Interview mit Ronald Schild zum VLB-TIX

"Wir prüfen das System auf Herz und Nieren"

MVB-Geschäftsführer Ronald Schild erläutert im Gespräch mit Börsenblatt Online unter anderem, welche Maßnahmen zur Optimierung der Performance von VLB-TIX unternommen wurden und werden. Die Ladezeiten, ein Kritikpunkt aus dem Buchhandel, habe man inzwischen "wesentlich verbessert", so Schild.

Ronald Schild

Ronald Schild © Gaby Gerster

Rund um die Leipziger Buchmesse wurde Kritik laut, dass die Ladezeiten von VLB-TIX nicht praxistauglich sind. Haben Sie ein akutes Performance-Problem?
Die Nutzung von VLB-TIX hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Das ist eine äußerst erfreuliche Entwicklung, hat aber leider auch zu längeren Antwortzeiten des Systems geführt, die nicht nur im eng getakteten Arbeitsalltag aller Beteiligten vollkommen inakzeptabel sind.

Als Betreiber von sogenannten Hochverfügbarkeitssystemen wie dem VLB, der IBU oder Pubnet haben wir natürlich Routinen und unterschiedliche Optionen für die Behebung solcher Performance-Probleme, zum Beispiel das Zuschalten weiterer Server. In diesem Fall haben sich die gewünschten Effekte für die Ladezeiten von VLB-TIX aber nicht eingestellt. In einem mehrstufigen Analyse-Verfahren prüfen wir deshalb das System seit Ende letzten Jahres auf Herz und Nieren und haben dabei auch schon direkt in die Systemarchitektur eingegriffen. Dieser Zeitraum erscheint sehr lang, ist aber notwendig, um Fehlerquellen verlässlich und dauerhaft zu entfernen. Schritt für Schritt prüfen wir jedes Feature des Systems auf seine Leistungsfähigkeit und nehmen bei Bedarf Anpassungen vor. So haben wir inzwischen die Ladezeiten wesentlich verbessert. Die positive Resonanz aus dem Buchhandel bestärkt uns in der Einschätzung, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

Wie und bis wann wollen Sie das System konkret verbessern?
Die Optimierung der Performance hat für uns oberste Priorität. Die ersten Maßnahmen sind wie gesagt bereits umgesetzt. Die Zeiten für den Seitenaufruf aus der Listenansicht und im Präsentationsmodus konnten wir bereits deutlich verringern. Buchhändler bestätigen uns, dass sie jetzt schon wieder gut mit VLB-TIX arbeiten können. Aber wir haben auch noch Luft nach oben, so dass wir bis Ende Mai drei weitere Maßnahmenpakete umsetzen werden. Außerdem werden wir Usability-Tests durchführen, um auch die allgemeine Benutzerfreundlichkeit des Systems weiter zu steigern.

Zusätzlich wird VLB-TIX auch gut drei Jahre nach dem offiziellen Start weiterhin eine fehlende Marktdurchdringung angekreidet. Wer arbeitet tatsächlich aktiv mit VLB-TIX?
Wir haben immer vor der Erwartung gewarnt, dass sich über Jahrzehnte eingespielte Arbeitsprozesse innerhalb kurzer Zeit vollständig digitalisieren lassen. Ein so grundlegender Veränderungsprozess wie der Umstieg der Branche auf VLB-TIX kann nur evolutionär erfolgen.

Genau diese Entwicklung beobachten wir gerade und der Zwischenstand ist vielversprechend. Die beiden führenden Buchhandelsfilialisten arbeiten entweder schon komplett mit VLB-TIX oder stehen kurz davor. Genauso verhält es sich mit den übrigen Filialunternehmen und anderen großen Buchhandlungen.

Die Marktdurchdringung im unabhängigen Sortiment hingegen ist bisher sehr unterschiedlich. Es gibt intensive VLB-TIX-Nutzer, aber auch noch viele Unentschlossene. Deshalb unterstützen wir die Einführung und den Ausbau mit individuellen Beratungen, Veranstaltungen, Webinaren oder Formaten wie der Summer bzw. Winter School. Besonderen Fokus legen wir dabei auf die Vertreter. So ist das VLB-TIX-Team bei nahezu jeder Vertreterbörse vor Ort aktiv.

Für die Verlage sind klar messbare Effekte bei Systemzugriff und Bestellvolumina ein zentrales Argument für die vollständige Umstellung auf die digitale Vorschau. Welche Reporting-Möglichkeiten können Sie in Aussicht stellen?
Wir werden noch dieses Jahr erste Reporting-Tools anbieten. Allerdings ist die Auswertung schwierig, da die Nutzung der Plattform sich sehr heterogen gestaltet. So integrieren zum Beispiel die großen Filialisten VLB-TIX in ihre internen Bestellsysteme. Der Einkaufsprozess erfolgt dabei in VLB-TIX, die Bestellung an sich allerdings in deren Systemen, so dass uns hier überhaupt keine Bestellvolumina zur Auswertung zur Verfügung stehen.

