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Trude Schneider: Fünf Gründer-Babys

Sie hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: Unter "Literaturpower" bloggt, schreibt und interviewt sich Trude Schneider im Auftrag der Bibliotherapie durch die Branche.

Trude Schneider

Trude Schneider © Rebecca Sampson

"Literatur ist meine persönliche Superpower. Bücher bringen mir Lebensfreude, Kraft und Energie", sagt Trude Schneider. Die Berlinerin hat es sich auf die Fahne geschrieben, modern und ansprechend Literatur zu vermitteln. "Für jede Lebenslage gibt es das richtige Buch", lautet das Motto der Literaturenthusiastin, die sich im Frühjahr 2018 mit ihrer ­Onlineplattform "Literaturpower" selbstständig gemacht hat.

Dort finden sich breit gefächert Leseempfehlungen in rund 100 laufend ergänzten Themenfeldern – von "A" wie "Anderssein" bis "Z" wie "Zukunftsangst" – nach dem Ansatz der in Deutschland bisher wenig bekannten Bibliotherapie. Diese basiert auf der Überzeugung, dass der Inhalt eines Buchs etwas im Inneren zum Klingen bringen und sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken kann. Bei ihrer Tätigkeit kommt Trude Schneider zugute, dass sie auch Pädagogik und Philosophie studiert und bereits mit Menschen aller Altersstufen und in unterschiedlichsten Umfeldern gearbeitet hat, mit Asylbewerbern in Rostock genauso wie mit Gymnasiasten in Berlin und Grundschulkindern in der französischen Provinz.

Für die 32-Jährige stellt der Start von "Literaturpower" den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt dar, gleichzeitig führt er ihre früh erwachte Leidenschaft für Literatur fort. "Ich bin von Büchern umgeben aufgewachsen", erinnert sie sich. Ihre Kindheit hat sie in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Nach dem Abitur und einem Semester Medizin an der Uni Rostock fand sie als Au Pair in Paris über die französischsprachige Literatur zu einer "extrem schönen Sprache", sodass sie im Jahr 2008 in Rostock das Studium der Romanistik und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien aufnahm. Die Lehrerinnenausbildung betrachtet sie als gute Basis für die Zukunft. Doch sie wolle, betont sie, freier und selbstbestimmter arbeiten, Risiken wagen, die eigenen Grenzen überwinden und Neues schaffen.

"Ich bin jemand, der gut vorbereitet Dinge durchzieht", so beschreibt sie sich selbst. Mit "Literaturpower" hat sie nach einer ausführlichen Testphase den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seither erlebt sie, dass eine Existenzgründung dem Erlernen einer neuen Sprache gleichkommt. "Einerseits lerne ich die Buchbranche von einer völlig neuen Seite kennen, andererseits arbeite ich mich intensiv ins Onlinebusiness ein", erläutert sie. Mit den rechtlichen Rahmenbedingungen musste sie sich für ihr Start-up ebenso vertraut machen wie mit den technischen Aspekten, von Suchmaschinenoptimierung über Social Media bis Marketing. "Zum Glück ist Berlin ein Gründerinnen-Paradies", findet Schneider. Das große Angebot an Seminaren und Netzwerken biete die Chance, in kurzer Zeit Expertise aufzubauen. Mit anderen Onlinebusiness-Startern tauscht sie Erfahrungen in einer sogenannten Mastermind-Gruppe aus, bei den Treffen der Jungen Verlagsmenschen und auf den Buchmessen steht die Vernetzung im Vordergrund.

"Aktuell bearbeite ich fünf Formate: fünf Babys, von denen jedes einzelne viel Zuwendung braucht", umschreibt Schneider ihren Alltag. Neben "Literaturpowe"« mit dem inte­grierten Blog "Hier geht’s um dein Lesen", postet sie auf Instagram unter #humansofbooks Fotografien und Kurzvideos von lesenden Menschen, die ihr im Alltag zufällig ins Auge fallen. "Anfangs hat es mich Überwindung gekostet, die Leute in der U-Bahn und auf der Straße anzusprechen. Aber die meisten finden es schön, dass Lesen als etwas Positives herausgestellt wird und erzählen gern darüber", so Schneiders Erfahrung. Für "Literaturpower Live" geht sie für Interviews mit Menschen aus der Buchbranche selbst vor die Kamera. Schon etwa 20 Gespräche sind seit Herbst 2018 online gegangen. In diesem Frühjahr hat sie einen eigenen YouTube-Kanal und auf "Literatupower" das Interviewformat "Person des öffentlichen Lesens" gestartet. Um die Vorbildfunktion von Influencerinnen zu nutzen, lässt sie hier zum Beispiel die Autorin Ariadne von Schirach, die Lyrikerin Clara Louise und die Olympiateilnehmerinnen Anna und Lisa Hahner zu ihren Lesevorlieben zu Wort kommen.

Während sie in der Startphase auch oft abends und am Wochenende gearbeitet hat, ist sie jetzt dabei, für sich selbst wieder mehr Raum zum Abschalten zu schaffen und Grenzen zu ziehen. Dazu gehört seit Mitte Juli ein fester Platz in einem Co­working-Space. Mit mehr privatem Freiraum rückt auch der Traum vom Reisen nach Moskau oder Sankt Petersburg wieder näher.

Was sagen Sie zu ...

... Bibliotherapie?
"Findet statt, wenn Bücher etwas mit uns machen, an uns kratzen. Jede Buchhändlerin, die ein Gespür dafür hat, welches Buch gerade passt, ist eine Art Bibliotherapeutin."

... Finnland?
"Ein Jahr als Schülerin in Finnland hat mich extrem geprägt, davon zeugen bis heute einige Vorlieben, von Clean Eating bis zu den Mumins. Und dank der gut sortierten Kleinstadtbibliothek habe ich mir dort einige deutsche Klassiker erlesen."

... Lieblingsleseort?
"Was ich beim Meditieren nur schwer schaffe, gelingt mir mit einem guten Buch ganz leicht: auch in einer großen Menschenmenge völlig abzutauchen. Am allerliebsten lese ich aber immer noch in meinem Bett."

Der Börsenblatt Young Excellence Award geht in die sechste Runde. Die gesamte Buchbranche ist aufgerufen, den Preisträger oder die Preisträgerin in einem Onlinevoting zu bestimmen. Die Wahlkabine auf www.boersenblatt.net ist vom 1. bis zum 11. August geöffnet. Ihre Stimme zählt!

Hier geht es zur Wahlkabine.

Mehr Informationen zum Preis gibt es unter 
www.young-excellence-award.de.

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