Buchmarkt USA

"Eine beispiellose Marktdominanz"

Der US-amerikanische Verlegerverband ruft die Kartellbehörden auf, insbesondere Amazon auf die Finger zu klopfen: Die Wettbewerbshüter sollen prüfen, ob das Unternehmen als größter Onlinehändler, Selfpublishing-Dienstleister, Buchfilialist und Verlagshaus seine Marktmacht missbraucht.

Auf den Buchmesse wirbt der Amazon Publishing-Stand um Autoren

Auf den Buchmesse wirbt der Amazon Publishing-Stand um Autoren © Monique Wüstenhagen

"Leider ist der Markt für Ideen heute aufgrund der beispiellosen Dominanz einer sehr kleinen Anzahl von Technologieplattformen von ernsthaften, wenn nicht sogar irreparablen Schäden bedroht", so Maria A. Pallante, Präsidentin des Verlegerverbands AAP in einem Statement. Der Verband fordert die US-Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission) "nachdrücklich auf, die dringend benötigte Aufsicht und Regulierung auszuüben, insbesondere in Bezug auf die Umstände, unter denen Technologieplattformen den Wettbewerb ersticken und die Suchergebnisse der Nutzer manipulieren."

Es sind dramatische Worte, die die gewaltige Abhängigkeit der US-amerikanischen Verlage gegenüber Playern wie Amazon unterstreichen: "Kein Verlag kann es vermeiden, über Amazon zu verbreiten, und Amazon diktiert die wirtschaftlichen Bedingungen, wobei die Verlage jedes Jahr mehr für die Dienste von Amazon bezahlen und weniger dafür erhalten", klagt der Verband in einer zwölfseitigen Schrift an, die der Anhörung bei den Wettbewerbshütern vorausgeht.

Insgesamt weist der Verlegerverband die Kartellbehörde auf folgende Probleme hin:

  • die gewaltige Marktmacht der Plattformen beim Buchvertrieb und bei der Internetsuche
  • die Bedrohung des Wettbewerbs, wenn Plattformen sowohl als Produzenten als auch als Lieferanten für die von ihnen betriebenen Märkte auftreten
  • erzwungene Meistbegünstigungsklauseln und andere Paritätsbestimmungen
  • die Verwendung "undurchsichtiger Suchalgorithmen" und manipulierter Trefferlisten, die Verstöße erleichtern (Produktpiraterie) und Verbraucher täuschen können
  • die Bindung von Vertriebsdienstleistungen an den Kauf von Werbeleistungen durch die Plattformen

In Europa untersuchen die Kartellbehörden bereits den Amazon Marketplace auf wettbewerbsrechtliche Verstöße. Auch das Bundeskartellamt prüft, ob der Konzern seine Marktmacht missbraucht. In den USA haben die Kartell- und Wettbewerbsbehörden angekündigt, Dienstleister wie Facebook, Apple, Google und Amazon genauer beobachten zu wollen. Konkrete Maßnahmen wurden bislang nicht beschlossen, lediglich die Zuständigkeiten wurden von den Behörden geklärt.

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1 Kommentar/e

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  • D. Orie

    D. Orie

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