Joerg Pfuhl verteidigt Verschenkaktion

"Weniger Empörung und mehr Miteinander-reden"

In der Debatte um die geplante Buchverschenkaktion von Stiftung Lesen, Amazon, Thalia und Hugendubel äußert sich nun auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Joerg Pfuhl rät der Buchbranche zu „weniger Empörung und mehr Miteinander-reden“. In seiner Funktion an der Spitze des Stiftungsvorstands stehe er uneingeschränkt hinter den Absichten der Aktion.

Joerg Pfuhl

Joerg Pfuhl © Claus Setzer

Joerg Pfuhl bedauerte das „Missverständnis“, es handele sich bei den Planungen zum Weltkindertag um eine exklusive Aktion mit den drei großen Buchhändlern Amazon, Thalia und Hugendubel. Dieses Projekt sei seit langem diskutiert worden, „und von Anfang an wollten wir den stationären Buchhandel möglichst breit einbinden“. Zu der Frage, wie das konkret aussehen könnte, liefen in dieser Woche Telefonkonferenzen auch mit dem Börsenverein. Druck sei auf das Thema vor allem deshalb gekommen, weil es ungeplant früh bereits in die Öffentlichkeit gelangt sei.

Als Stiftungsvorstand begrüße er, Pfuhl, „grundsätzlich jede Initiative, die der Leseförderung dient und neue Möglichkeiten schafft, mit Büchern an buchferne Zielgruppen heranzukommen“. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Stiftung betont im Gespräch mit boersenblatt.net, dass die Verschenkaktion von einer Million Märchenbüchern am Weltkindertag „nicht als der eine Königsweg der Leseförderung verstanden werden darf, sondern als eine Aktion unter ganz vielen, die die Stiftung mit wechselnden Kooperationspartnern initiiert und durchführt“.

Seine Haltung sei es, „Dinge auszuprobieren“, mit Forschung zu begleiten und hinterher zu schauen, was gut und was vielleicht weniger gut funktioniert habe. Pfuhl kritisiert den „Empörungsreflex“ des Buchhandels, der sich immer dann zeige, wenn Amazon im Spiel sei. Aus Sicht des Verlagsmanagers sollte es allen Beteiligten im Buchmarkt – spätestens seit den Ergebnissen der Quo-Vadis-Studie – darum gehen, „neue Leser zu finden und zu binden, und nicht darum, Amazon zu vertreiben“.

Die Skepsis von Experten der Leseförderung wie etwa der Kinderbuchautorin Kirsten Boie, mit der groß angelegten Verteilaktion – zumal mit der Gattung Märchen – würde die gewünschte Zielgruppe der buchfernen Familien gar nicht zu erreichen sein, teilt Pfuhl nicht. „Warum wissen so etwas immer alle schon vorher? Lasst es uns doch einfach ausprobieren.“ Er verwies auf die Kooperation mit der Fast-Food-Kette McDonald’s, die im Vorfeld auch „viel Spott und Ablehnung“ aus der Buchbranche erfahren habe. Die Happy-Meal-Zugabe habe jedoch „hervorragend funktioniert. Unsere Begleitforschung hat gezeigt, dass Eltern und ihre Kinder sich häufig tatsächlich mit den verschenkten Büchern auseinandergesetzt haben.“

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22 Kommentar/e

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  • Mirjam Glaser

    Mirjam Glaser

    Mal davon abgesehen, dass es "mit den geschenkten Büchern" heißen dürfte, macht mich die "Begleitforschung" neugierig. Wie war das genau? Beobachtungsposten innerhalb oder außerhalb von McDonalds? KI oder echte Menschen? Kamera oder Kladde? Und: Welche Arten der Auseinandersetzung mit einem Buch wurden gesichtet?

  • Lesesaal Buchhandlung

    Lesesaal Buchhandlung

    Was soll Joerg Pfuhl jetzt auch anderes sagen? Einbindung des stationären Buchhandels? Idee zu früh nach draußen gedrungen? Lieber Joerg Pfuhl, auch ich habe das Interview mit Kirsten Boie gehört und manche Dinge weiß man aus Erfahrung, weil man vielleicht schon diesbezüglich Aktionen geplant hat. Wie Kirsten Boie schon sagte: das Geld hätte einer Leseförderung, die es verdient, so genannt zu werden, besser zu Gesicht gestanden.

