Deutscher Buchhandlungspreis

"Die Bewerbung muss selbstverständlich sein"

Am 12. Mai ist Einsendeschluss für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019. Vertraulichen Informationen zufolge sieht die Bewerbungslage noch nicht gut aus. Der Chemnitzer Buchhändler Klaus Kowalke, der mit Lessing und Kompanie 2018 den Hauptpreis abgeräumt hat, kann die Zögerlichkeit seiner Kollegen nicht verstehen.   INTERVIEW: SABINE VAN ENDERT

Klaus Kowalke

Klaus Kowalke © Christoph Künne

"Habt ihr euch schon alle beworben?" – So trommeln Sie im Buchhandelstreff auf Facebook für den Deutschen Buchhandlungspreis. Warum?
Man bekommt Geld geschenkt, man braucht nur zu sagen, dass man es haben möchte. Warum sollte jemand darauf verzichten? Das ist mir völlig unverständlich. Außerdem ist der Einsendeschluss in diesem Jahr schon im Mai und nicht erst im Juni. Auch darauf wollte ich mit meinem Aufruf noch einmal hinweisen.

Manche Kollegen scheuen den Aufwand…
Aber der ist gar nicht so hoch, wie manche denken! Knapp 25 Seiten online ausfüllen, das ist rasch erledigt. Und man muss sich überlegen, was die Buchhandlung auszeichnet, was sie besonders macht.

Eine Wald- und Wiesenbuchhandlung, die von allen etwas hat, fällt genau dieser Punkt vielleicht schwer. Trotzdem bewerben?
Unbedingt! Die jährliche Bewerbung für den Buchhandlungspreis sollte so selbstverständlich sein, wie die jährliche Steuererklärung. Mainstream muss nicht negativ sein, man muss es nur gut begründen. Die Auszeichnung ist schließlich nicht nur ein Kulturpreis, sondern auch ein Handelspreis.

Vielleicht ist es aber auch frustrierend, wenn man sich schon ein paar Mal erfolglos beworben hat.
Das Glücksmoment spielt eine Rolle. Mein Vorschlag: einfach machen, nicht groß darüber nachdenken. Wir haben den Preis auch schon einmal nicht bekommen. Und wir hätten niemals mit dem Hauptpreis gerechnet. Den Statuten zufolge muss Lessing und Kompanie in diesem Jahr aussetzen, im nächsten Jahr sind wir wieder dabei. Wenn wir etwas bekommen – gut. Wenn nicht, auch gut.

Was gibt es außer Geld noch zu gewinnen?
Das Geld ist die eine Seite – ebenso entscheidend ist die enorme öffentliche Aufmerksamkeit. Der Hauptpreis hat tatsächlich zu einer nachhaltigen Erhöhung der Kundenfrequenz geführt.

Kurzfristig gab es in diesem Jahr noch zwei Veränderungen in der Jury: Dieter Kosslick wird von Manfred Metzner (Verlag Das Wunderhorn) vertreten und Christiane zu Salm von Reinhilde Rösch (Börsenverein Landesverband Baden-Württemberg). Sind das gute Entscheidungen?
Ich finde ja. Manfred Metzner kennt sich sehr gut in der Independent-Verlagsszene aus und dass jemand vom Börsenverein in dieser Jury dabei ist, halte ich ebenfalls für eine gute Idee.

Falls die Bewerberzahl am Ende nicht stimmt – machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des Preises?
Nein. Mit der Erfindung des Verlagspreises wurde die Auszeichnung ja gerade erst auf eine höhere Ebene gehoben. Trotzdem sollten wir mindestens die Zahl des Vorjahres wieder erreichen. Warum auch nicht?

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8 Kommentar/e

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  • Anne v.Bestenbostel

    Anne v.Bestenbostel

    Lieber Klaus Kowalke, bestimmt kommen wieder Hunderte Bewerbungen auf den letzten Drücker. Wir brauchen auch immer länger zum Unterlagen zusammenstellen und alles sortieren, stimmen aber zu, dass man unbedingt mitmachen sollte! Allein die Bewerbung selber führt dazu, dass man nochmal Revue passieren lässt, was man alles gemacht hat und wo man überall etwas auf die Beine gestellt hat. Man arbeitet fokussierter und hat eigentlich schon gewonnen, wenn man die Mappe zur Post trägt - nämlich Selbstbewusstsein und Motivation für die tägliche Arbeit. Das macht Spaß!

  • Sigrun Hintzen

    Sigrun Hintzen

    Wir liegen knapp über der Umsatzschallgrenze, bis zu der es Preisgeld gibt. Für "nur" eine Urkunde machen wir den Aufwand nicht. Vielleicht sollte man über diese Unterscheidung bwz. Abgrenzung nachdenken. Wir sind auch eine kleine unabhängige Buchhandlung. Bei hoher Arbeitsauslastung muss man abwägen, woran man sich abends noch an den Schreibtisch setzt.

