist die Digitalisierung. Eine ehemals inhabergeführte Buchhandelslandschaft war der Technologisierungswelle der 2000er nicht gewachsen. Thalia, Hugendubel et. al. ist eine der Folgen hieraus. Digitale Warenwirtschafts- und Buchhaltungssysteme sind nicht nur Herausforderung sondern eben auch Opportunität. Alle anderen: machen sich abhängig von KNV. Lieferdienst, Software, Exklusivverträge. Das ist die Antwort des deutschen Buchhandels auf die neue Zeit: Behäbigkeit, Bequemlichkeit und Zentralisierung von Marktmacht. Zu wessen Nutzen?
    Jetzt krähen alle im Namen der „kleinen und unabhängigen“ aber blasen und Horn der allergrößten. Mein Vertrieb ist klein und unabhängig. Von KNV wurden wir als kleiner Zulieferer von einem paar Dutzend internationaler Verlage aus dem Kunstbuchbereich so herablassend und schlecht behandelt, dass wir voriges Jahr den Vertrag kündigten. Wenn wir unseren Verlagen Geld schulden oder gar - wie in dem Fall KNV verbrennen - gibt es keine Solidaritätsappelle von Buchhändlern, Staatssekretäre und Branchenfunktionäre. Eine Branche, die sich aus behäbiger Zentralisierung und dem Muff der Bonner Republik speist, hat es nicht anders verdient, wenn der große Wal und damit alle sorgsam umhegten Pfründe sterben. Wieviele Buchhandlungen haben es gewagt, sich unabhängige Software ins Haus zu holen, die auch andere als nur den einen ewigen Lieferanten zulässt? Modernisierung sieht anders aus. Moderne Marktdynamiken sehen anders aus (nicht gleichbedeutend mit gut). Und „too big to fail“ war schon immer eins, nämlich in allererster Linie ein faules Argument.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Al-Hasani,
    ich glaube nicht, dass eine zentrale Infrastruktur für die Warenlogistik und zentrale Infrastrukturen für den Datenaustausch ein Relikt der Vergangenheit sind. Die Buchbranche hat seit 200 Jahren ein modernes System und hat dieses kontinuierlich weiter modernisiert. Und die Hauptverantwortung dafür haben immer die Barsortimente und danach die Auslieferungen getragen. Die Strukturen wurden durch das Oligopol und die Aktivitäten der MVB immer in einer gewissen Redunandanz gehalten, die in meinen Augen ein guter Kompromiss zwischen Effizienz und Absicherung war.

    Die Digitalisierung hat zweifellos das Spiel insgesamt verändert. Beim Barsortiment hat die Struktur der Kunden (Amazon, Zentrallager der Ketten und auf der anderen Seite immer kleinere Einzelkunden) bei den effizienten Kunden für enormen Konditionendruck, bei den kleinen, "Ineffizienten" zu Kostenproblemen geführt. Das hat die Rentabilität der Barsortimente vermindert, die gleichzeitig auch noch wegen Amazon die Titelbreite (noch mehr Ineffizienz) ausgeweitet haben.
    Bei den Verlagsauslieferungen war der Wettbewerb noch immer groß genug, so dass man als Verlag bei jedem Auslieferungswechsel bessere Konditionen bekam. Was aber ebenfalls die Rentabilität der Auslieferungen vermindert hat.

    Wir haben alle durch hartes Verhandeln der Produktionskosten (Druck, Repro, Bindung) und der Honorare sowie der Logistik-Konditionen die kontinuierlich steigenden Personalkosten (insbesondere Sozialversicherungen und Betriebsrenten) und die kontinuierlich steigenden Konditionenforderungen der Ketten und Amazons ertragen können und gleichzeitig noch die eigenen Investitionen in die Digitalisierung hinbekommen. Aber das System war eben zunehmend auf Kante genäht.

    Wenn dann die Urheberrechtsreformen zu Ungunsten der Verlage, die VG Wort Thematik, die Bilmog und Basel 2 Thematik, die Finanzkrise mit den Folgen für die Bankenpolitik, die DSGV-Problematik gleichzeitig mit dem Leserrückgang durch das geänderte Medienverhalten und die Innenstadtproblematik und der Amazon-Reklamations-Wahnsinn zusammen kommen, dann fangen eben die Nähte zu Reißen an.
    Die einzige Sache, die ich der Geschäftsführung von KNV vorwerfen könnte (wenn überhaupt) ist, dass man bei der Investition in den neuen Standort die Risiken der gesamten Branchensituation nicht richtig eingeschätzt hat.

    Es war schon seit Jahren klar, dass in der Branche (mit wenigen Ausnahmen) niemand mehr angemessen verdient, außer dem Leser, der noch immer eine sensationelle Produktpalette mit einer tollen Distributution und Beratung zu absoluten Spottpreisen bekommt. Ich hatte angeregt, dass man über die Frage, wie eine rentable Struktur der Branche überhaupt aussehen kann und welche Leistungen wir überhaupt realistisch anbieten können einmal spartenübergreifend diskutiert. Solche Gespräche verbietet aber schon im Ansatz das Kartellamt. Bei diesem Verbot hat man dann den Faden zur Lösung des Gesamtproblems in der Hand, wenn man es überhaupt lösen will: Kooperation statt Wettbewerb, Konzeption der gesellschaftlich erwünschten Branchenleistung und Ermittlung der dafür notwendigen Strukturen. Und danach die Frage, was kann davon im Wettbewerb, was kann kooperativ und was muss notfalls als öffentliche Leistung angeboten werden.

    Die Alternative ist (so fürchte ich) was Sie beschreiben: der Zusammenbruch der übergeordneten Strukturen und neues Leben aus Ruinen. In dieser Situation würde sich freier Raum für die Entfaltung der neueren dynamischen Geschäftsmodelle bieten, von Selfpublishing über Lesegruppen, Streamingmodellen mit Flatrates, Guerillabuchhandel und Stadteilbuchhandel etc. Das hat auch seinen Reiz. Aber ich meine, in einem solchen Nach-Katastrophenszenario haben wir eine sehr viel kleinere Branche, sehr viel weniger Bücher, viel weniger Autoren und viel weniger Leser, sehr viel weniger Arbeitsplätze und sehr viel weniger Steueraufkommen. Auch wenn das heißt: ein Leben ohne Barsortiment ist möglich! So heißt es auch: aber es ist schlechter.

  • Vito von Eichborn

    Vito von Eichborn

    Einfach mal: Dank an Monsieur Ulmer für diese zwingende Zusammenfassung.
    Aber auch Daumen hoch für Mister Al-Hasani - keep upright!
    Wo bleibt die konzertierte Aktion, die Meister Horn vorschlug?

  • Franz Mehring Buchhandlung

    Franz Mehring Buchhandlung


    Manche Dinge können einfach nicht wahr sein.
    Da kommt ein mittelständisches Buchhandelsunternehmen
    in die Schlagzeilen, weil ein Insolvenzantrag gestellt wurde.
    KNV- ein Büchergigant, immer präsent, immer
    aktiv und auch gegenüber dem Sortiment hilfsbereit und oft verständnisvoll, wenn es mal „klemmte“!
    Diese gute kaufmännische Art müssen wir jetzt auch beweisen, denn fällt KNV, dann fällt noch viel mehr….
    Was können wir tun ? Es sind die kleinen Gesten, z.B. viele Bestellungen über KNV realisieren, keine
    Rücklieferungen zur Zeit losschicken, auf die eventuellen Jahresboni verzichten (geht das ?).
    Was war eigentlich los?
    Da wird tatsächlich mitten im Weihnachtsgeschäft 2014 der Standort Erfurt eröffnet
    und es klappt nicht…., viele Buchhändler springen ab und suchen ihr Glück bei anderen Barsortimenten.
    Wir hielten durch und trafen auf zumeist verständnisvolle Kunden. Klar, wenn was nicht klappt, müssen wir
    den Kopf hinhalten, wenn der Server abstürzt, die Ware fehlgeleitet wird oder anderes Missgeschick unser
    Barsortiment trifft. Wir sind dann alle im Dienst der Öffentlichkeitsarbeit von KNV und versuchen unseren
    Kunden die Gründe zu erklären.
    Auch heute tun wir das und wir hoffen, mit Erfolg.
    Was muß noch geschehen? Natürlich muss sich die Politik einschalten, denn ein großes Stück Kultur ist in Gefahr. Eine lohnende oder besser verdienstvolle Aufgabe für Frau Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Lösungswege wären ein längerfristiger Kredit, eine Bürgschaft, Hilfe bei der Investorensuche
    und natürlich eine Fehleranalyse für die Ursachen dieser Krise. Denn der Zusammenbruch
    von KNV wäre ein gewaltiger Einschnitt in die Buchlandschaft unseres Landes und der Verlust tausender Arbeitsplätze
    im Sortimentsbuchhandel und anderswo.
    Das muss verhindert werden !

  • Teilnehmer der Herstellungskette

    Teilnehmer der Herstellungskette

    ieso wird in fast jedem Kommentar zu all diese Beiträgen immer Amazon als einer der Gründe für das Scheitern eines Unternehmens genannt. Jeder verteufelt dieses Geschäftsfeld, aber sind wir es nicht alle selbst die es soweit haben kommen lassen? Und beschreiben hier nicht viele ebenso, diesen Weg von KNV zum eigenen Vorteil genutzt zu haben, ohne diesen zu hinterfragen: wie wirtschaftlich kann es sein, einzelne Bücher per Overnight durch die gesamte Republik und darüber hinaus zu transportieren? Ich erlebe täglich den Preiskampf im Cent-Bereich für die Herstellung von Print-Produkten... aber wird seitens von Autoren, Verlagen oder anderen in der Kette die Terminschiene mißachtet, ist es auf einmal völlig unrelevant 1 einzelnes Buch per Express oder Dirtektfahrt für horrende Summen von A nach B zu liefern... dieser ach so tolle Buchmarkt muss sich, unabhängig von Amazon o.ä., bereinigen und einen Wechsel vollziehen. Dann gibt es kein Malbuch im 1-farbigen Druck für Kinder zum gleichen Preis (4,99€) wie ein toll gestalteter Leinenband mit 400 Seiten (4,99€ bei Weltbild). Dies nur mal als Denkanstoß für die ganze Branche... es ist vielleicht auch eine Chance auf einen Wandel

  • Georg Aehling

    Georg Aehling

    Im heutigen Schreiben des Insolvenzverwalters wird zugesagt, dass Bestellungen bei Verlagen ab dem 14.02. zu Masseverbindlichkeiten gegen die Insolvenzmasse fuehren und eine Begleichung der Rechnungen erfolgen "kann". Rechnungen werden also nicht, wie im Interview mit dem Insoverwalter dargestellt, sicher beglichen.
    Sollte man als Verlag dann noch an knv liefern, wenn man keine garantierte Begkeichung der Rechnungen erwarten kann? Vorkasse sollte die Bedingung sein.

  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    Im vorläufigen Gläubigerausschuss, der den Insolvenzverwalter unterstützen und kontrollieren soll, sitzen jetzt Banken, Warenkreditversicherer, Arbeitnehmervertreter … aber nach buchreport-Informationen kein Verlag, kein Branchenvertreter.
    Wird der Börsenverein hier tätig werden um die Interessen der Verlage zu vertreten?

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