  • Klaus Kowalke

    Klaus Kowalke

    Herr Pfuhl antwortet leider nur fadenscheinig, geht auf die grundsätzliche Kritik überhaupt nicht ein. Ich finde das sehr traurig und auch schade! Und außerdem ist es frech zu behaupten, der Buchhandel reagiere "über" wenn Amazon ins Spiel kommt. Wir sind doch nicht im Kindergarten! Mit dem unabhängigen Sortiment, also dem Sortiment, wenn man zwei Filialisten mal außen vor läßt, wurde nicht geredet. Weder mit dem Sortimenterausschuss noch mit einzelnen Kolleginnen und Kollegen. Nicht einmal das Hauptamt des Börsenvereins (siehe Stellungnahme und Interview von Alexander Skipis) wurde informiert. Damit wird die Causa "Stiftung Lesen" wirklich zum Prüffall. - Spiel also das Sortiment noch eine Rolle in Sachen "Leseförderung" oder reicht es wenn man mit den 3 Großkunden Amazon, Thalia und Hugendubel zusammen arbeitet? - Es gibt also ein Mißverständnis? Ja, ich verstehe es immer noch nicht ...
    Mit besten Grüßen
    Klaus Kowalke, SoA

  • Jörg Braunsdoirf

    Jörg Braunsdoirf

    Ach Herr Pfuhl, wenn ich das schon lese, "Mißverständnis ...". Und weshalb sollten unabhängige Buchhandlungen sich mit einem Logistiker für Dies und Das, dessen Chef zudem nichts anderes im Sinn hat, als auf den Mond zu fliegen und uns ansonsten vom Markt zu vertreiben, zusammenarbeiten? Lächerlich, hier von einer wie auch immer gearteten Kooperation auf Augenhöhe zu sprechen. Und Thalia und Hugendubel, na die haben die Buchhandelslandschaft vor A. gehörig rasiert. Machen Sie es mit den Dreien, wir machen unser Ding.

  • Annett Fritsch

    Annett Fritsch

    Da überlegt man doch wirklich, in welche Kasse das spült! Wir kleinen Buchhandlungen zahlen in Summe doch beträchtlich für die Leseförderung (Lesetüten- Aktion für Schulanfänger, Bücher "Ich schenk` Dir eine Geschichte" ...). Ich tue es wirklich gern, aber so langsam kommen doch Zweifel auf.
    Märchen sind rechtsfrei druckbar, gedruckt wird vom eigenen Amazon- Label, die Kosten sind dann wohl auch noch steuerlich absetzbar, ach nee: Steuern werden ja nicht oder nur in geringem Anteil in Deutschland gezahlt. Und mittlerweile häufen sich solche Ärgernisse.
    Vielleicht geht ja die Rechnung von Thalia und Hugendubel auf, und es kommen an diesem Tag mehr Kunden in die Läden, aber ich tippe da mal auf das Gegenteil- zumindest wird es langfristig gesehen nichts bringen. Aber wie heißt es doch: Einem geschenkten Gaul....

  • Annissa Kahla Manar Buchladen Kirchheimbolanden

    Annissa Kahla Manar Buchladen Kirchheimbolanden

    Wenn ich "buchferne Zielgruppen" lese, will ich um mich schlagen. Was oder wer sind diese buchfernen Zielgruppen?
    Die armen Familien? Die - sogenannten - "asozialen" Familien? Die ausländischen Familien?
    Also, aus meiner Erfahrung kann ich sagen, "intellektuelle" Eltern können genau so zu den "buchfernen Zielgruppen" gezählt werden. Ich habe schon Kinder in meinem Buchladen gehabt, die um ein Buch gebeten und gebettelt haben, die Eltern weigerten sich, es ihnen zu kaufen. Arme Eltern kaufen ohne zu zögern. Die wohlhabenden intellektuellen Eltern haben es nicht nötig, dass amazon ihren Kindern ein Buch schenkt, das sie sich problemlos leisten können.
    Mütter kommen mit Kindern und versuchen, sie zu überzeugen, ein Buch oder mehrere zu kaufen, ich zeige ihnen alle möglichen Bücher, die Kinder lehnen alles ab.
    Wären nicht die Kinder und LehrerInnen, die sich so freuen und dankbar sind, würde ich bei der Aktion "Ich schenk dir eine Geschichte" nicht mehr mitmachen.

    Ich finde das so überheblich und arrogant von diesem Herrn, diese Bezeichnung "buchferne Zielgruppen". Es ist richtig empörend, herablassend und entwürdigend, so über "manche" Menschen zu reden.

  • Henning Rahmer

    Henning Rahmer

    Was für ein Bärendienst für die Leseförderung!
    Uns interessiert die (vorgeschützte) "Begleitforschung" auch brennend!
    Nach diesem Bericht arbeitet Herr Pfuhl mit massiven Unterstellungen.
    Die KärrnerArbeit bei der Lesefördeung leisten zu einem nennenswerten Teil
    viele von uns allgemeinen Sortimentern.
    Herrn Pfuhl und der Stiftung Lesen kann man nur Praxisnähe
    (den direkten Austausch mit Sortimentern) empfehlen.
    Und im Übrigen: wir haben nichts gegen Amazon solange gewisse "Spielregeln" eingehalten werden.

  • Ruth Klinkenberg

    Ruth Klinkenberg

    Ich stimme Herr Kowalke zu, die Antwort von Herrn Pfuhl ist mehr als unbefriedigend und die Argumente fadenscheinig. Und was soll bitte heißen, es soll nciht darum gehen, "Amazon zu vertreiben" Wenn jemand erklärtermaßen andere vertreiben möchte, ist das doch wohl Amazon.
    Viele unserer Kunden unterstützen uns, indem sie bewusst keine Bücher bei Amazon bestellen. Für mich wäre es deshalb unglaubwürdig (selbst, wenn das unabhängige Sortiment nun noch einbezogen werden sollte), mich an einer Aktion zu beteiligen, die in so großem Maße von Amazon bestimmt wird.
    Wirkliche Leseförderung geht anders, wie schon viele meiner Kolleginnen und Kollegen beschrieben haben.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Es ist doch entscheidend, ob mit einer Aktion mehr Menschen zum Lesen motiviert werden können oder nicht. Das ist vermutlich die Aufgabe der Stiftung. Und wenn man mit Amazon eine Aktion machen kann, die das bewirkt, dann ist das gut. Wenn man mit dem unabhängigen Buchhandel ebenfalls eine machen kann, dann ist das auch gut. Und beide sind besser als nur eine. Soweit so unstrittig.
    Das Problem entsteht ja erst, wenn die Aktion mit Amazon zwar mehr Leser zum Ziel hat, durch die Konstellation der Aktion aber vor allem mehr Amazon-Leser bewirkt. Und da die Abschaffung des stationären Buchhandels offenes Ziel von Amazon ist, muss bei einer (indirekten) Förderung von Amazon durch eine gemeinsame Aktion auch berücksichtigt werden, ob das nicht in letzter Konsequenz zu einem weiteren Verlust an Buchhandlungen führt und damit langrfristig die Leseförderung mehr schadet als kurzfristig befördert.
    Diese Überlegung MUSS die Stiftung Lesen anstellen, wenn sie ernst genommen werden will. Schon als Herr Maas angetreten ist hat er gesagt es sei egal, ob jemand ein Buch oder ein E-Book liest, Hauptsache er liest. Auch da hat er es sich schlicht zu einfach gemacht. Bei 44 Vollzeitstellen sollte eine solche Überlegung schon drin sein. Wenn man das untersucht hat und nachweisen kann, dass 1 Mrd. Euro Buchumsatz über Amazon die gleiche Leseförderungs-Wirkung haben wie 1 Mrd. Euro über den stationären Buchhandel, dann ziehe ich die Kritik zurück.

  • Markus Weber

    Markus Weber

    Lieber Herr Pfuhl,

    nein, ich glaube nicht, dass das Sortiment "überreagiert", wie Sie schreiben.
    Wer sich seit Jahren, manche seit Jahrzehnten, so ausdauernd um lokale Leseförderung kümmert wie viele Sortimenterinnen und Sortimenter das tun, wird da von Ihnen wohl nicht richtig eingeschätzt. Um was geht es den mächtigen Steuervermeidern aus Luxemburg hier wohl? Um Adressen von Eltern, aber nicht um Leseförderung.
    Und nebenbei bekommt der Amazonverlag einen satten Auftrag, bei dem ich gerne wüsste, wer diesen eigentlich bezahlt.
    Wäre es nicht weitaus sinnvoller, das viele schöne Geld unter Einbeziehung des ortsansässigen Sortiments in den Bestandsaufbau von Schulbibliotheken zu stecken? Gerade jetzt in der Ferienzeit vergeht kaum ein Tag, an dem wir Verlage nicht zumindest eine Bettelmail bekommen, in der es beispielsweise heißt: "Leider sind die Gemeinde und die Schule nicht besonders reich an Lesefutter. Daher möchten wir euch fragen, ob ihr uns eine Buchspende zukommen lassen würdet?"
    Oder "Ich habe gerade mein Referendariat zur Grundschullehrerin beendet. Nach den Sommerferien werde ich eine 1. Klasse in einem Brennpunktviertel in Bremen übernehmen. In meiner zukünftigen Klasse würde ich gerne eine Leseecke etablieren. Leider bin ich aufgrund meines Budgets auf Hilfen angewiesen, damit ich den SchülerInnen zumindest eine kleine Auswahl zur Verfügung stellen kann." Oder (aus Berlin): "Da ich jedoch nicht alles aus eigener Tasche zahlen kann und viele Eltern ebenfalls nicht die Ressourcen haben, würde ich mich sehr über eine Spende Ihres Verlages freuen. Ihre Bücher sind wunderbar für Erstleser geeignet und bieten Themen für Mädchen sowie für Jungen an."
    So bin auch ich äußerst skeptisch, ob diese Märchenbuchaktion nicht im wahrsten Sinne verschenkt ist.
    Was Ihre Begleitforschung zur Happy-Meal-Aktion anbelangt: Wo kann man darüber etwas lesen?

  • Doris Müller-Höreth

    Doris Müller-Höreth

    Lieber Herr Pfuhl,
    Herr Weber vom Moritz Verlag spricht mir aus der Seele. Ich bin eine dieser stationären Buchhändlerinnen, die sich während der letzten 20 Jahre tausende von Stunden ehrenamtlich für die Leseförderung engagiert hat. Die Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen, auch in der iG Leseförderung des BöV gestaltete sich immer als schwierig. Wir Buchhändlerinnen dürfen Ideen und Lektüreempfehlungen liefern, aber bitte nicht als Kaufleute in Erscheinung treten. Ich bin inzwischen wirklich dafür, dass sich der Börsenverein aus dem Stiftungsrat zurückzieht.

    Doris Müller- Höreth

  • Monika Kempf

    Monika Kempf

    "Weniger Empörung und mehr Miteinander-Reden"?
    Wir Sortimenter wären längst nicht so empört, wenn man mit uns geredet hätte! Das mit der versehentlichen vorzeitigen Veröffentlichung ist ein richtig schlechter Witz. Wann hätten wir es denn erfahren sollen? 2-3 Tage vorher? Richtig gemachte Leseförderung braucht Vorbereitung. Aber da kennen wir uns halt wirklich besser aus als Geschäftsführer und Internetkonzerne.

  • Lesesaal Buchhandlung

    Lesesaal Buchhandlung

    Liebe Doris Müller-Höreth,
    Sie sprechen mir wiederum aus der Seele: der Rückzug des Börsenvereins aus dem Stiftungsrat wäre konsequent und würde mehr als deutlich den Rücken des stationären Buchhandels stärken. Viele Grüße, Stephanie Krawehl

  • Klaus Philipp Mertens, 1. Vorsitzender PRO LESEN e.V.

    Klaus Philipp Mertens, 1. Vorsitzender PRO LESEN e.V.

    Darf man Herr Pfuhls Aufforderung zum Miteinanderreden so interpretieren, dass sowohl der Holtzbrinck-Konzern als auch die Stiftung Lesen ab sofort den Steuervermeider Amazon unter Androhung der Nichtbelieferung dazu veranlassen, seinen Verpflichtungen in Deutschland und anderen EU-Staaten nachzukommen? Damit nicht nur der stationäre Buchhandel Einkommen- und Körperschaftsteuer zahlt? Das würde nämlich zur Wettbewerbsfähigkeit des letzten entscheidend beitragen. Und hätte positive Auswirkungen auf die Förderung des verstehenden Lesens. Die Initiative PRO LESEN e.V. in Frankfurt am Main, die sich aus investigativen Lesern zusammensetzt (also dem Typus, den man in der Stiftung Lesen gar nicht mag), hat Ende des Jahres 2012 maßgeblich dazu beigetragen, dass die klammheimliche Verlinkung des Online-Katalogs der Stadtbücherei mit den Bestellseiten von AMAZON unterbunden wurde. Damals zeigten sich die Verantwortlichen im Frankfurter Magistrat zunächst erstaunt (gleich erkennbar schlecht informiert und überfordert). Erst als wir öffentliche Aktionen innerhalb und außerhalb der Bücherei ankündigten, wurde die Verlinkung innerhalb eines Tages deaktiviert. Fazit: Man kann den einseitig gelagerten Interesse von Stiftung Lesen, Amazon, Thalia und Hugendubel durch Entschlossenheit beikommen.

  • Buecherbehr

    Buecherbehr

    Liebes Börsenblatt, bitte raus aus der Stiftung. Ich werde meine Lesetüten und alle Aktionen, an denen SL dabei ist, nicht mehr anbieten. Der Satz, dass alles zu früh an die Presse gegangen, ist eine Beleidigung meiner Intelligenz. Brauche ich Stiftung Lesen?

  • Thomas Höreth

    Thomas Höreth

    Übrigens: Wir freuen uns schon auf die ersten Kunden, die das schöne Märchenbuch, das die Kinder geschenkt bekommen haben, nun auch bei uns ordern wollen! Was werden wir diesen Kunden wohl erzählen....

    Vermutlich das gleiche wie damals bei der schicken Kinderbuchreihe, die es nur bei Aldi gab. Kinder, die zu uns kamen und weiterlesen wollten, wurden leider weggeschickt. Das ist etwas, was ich persönlich überhaupt nicht ertrage: wenn ich ein lesehungriges Kind enttäuschen muss.

  • Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz, Mitglied des SoA

    Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz, Mitglied des SoA

    Herr Pfuhls Hinweis auf ein Missverständnis und eine zu frühe Veröffentlichung ist nicht besonders glaubwürdig, wird doch der GF der Stiftung Herr Maas selbst im BBL online vom 23.07. dazu zitiert. Und zwar ohne jeden Hinweis auf eine Einbeziehung des unabhängigen Sortiments. Es sieht eher so aus, als ob hier noch die Notbremse gezogen wurde angesichts der Protestwelle und des drohenden Rückzugs des Börsenvereins aus der Stiftung Lesen.

    Interessant finde ich auch die Zielrichtung auf "buchferne Zielgruppen" - sind die denn über Thalia und Hugendubel besonders gut erreichbar? Ich dachte immer, das sind Vollbuchhandlungen, die ein ebensosehr oder wenig buchaffines Publikum ansprechen wie jede andere Buchhandlung auch. Warum also diese beiden und nicht die Breite des Buchhandels?

    Der Vergleich mit der McDonalds-Aktion hinkt auch: Denn hier konnte man tatsächlich davon ausgehen, dass Zielgruppen angetroffen wurden, für die ein Besuch in einer Buchhandlung nicht zum Alltag gehört. Insofern hatte ich damit auch kein Problem. Etwas ganz anderes ist es, auf einen ganz bestimmten Teil des Buchhandels zu verengen und das Gros der Buchhandlungen auszuschließen. Diese Exklusivität dient lediglich den drei Beteiligten, der Leseförderung dient sie sicher nicht.

    Wir machen seit vielen Jahren jede Menge Leseförderaktivitäten: Lesekoffer, Kita-Koffer, Lesetüten, Welttagsaktionen, Klassenbesuche, Jugendleseclub, Unterstützung von Schulbibliotheken (die skandalöser Weise über keinerlei öffentliche Mittel verfügen). Da ist es wirklich ein Schlag ins Gesicht, wenn wir als unabhängige Buchhandlung von einer solch massiven Aktion ausgeschlossen werden, die obendrein auch noch eine prima Werbeaktion für einen Gemischtwarenhändler ist, der weite Teile des Buchhandelsnetzes bedroht.

  • Leserin

    Leserin

    Wie schon häufig in der Vergangenheit kann ich die Kommunikationsstrategie von Herrn Pfuhl nur als unglücklich bezeichnen, doch auf den Kommentar von "Annissa Kahla Manar Buchladen Kirchheimbolanden" muss ich doch kurz eingehen.
    Die Unterstellung, dass Herr Pfuhl "buchfern" mit den von der Kommentatorin genannten Zielgruppe "Die armen Familien? Die - sogenannten - "asozialen" Familien? Die ausländischen Familien? " gleichsetzt, ist an den Haaren herbeigezogen.
    Wie sie selbst sagt - buchfern hat nichts mit dem Bildungsstand, dem Einkommen oder sonstigen Dingen zu tun. Buchfern kann erstmal jeder sein. Warum will man hier Herrn Pfuhl absichtlich missverstehen, wenn er von buchfern spricht?

  • Annissa Kahla

    Annissa Kahla

    Wer sind sonst die "buchfernen Zielgruppen"?
    Ich bin gespannt auf die Antwort

  • Leserin

    Leserin

    „Buchfern“ bedeutet für mich (wie das Wort sagt), dass Bücher nicht zum Alltag der Personen gehören. Da lässt sich noch nichts über den Bildungsstand, das Gehalt oder sonstige soziale Merkmale sagen.

    Diese Gruppe mit einem niedrigschwelligen Angebot Bücher schmackhaft zu machen, halte ich erstmal nicht für eine schlechte Idee. Über die Ausgestaltung und Kommunikation kann man diskutieren.

  • Alexander Skipis

    Alexander Skipis

    Aus Anlass der Äußerungen von Jörg Pfuhl möchte ich noch einmal feststellen: Weder der Börsenverein noch das unabhängige Sortiment waren zu irgendeinem Zeitpunkt in das Projekt der Stiftung Lesen eingebunden. Es gab bislang auch keinerlei Gesprächsanfragen an uns bzgl. der Teilnahme des unabhängigen Buchhandels. Es ist bedauernswert, dass die Stiftung Lesen bei ihren Aktionen immer wieder die Nummer Eins der Leseförderung nicht mit einbezieht, nämlich den unabhängigen Buchhandel, der tagtäglich und mit hohem persönlichen Engagement Menschen das Lesen und Literatur vermittelt. Darin liegt das Grundproblem zwischen der Stiftung Lesen und dem Buchhandel, das wir jetzt in aller Ruhe klären müssen.
    Zur Schwäche des inhaltlichen Konzepts der Aktion hat sich Kirsten Boie bereits ausführlich und treffend in den Medien geäußert, die Ausführungen der Autorin kann ich nur unterstreichen. Schließlich ist auch die Wahl von Amazon als Kooperationspartner für die Buchbranche ein Affront. Die erklärte Strategie dieses Unternehmens ist es, Buchhandlungen und Verlage aus dem Markt zu drängen – zulasten der Qualität und Vielfalt des deutschen Buchmarktes.

  • Katrin Bietz

    Katrin Bietz

    @Herrn Skipis: dann ist doch sicherlich sinnvoll, dass sich der Börsenverein aus dem Stiftungsrat zurückzieht, wenn er nicht mal informiert wird, oder?
    Zu Herrn Pfuhl: „neue Leser zu finden und zu binden, und nicht darum, Amazon zu vertreiben“. Leider ist es umgekehrt: Amazon sollte eigentlich "relentless.com" heißen, das wurde Bezos zwar ausgeredet, jedoch blieb es sein Ziel, gnadenlos alles kaputt zu machen, alle anderen zu vertreiben. Bitte sehen Sie sich den Film "Der unaufhaltsame Auftsieg von Amazon" an. Darum geht es bei der Wut auch, die die Sortimenter*innen hier äußern, nicht um ein Bashing eines unliebsamen Konkurrenten, sondern um etwas Größeres, Allgemeineres, ein viel mehr Menschen betreffendes Handeln von Amazon. Wir Buchhändler*innen sind es gewohnt, über den Tellerrand zu denken, es geht nicht immer nur um das eigene Wohlergehen, sondern darum, eine Entwicklung zu behindern, die uns allen, der gesamten Gesellschaft nur schaden kann. Und diese Entwicklung nicht noch zu fördern durch solche Aktionen!
    Ich bin wirkich erschüttert über so viel Unbedachtheit.

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