  • ein erfolgloser Bewerber

    ein erfolgloser Bewerber

    Ich habe mich in den letzen Jahren mehrfach sehr aufwändig beworden (extra Mappe mit Dokumentationen etc.) und nie den Preis gewonnen. Es waren jedes Mal viele Stunden Arbeit. Ich habe auch jedes Mal darauf hingewiesen, dass unser Kuturprogramm den wirschaftlichen Verhältnissen gemäß ausfällt, d.h. wenn in dieser Umsatzgröße eine Familie von einem Betrieb leben muss ist so wenig Platz für z.B. Personal, dass bestimmte kulturelevante Sachen einfach nicht möglich sind. Auch eine besondere Sortimentstiefe (die in den Kriterien ja gefordert wird) läßt sich unter Beachtung der notwendigen Lagerumschlagshäufigkeit einfach nicht darstellen.
    Auf meine Nachfrage beim Börsenverein, warum eigentlich keine Wirtschaftlichkeitsprüfung stattfinde -immerhin werden ja Wirtschaftbetriebe ausgezeichnet und keine steuerfinanzierten Literaturhäuser - wurde mir geantwortet, dass die Kriterien vom Ministerium vorgegeben worden seien und es sich eben um einen Kulturpreis handele.
    Mein Eindruck ist (auch was manche ausgezeichneten Betriebe angeht, von denen ich weiß, dass es sich schlicht um wirtschaftliche Zuschussbetriebe handelt, oder bestenfalls ein Zusatzeinkommen erwirtschaftet werden kann), dass vor allem ein ganz bestimmtes Geschäftsmodell ausgezeichnet wird, das seine wirtschaftliche Basis oftmals in einer größeren Erbschaft, einer eigenen Immobile, oder einem Lebenspartner/in mit zahnärzlicher Praxis hat.
    Dennoch finde ich es gut, dass der Preis auch dieses Jahr wieder vergeben wird, da er dem Buchhandel allgemein hilft.
    Ich aber werde mich nicht mehr bewerben, da ich wenig Erfolgsaussichten sehe.

  • Julia Woest

    Julia Woest

    Ich bin tatsächlich sehr zurückhaltend geworden, nachdem ich mehrere Jahre in Folge erlebt habe, dass absolut bezaubernde Buchhandlungen nicht berücksichtigt wurden, nicht mal in nähere Auswahl kamen, obwohl Kriterien und eingereichte Unterlagen perfekt zueinander passten. da fragt man sich schon, wonach wirklich gewertet wird.

  • Annissa Kahla

    Annissa Kahla

    Ich habe mich ein einziges Mal beworben, und ich habe festgestellt, dass ich keine Chance habe, ich erfülle (mein Buchladen erfüllt) nicht die Kriterien.
    Man muss so viel dafür tun, Lesungen, Veranstaltungen - und dafür habe ich leider die finanziellen Mittel nicht. Die paar Veranstaltungen, bei denen ich selbst vorlese und erzähle, sind der Welttag des Buches, der Bundesvorlesetag und die Besuche von Kindergartenkinder oder SchülerInnen.
    Meine Kunden lieben und loben mich, aber das alles genügt nicht für so den Deutschen Buchhandlungspreis.
    Ich freue mich aber immer für meine Kolleginnen und Kollegen, wenn sie gewinnen.

  • Sabine Friemond-Kund

    Sabine Friemond-Kund

    Ich habe mich bisher jedes Jahr beworben und bis jetzt hat es nicht geklappt. Bei jeder Bewerbung habe ich versucht, auf die Frage, welches mein besonderes Konzept sei, meine neuen Wege darzustellen. Aber jetzt gehen mir langsam die Konzepte aus, man kann sich schließlich auch nicht jedes Jahr neu erfinden!
    Zudem spricht mir Frau Kahla absolut aus dem Herzen: weder meine finanziellen Mittel noch mein zu erreichendes Publikum (kleinere Buchhandlung in Kleinstadt, ländlicher Raum zwischen zwei größeren Städten, mit Theatern, Einkaufsstraßen,etc) lassen bei mir mehr Veranstaltungen zu.
    Ich werde mich trotzdem weiterhin bewerben.

  • Matthias Teltz

    Matthias Teltz

    Auch wir haben uns schon beworben und die Sieger waren keine Überraschung für uns.Ich vermisse einen Preis , der die vielen kleinen Buchhandlungen berücksichtigt, die wie wir seit Jahren im ländlichen Raum ihre Kunden bei Laune halten mit wenig finanziellem Aufwand ,siehe oben.
    Die Mühe haben, die 25 Seiten Bewerbung sinnvoll zu füllen, aber trotzdem von ihren Kunden geliebt werden.
    Mit dem Preisgeld könnten wir ein paar tolle Aktionen starten und dann auch die 25 Seiten locker füllen.

  • Guntram Gattner

    Guntram Gattner

    Der Preis ist generell eine schöne Sache, ich gönne den Preis jedem. Wir hatten uns auch zwei Mal beworben, allerdings wußte ich schon bei der zweiten Bewerbung, dass wir diesen Preis nie erringen werden. Ich glaube, dass so eine Art Buchhandlung, wie wir sie führen - guter Umsatz, aktuell, eigene Akzente, das Personal belesen, stark regional orientiert, politisch engagiert - einfach nicht gemeint ist. Bei Lesungen halten wir uns zugegebener Maßen zurück, einmal wegen der doch steigenden Kosten und der großen Konkurrenz der anderen Veranstalter. Lesungen mit guten AutorInnen sind zunehmend schwer vermittelbar (gleichwohl werden wir es nicht lassen) und irgendwo sollten sie sich lohnen. Lesungen sind wohl ein wichtiges Kriterium, nur sie retten einen nicht. Gleichwohl erstaunt bin ich nach wie vor, wer schon alles diesen Preis erhalten hat. Außergewöhnlich sind die meisten nicht, auch nicht mit Lesungen. Schön ist es ist vor allem, dass sie es noch gibt, sofern sie nicht an Filialisten (voreilig) verkauft wurden. Ich wünsche allen Bewerbern einfach Glück.

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