Michael Bartel von Ravensburger über Spiele im Buchhandel

Spiele als ideale Ergänzung

In Zeiten, in denen der stationäre Spielwareneinzelhandel weniger Standorte besetzt, haben Buchhandlungen eine Chance, sich mit Spielen zu profilieren. Warum das gut passt, erläutert Michael Bartel.

Michael Bartel

Michael Bartel © Ravensburger

Buchhandlungen sind Orte, an denen Menschen sich inspirieren lassen. Das gilt besonders für Eltern und sogenannte Schenker wie Großeltern, Verwandte oder Freunde. Das bestätigte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in ihrem Bericht über das Käuferverhalten 2018 – für mich ein klarer Hinweis, dass der Buchhandel gut damit beraten ist, sich des Themas Non-Books verstärkt anzunehmen.

Welche Non-Books passen in die Buchhandlung? Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, Erlebniswelten zu schaffen. Seit einigen Jahren hat der Buchhandel zum Beispiel die Lern- und Mitbringspiele für sich entdeckt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Diese Spiele sind eine ideale Ergänzung des Lernsortiments in Buchform, denn spielerische Förderung ist bei den Eltern hoch im Kurs. Sie schätzen es, an einem Ort sowohl Bücher als auch Spiele für das Lernen am Nachmittag zu entdecken und entsprechend beraten zu werden. Der Vorteil für den Handel: Lernspiele haben ganzjährig Saison, mit einem Höhepunkt zum Schulanfang.  

Gerade in Zeiten, in denen sich der Handel so verändert, wie wir das gerade erleben, sollten weitere Umsatzchancen genutzt werden – und zwar über das Lernsegment hinaus. Der Buchhandel gilt als kompetenter, vertrauter Berater für Familien –eine gute Basis, um das Sortiment im Sinne der Kundschaft zu ergänzen. Was suchen also Eltern und Großeltern neben guten Büchern? Für viele ist es wichtig, die knappe Zeit gemeinsam zu verbringen und miteinander Spaß zu haben. Das können hochwertige Spielwaren für Kleinkinder sein wie die Brio- Welt genauso wie Puzzles, Kinder- und Familienspiele. Der Kunde profitiert im stationären Handel davon, aus erster Hand mehr Informationen über die Inhalte, Spielmechanismen und Erfahrungen zu bekommen – also all das, was über die Beschreibung auf der Packung hinausgeht.

Eine weitere interessante Zielgruppe für den Buchhandel: Erwachsene, die Spielwaren für sich selbst kaufen. Wie die Spielwarenmesse verkündete, steigen die Ausgaben der sogenannten Kidults stetig. In diesen Segmenten ist es ebenfalls ratsam, auf ganzjährige Produkte zu setzen, die nicht Teil von Preisaktionen rund um Weihnachten sind.

Bei der Präsentation der Waren spielt die Inspiration der Kunden eine große Rolle. Nahezu jedes Spiel lässt sich in Thementische integrieren: Frühlingstische mit Gartenbüchern, Spielen rund um die Natur und einer Holzeisenbahn beispielsweise, die nicht nur die Blicke der kleinen Kunden auf sich zieht, Gespensterbücher und "gruselige" Spiele wie "Werwörter" zu Halloween, Sommerlektüre und Puzzles mit Sehnsuchtsmotiven für die Ferienzeit und vieles mehr. Anlässe wie diese gibt es genug – inklusive signifikanter Kinostarts, die sich durch eine Auswahl an Lizenzprodukten aus Buch, Spiel und Puzzles inszenieren lassen.

Wir haben zudem die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden einen Experten wünschen, der ihnen die neuesten Spiele vorstellt und erklärt. Buchhändler können ihre Kunden zu einem Spieleabend oder -nachmittag in die Buchhandlung einladen und ihnen so die Gelegenheit bieten, Spiele auszuprobieren. Natürlich bedarf es etwas Zeit für die Vorbereitung und das "Einarbeiten" in den Inhalt. Aber das können Buchhändler ohnehin recht gut. Außerdem bieten Verlage oft auch an, einen Experten zur Seite zu stellen. Wenn man sich auf die Spiele einlässt, kann ein erfolgreicher Auftritt von Buch und Spiel funktionieren.


Michael Bartel (60) ist der Gesamtvertriebsleiter DACH von Ravensburger.

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