Michael Riethmüller über den Werbeeffekt politischer Sachbücher

Ein Ort der Vernetzung

RavensBuch nutzt politische Sachbücher, um mit kreativen Veranstaltungsformaten Hunderte von Lesern zu mobilisieren. Das steigert auch die Buchnachfrage, weiß Michael Riethmüller zu berichten.

Michael Riethmüller

Michael Riethmüller © Claus Setzer

Veranstaltungen waren von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil unserer Buchhandlungen, erst in Ravensburg, seit 2006 auch in Friedrichshafen – und darunter verstand man eigentlich immer literarische Lesungen. Eher ein Schattendasein spielten Autoren wie Hans Leyendecker, der trotz seiner Bekanntheit im Jahr 2006 nur etwa 50 Zuschauer(innen) mobilisierte; Ikonen wie Alice Schwarzer oder Bascha Mika füllten dann jeweils schon den nahegelegenen Schwörsaal mit damals erlaubten 500 Zuhörern.

Seit etwa fünf Jahren richtet sich die Aufmerksamkeit immer stärker auf politische Themen, entsprechend der Nachfrage unserer Kunden. Literarische Lesungen, so wichtig diese bis heute sind, ermöglichen eher weniger das Gespräch, auch wenn wir mit dem "Literarischen Debüt" eine Auflockerung in Form des Werkstattgesprächs gefunden haben. Mehrmals war Michael Lüders zu Gast, der mit seinen kritischen und unbequemen Büchern immer stärkere Resonanz erfährt. Die rauheren Zeiten, insbesondere das Erstarken rechter und autoritärer Bewegungen, führen zu einer deutlichen Zunahme des Interesses an Information und Austausch. Die "Flüchtlingskrise", Trump und Erdogan, und seit Kurzem die "Fridays for Future"-Bewegung machen sich in der Buchnachfrage bemerkbar.

Wobei wir klar Kante zeigen: Der Kopp-Verlag findet bei uns nicht statt, wir leisten es uns auch, Sarrazin nur auf Bestellung zu verkaufen, da wir getreu dem Spruch "Welt bleib wach" anders als beispielsweise Thalia auf das stapelhafte Anpreisen ­dieses rassistischen Buchs gern verzichtet haben.

Die Buchhandlung als Ort der Vernetzung ermöglicht ganz neue Allianzen. Christian Jakob luden wir zusammen mit Amnesty International und dem Evangelischen Bildungswerk ein, die "Schwäbische Zeitung" mit ihrer klaren Haltung gegenüber der AfD stellte mit ihrem Chefredakteur Hendrik Groth den Moderator vor gut gefülltem Schwörsaal mit 330 Gästen, als wir Franziska Schreiber mit ihrem Buch "Inside AfD" zu Gast hatten. Auch Meşale Tolu, die im Herbst ihr Buch bei uns vorstellen wird, wird von einem Redakteur der "Schwäbischen" moderiert. Mit Christian Fuchs, der am 31. Oktober über rechte Netzwerke sprechen wird, und Herbert Renz-Polster am 22. November, dessen Buch "Erziehen prägt Gesinnung" für Aufsehen gesorgt hat, laden wir zwei hochkarätige Fachleute in unsere Buchhandlung ein.

Als neues Format haben wir mit den Ravensburger Gymnasien das "Schülerforum im Schwörsaal" etabliert. Am 13. November laden wir hierzu Hamed Abdel-Samad zur inzwischen vierten Folge ein. Spannend ist, dass der Ablauf des Schülerforums ausschließlich von den Schülerinnen und Schülern geplant und durchgeführt wird. Sie wählen aktuelle Themen, finden mit uns die Autoren, moderieren und diskutieren teilweise heftig.

Diese Veranstaltung steht allen Interessierten am Vormittag offen, durch den Eintritt und den Zuschuss des Elternvereins finanzieren sich diese Veranstaltungen. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Diskussionen und Wortbeiträge allein den Schülern mit den Experten vorbehalten sind.

Im Gespräch zu bleiben, gelingt so ganz oft über diesen intensivierten Themenschwerpunkt des politischen Sachbuchs. Bei politischen Veranstaltungen erhalten wir in der für uns wichtigen "Schwäbischen Zeitung" teilweise ganzseitige Artikel und Beiträge im regionalen Fernsehen. Und ganz zum Schluss: Auch in den sozialen Medien wird heftig darüber debattiert, Kommentare unter der Gürtellinie inklusive. Bis zu einem Drittel werden die Eintrittskarten auf diesem Weg verkauft.

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