Damit sind absolute Zahlen nur sehr schwer darstellbar. Vergleicht man aber die Zugriffszahlen auf Dispolisten oder den Warenkorb in VLB-TIX, erkennt man zum Beispiel von Februar 2018 auf Februar 2019 eine Steigerung von mehr als 600 Prozent.

Die Buchhändler fordern gleichzeitig Absatz- und Bestandszahlen, die direkt in VLB-TIX angezeigt werden. Wie weit sind Sie dabei bisher gekommen?
Die Integration dieser Zahlen in VLB-TIX wird von den Mitgliedern der IG PRO genauso wie von uns als enorm wichtige Funktionalität eingeschätzt. Hierzu brauchen wir die Unterstützung der Anbieter von Warenwirtschaftssystemen, mit denen wir in einem engen Austausch stehen. Aktuell diskutieren wir die Details der Schnittstellen, die dann in eine Spezifikation münden werden. Unser Ziel ist die Integration der wichtigsten Zahlen bei Titeln und Referenztiteln, die dem Nutzer eine schnelle Orientierung bieten.

Immer wieder ist zu hören, dass es Ihnen nicht gelingt, die Vertreter großflächig für die Arbeit mit VLB-TIX zu gewinnen. Trifft das zu? Und wenn ja: Warum?
Das stimmt nur bedingt. Die größeren Verlage etwa definieren in ihren Stellenausschreibungen für Vertreter die aktive Arbeit mit VLB-TIX oft schon als eine der Kernanforderungen.

Gleichzeitig gibt es Vorbehalte, weil die Arbeit mit der digitalen Vorschau teilweise noch mehr Zeit in Anspruch nimmt als die bisherige Praxis des Einkaufsgesprächs, für das die Ressourcen bei Vertretern und Buchhändlern gleichermaßen knapp bemessen sind. Der Umstieg auf ein neues, an sich effizienteres Medium muss eben erst gelernt werden. Zudem gibt es noch technische Hürden, die wir als Branche gemeinsam zu nehmen haben. So arbeiten wir zum Beispiel derzeit mit den Anbietern von Vertretersystemen an einer Lösung für einen besseren Austausch der Bestelldateien.

Dennoch nutzen immer mehr Vertreter VLB-TIX aktiv, um ihre Beratungsleistung besser auszuspielen und ihren Verkaufserfolg zu verbessern. Um diese positive Entwicklung weiter zu fördern, stehen wir in engem Austausch mit einer Gruppe von Vertretern, mit der wir Standards erarbeiten, wie Vertreter ihr Programm und ihre Leistungen in VLB-TIX noch besser darstellen können.

Sie betonen regelmäßig den kooperativen Ansatz, mit dem Sie VLB-TIX weiterentwickeln. Nach welchen Kriterien priorisieren Sie die vielen Anforderungen?
Die richtige Gewichtung der teilweise auch gegenläufigen Kundeninteressen ist in der Tat eine unserer größten Herausforderungen. Hier unterstützt uns in erster Linie ein Beirat, den wir letztes Jahr eingesetzt haben. Aber auch die Interessengruppen des Börsenvereins begleiten uns mit Rat und Tat. Abgerundet wird dies durch regelmäßige Kundentreffen und den sehr regen Erfahrungsaustausch bei den VLB-TIX-Stammtischen in mittlerweile neun Städten.

Wir freuen uns allerdings auch über jeden individuellen Beitrag zur möglichen Weiterentwicklung. Denn insgesamt stellt die sukzessive Verlagerung auf VLB-TIX den wahrscheinlich größten Wandel dar, den die deutschsprachige Buchbranche in den letzten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, zu bewältigen hat. Diese Umstellung wird dann möglichst schnell gelingen, wenn Verlage, Buchhandlungen und Vertreter zusammen mit uns gleichermaßen mit hohem Engagement an der Optimierung der Verkaufs- respektive Einkaufsprozesse arbeiten.

Aktuelle Zahlen zu VLB-TIX

13.546 Nutzer (gesamt):

  • 4.682 Verlagsmitarbeiter
  • 5.022 Buchhändler
  • 2.929 Leser
  • 673 Blogger/Journalisten
  • 240 Mitarbeiter bei Vertriebskooperationen

4.288 Firmen (gesamt):

  • 1.519 Verlage
  • 2.682 Buchhandlungen
  • 87 Vertriebskooperationen
  • Buchhandelsgemeinschaften: AGM, Buchmedia, Buchwerbung der Neun, Buchwert, LG Buch, Nordbuch

832 Premiumverlage

mehr als 3.500 Vorschauen, darunter über 900 Vorschauen Frühjahr 2019 und bereits über 90 Vorschauen Herbst/Winter 2019

329 Aktionspakete von Verlagen: www.vlbtix.de/aktionspakete

Insgesamt rund 2,5 Millionen verfügbare Titel

 

Information und Austausch

  • Stammtische mit Buchhändlern, Verlagsmitarbeitern, Vertretern und Interessierten in neun Städten: Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Stuttgart und Wien: www.vlbtix.de/stammtische

Schlagworte:

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld