Waterstones-Mitarbeiter fordern mehr Gehalt

"Wenn wir den Lohn anheben, gehen wir pleite"

Mitarbeiter der britischen Buchhandelskette Waterstones fordern in einer Petition mehr Gehalt: Mindestens 9 Pfund pro Stunde (rund 10,54 Euro) wollen sie von ihrem Chef James Daunt. Der weigert sich mit dem Argument: "Dann gehen wir pleite!". Der Streit ist inzwischen Thema in Tageszeitungen. Auch Schriftsteller beziehen Position.

© Nick Ansell/PA Wire/ dpa

Mehr als 1.000 Autoren unterstützen die Kampagne für höhere Löhne für die Angestellten der größten britischen Buchhandelskette, darunter David Nicholls, Sally Rooney, Michael Rosen, meldet der "Guardian". Mehr als 280 Buchhandlungen betreibt Waterstones, die meisten davon in Großbritannien.

In der Petition heißt es:

"Wenn Buchhändler für einen Lohn arbeiten müssen, der unter dem Existenzminimum liegt, führt das dazu, dass diese Buchhändler gestresst und damit beschäftigt sind und wenig Zeit und Energie haben, um Bücher zu kaufen, zu lesen und mit Neuigkeiten und Trends in der Branche Schritt zu halten. All diese Aktivitäten werden außerhalb der vertraglich vereinbarten Zeiten durchgeführt. Viele Mitarbeiter sehen sie aber als für ihre Rolle relevant an." Mehr als 8.000 Unterstützer haben die Onlinepetition inzwischen unterzeichnet. In dieser fordern die Mitarbeiter einen Lohn von mindestens 9 Pfund (rund 10,54 Euro), im Großraum London mit seinen extremen Mietpreisen sollen mindestens £10,55 (rund 12,35 Euro) gezahlt werden.

Mindestlohn: Das ist die Untergrenze

Vergleich: Der Mindestlohn in Großbritannien beträgt gerade einmal 7,83 Pfund pro Stunde (rund 8,74 Euro) – damit sind die Briten Schlusslicht in der Europäischen Union. In Deutschland beträgt der Mindestlohn 9,35 Euro pro Stunde (brutto). Eingeführt wurde der verpflichtende Mindestlohn in Deutschland im Januar 2015.

James Daunt

James Daunt © Laura Grotjohann

"Wenn Sie den Basislohn deutlich anheben, dann müssen Sie das über alle Tarifgruppen hinweg tun. Dann gehen wir pleite und das hilft niemanden", verteidigte Waterstones-Geschäftsführer James Daunt den Kurs seines Unternehmens in einem Brief an die Autoren, der von mehreren Zeitungen zitiert wurde. Er erinnerte daran, dass die Kette erst seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreibt. Wenn die Gewinne stiegen, seien auch höhere Löhne möglich. "Wir sind einfach nicht profitabel genug, um den Zauberstab zu schütteln und alles zu vergolden", so Daunt.

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3 Kommentar/e

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  • Guido Schröer

    Guido Schröer

    Ein Chef hat mehrere Stellschrauben vor sich, an denen er immer wieder drehen kann/muss, um sein Unternehmen auf Kurs zu halten. Grundsätzlich gehören die Löhne und Gehälter zu diesen Stellschrauben. Wenn James Daunt aber bei Waterstone´s nicht in der Lage ist, auch so geringe Lohnkosten von 9 bzw. 10,55 Pfund zu zahlen, scheint es mir im Unternehmen an anderer Stelle zu kranken. Ich würde darangehen, diese Stellen zu identifizieren und besser zu managen. Es scheint manchmal einfacher, von den Mitarbeiter*innen Verzicht zu fordern, als seine eigenen Hausaufgaben zu machen.

  • Lisa Isenmann

    Lisa Isenmann

    Der Mindestlohn liegt in Deutschland in diesem Jahr bei € 9,19 pro Stunde. € 9,35 wird er erst nächstes Jahr betragen.

  • Ex-Buchhändlerin

    Ex-Buchhändlerin

    Trotz der Schwierigkeiten auf dem Buchmarkt wird an vielen Stellen deutlich, dass es der Unwillen des Unternehmens ist, nach unten hin faire Löhne zu zahlen. Nicht nur anhand von Wikipedia bekommt man einen Eindruck davon, wie deren Geschäftsgebahren ist.
    - Vielleicht hat der eine oder die andere das auch schon einmal selber erlebt: Man arbeitet für ein Unternehmen, das einem sagt, dass es grad nicht gut laufen wurde und dass für die nächste Zeit nicht mehr an die Mitarbeiter gezahlt werden kann, u.s.w.. Man solle durchhalten, Zähne zusammenbeißen. Das macht man dann eine Weile mit - viel Arbeit und viel Stress für wenig Geld und wenig Zukunftsaussichten. Dabei muss man zusehen, wie gute Kollegen entlassen werden. Und hinten herum erfährt man dann, dass aber noch locker genug Geld da war, um Konkurrenten einzukaufen, etc. Tja, wieso wiederholt sich dieses Spiel immer wieder - und nur ein paar wenige verdienen daran, während sich viele abarbeiten?

    Aktueller Mehrheitseigner bei Waterstones ist Paul Elliott Singer von Hedgefond Elliott Management Corporation, der ist in der The Forbes 400 Liste der reichsten US-Amerikaner von 2018 an Stelle 251.

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