Einzelhandels-Vermietungen in Innenstädten

Gastronomie erstmals an der Spitze

Die Vermietungen im Einzelhandel in städtischen 1a-Lagen liegen im ersten Quartal beim Flächenvolumen nur leicht unter dem Vorjahreswert. Erstmals hat die Gastronomie die Textilhändler als Spitzenreiter bei Neuanmietungen abgelöst. Das hat das Beratungsunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL) ermittelt.

Im ersten Quartal wurden laut "Einzelhandelsmarktüberblick" von Jones Lang Lasalle (JLL) bei 263 Abschlüssen 118.300 Quadratmeter Fläche neu angemietet, im Vorjahresquartal waren es bei 268 Abschlüssen 119.000 Quadratmeter.

Von den 263 Abschlüssen betrafen 54 Prozent (Vorjahr: 60 Prozent) Flächen bis unter 250 Quadratmeter. Flächen von 250 bis unter 1.000 Quadratmeter wurden bei 34 Prozent der Abschlüsse neu angemietet. Von 1.000 bis unter 2.000 Quadratmeter waren es 9 Prozent, ab 2.000 Quadratmeter 3 Prozent.

Gastro überholt Textil

Erstmals seit Beginn der Erhebung haben die Textilhändler ihre Spitzenposition als stärkster Flächenabnehmer im deutschen Einzelhandel an Gastronomie/Food verloren − JLL spricht von einer "Zeitenwende".

  • Textil: 68 Abschlüsse mit insgesamt 28.000 Quadratmetern neuvermieteten Flächen
  • Gastronomie/Food: 31.000 Quadratmeter bei 80 Deals.

Noch vor ein paar Jahren hatte der Textilbereich konstant knapp die Hälfte der neuvermieteten Flächen für sich beansprucht, so JLL.

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, spricht von einem Umbruch im Textilhandel, die Sparte Young Fashion etwa habe über die vergangenen fünf Jahre rund die Hälfte ihres Flächenvolumens verloren. Andererseits würden Textildiscounter wie Ernsting‘s und TK Maxx wachsen, könnten die Schwäche der anderen Segmente aber nicht ausgleichen. "Gastronomie/Food profitieren hingegen vom Vormarsch der Systemgastronomie, wie zum Beispiel L’Osteria und Burgerheart", so Wichner.

Big 10-Städte: Verhaltener Start

Die Big 10-Städte seien verhalten ins neue Jahr gestartet: 53.600 Quadratmeter wurden in den zehn Handelsmetropolen umgesetzt − das waren 39 Prozent des Gesamtergebnisses, was unter dem Schnitt des gesamten Vorjahres von 44 Prozent lag.

Positiv stachen Berlin, Frankfurt und Hamburg heraus, die ihr Vorjahresergebnis deutlich steigern konnten. Die Hauptstadt legte durch einige Markteintritte wie zum Beispiel die Herrenmodemarke "Ron Dorff" um 122 Prozent auf 17.500 Quadratmeter zu. Dahinter folgt Frankfurt dank der Neuausrichtung des "MyZeil"-Centers mit 13.300 Quadratmeter (+375 Prozent). Hamburg kommt mit Abstand und 6.000 Quadratmetern (+58 Podest) noch auf das Podest. In der Hansestadt standen die Stadthöfe und der Bleichenhof im Fokus.

Die restlichen Big 10 im Überblick (neuvermietete Flächen im ersten Quartal):

  • Köln: 4.400 Quadratmeter (-65 Prozent)
  • München: 3.600 Quadratmeter (+57 Prozent)
  • Leipzig: 3.400 Quadratmeter (-71 Prozent)
  • Hannover: 2.700 Quadratmeter (+350 Prozent)
  • Nürnberg: 1.500 Quadratmeter (+114 Prozent)
  • Stuttgart: 600 Quadratmeter (-82 Prozent)
  • Düsseldorf: 600 Quadratmeter (-91 Prozent). Ein Grund laut JLL: Die niedrige Quote an verfügbaren Flächen.

Stabile Mieten in den Metropolen

Wie in den vergangenen beiden Jahren gab es keine Veränderung bei den Spitzenmieten in den Big 10. Spitzenreiter ist hier München mit der Kaufingerstraße/Marienplatz, wo im Schnitt 360 Euro pro Quadratmeter und Monat bei Neuvermietungen gezahlt werden müssten.

Anders sehe das Bild jedoch auf Ebene aller 185 betrachteten Einzelhandelsstandorte aus. Dort wird für die erste Jahreshälfte in 141 Städten mit stagnierenden Mieten und für 44 Standorte sogar mit nachgebenden Mieten gerechnet. Die Schere für die Mietpreisrückgänge klaffe weit auseinander und liegt zwischen zwei Prozent und in der Spitze sogar bei 26 Prozent. Leichte Rückgänge hatten zum Beispiel Essen und Bamberg zu verzeichnen. Den höchsten Mietpreisverlust erlebte Leverkusen, so JLL.

"Die strukturellen Probleme des Einzelhandels machen sich in erster Linie in kleineren Städten bemerkbar. Einzelhändler überdenken ihre Filialnetze und fokussieren sich dabei eher auf die größeren Standorte oder Städte mit einer besonderen Lagegunst. Im speziellen Fall leiden Städte wie zum Beispiel Leverkusen besonders unter der übermächtigen regionalen Konkurrenz wie Köln und Düsseldorf", so Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany.

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