Reaktion auf Märchen-Verschenkaktion

Beltz tritt aus dem Stifterrat aus

Als Reaktion auf die Maßnahmen der Stiftung Lesen in punkto Märchen-Verschenkaktion, die für die Verlagsgruppe Beltz nicht mehr mit den bei der Stiftungsgründung vereinbarten Zielen in Einklang stehen, kündigen die Weinheimer ihre Mitgliedschaft im Stifterrat.

Marianne Rübelmann

Marianne Rübelmann © Claus Setzer

Auslöser war die von der Stiftung Lesen geplante Buchaktion mit Amazon, "einem einfachen und wenig phantasievollen großen Wurf", urteilt Beltz-Verlegerin Marianne Rübelmann. Mit dieser Aktion entferne sich die Stiftung von ihrem Ansinnen, Aktionen zwischen Verlagen und Handel zu fördern, für Kindergarten und Schule Unterstützung in der Lesevermittlung zu bieten oder als Vermittlerin und Ansprechpartnerin für politische Entscheider zu dienen.

Beltz sei vor Jahren aus voller Überzeugung in den Stifterrat der Stiftung Lesen eingetreten. "In der Vergangenheit hat Beltz mit der Stiftung gut zusammengearbeitet, das geplante Vorhaben entfernt sich aber stärker als bisher von unserer Priorität, den inhabergeführten Handel zu respektieren und zu fördern", erläutert Marianne Rübelmann die Entscheidung.

Mit den frei werdenden finanziellen Mitteln möchte Beltz künftig noch mehr engagierte Buchhandlungen vor Ort bei der Leseförderung in Kindertagestätten oder Schulen stärken.

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9 Kommentar/e

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  • Independent Bookstore

    Independent Bookstore

    Bravo Frau Rübelmann, eine gute Entscheidung. Schön, dass Ihr Verlag anders als Thalia, nicht mit Amazon ins Bett geht. "Einfach und phantasielos" ist wohl die zutreffende Bezeichnung für diese Aktion. Altbackene, muffigen Grimms Märchen zu verschenken finde ich in Anbetracht Ihres lebendigen und wundervollen Verlagsprogramms auch ohnehin als Zumutung. Ich hoffe Kollegen/Kolleginnen weiterer Verlage werden Ihrem positiven Beispiel folgen, eine Stiftung zu verlassen, die sich immer mehr zum Büttel der Grossfilialisten und Monopolisten macht.

  • Schmidt-Huber

    Schmidt-Huber

    Ich stimme dem Kommentar des Independent Bookstore in allem zu.
    Die Leute, die etwas geschenkt kriegen, haben kein Gespür für diese Form des social washing von profitorientierten Großbetrieben und dafür, dass es um neue Adressen geht. Oder merken das nicht doch manche Leute?

  • Ralf Schweikart

    Ralf Schweikart

    Lieber Independent Bookstore, liebe(r) Schmidt-Huber: Bei allem Verständnis für die konsequente Haltung von Beltz und Ihren Lobeshymnen: 2015 standen wg. einer Stiftung Lesen-Verschenkaktion von 50.000 Bänden "Warrior Cats" an Schulen (plus Lehrerbegleitmaterial) die Stiftung und Beltz & Gelberg in der Kritik von AutoInnen und Buchhandel. Da wurde auch sehr großzügig verschenkt, und zwar ein kauf- und lieferbares Buch. Ging es da etwa um weniger Profit als jetzt bei amazon?

  • Leses

    Leses

    Vielen Dank, liebe Marianne Rübelmann, für Ihre Entscheidung - das ist ein wichtiges Signal für die unabhängigen Buchhandlungen, die eben nicht anstehen, um bei zweifelhaften Buchverschenkmaßnahmen im Nachhinein noch ins Boot geholt zu werden. Ich wünsche mir von Herzen, dass der Börsenverein Ihrem Beispiel folgt und ebenso wie Sie das Geld in Projekte stecken, die den Namen "Leseförderung" verdienen. Viele Grüße aus Hamburg, Stephanie Krawehl

  • Birgit Schollmeyer

    Birgit Schollmeyer

    Eine wunderbare Reaktion, der hoffentlich andere Stiftungsmitglieder folgen mögen! Den gesamten Buchhandel - von Thalia und Hugendubel abgesehen - außenvorzulassen, der die meiste Arbeit in Sachen Leseförderung leistet, ist eine Frechheit. Und ein Monopolist wie Amazon, der versucht in allen Branchen die Konkurrenz kaputt zu machen, gehört nicht in eine solche Stiftung!

  • Lesesaal Buchhandlung

    Lesesaal Buchhandlung

    @Ralf Schweikart: Lieber Herr Schweikart, so ganz kann ich Ihnen nicht folgen, vor allem das Wort "Profit" schreckt mich. Es ist wohl ein sehr großer Unterschied, ob man, wie Sie richtig sagen, ein kauf- und lieferbares Buch 50.000 an Schulen plus Lehrerbegleitmaterial verschenkt (statt es zu verkaufen) oder ob man als Amazon nebst Thalia und Hugendubel eine Million Märchenbücher sinnentleert im Gießkannenprinzip verschenkt. Nix für ungut, aber meiner Meinung nach hinkt der Vergleich.

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Genau: "Und ein Monopolist wie Amazon, der versucht in allen Branchen die Konkurrenz kaputt zu machen, gehört nicht in eine solche Stiftung!" Danke auch an alle davor!

  • Belle

    Belle

    "Altbackene, muffige Grimms Märchen"- was für eine traurige Aussage.

  • Barbara Busch

    Barbara Busch

    Vielen Dank für diese klare Entscheidung, Frau Rübelmann! Wer zieht nach?

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