Stellungnahme zum Strategiewechsel bei Libri

"Die Titel sind für Kunden nicht mehr sichtbar"

In einer Stellungnahme kritisieren der Sprecherkreis und Mitglieder der IG unabhängiger Verlage im Börsenverein die Auslistung kleinerer Verlage durch Libri − weisen auf die in ihren Augen "systemrelevanten" Folgen hin. Gleichzeitig regen sie ein Gespräch aller Beteiligten auf der Frankfurter Buchmesse an, um eine Lösung zu finden.

Sprecherkreis der IGUV: Björn Bedey, Maria Frühwald, Karin Timme, Robert S. Plaul (von links)

Sprecherkreis der IGUV: Björn Bedey, Maria Frühwald, Karin Timme, Robert S. Plaul (von links) © Frederic Schweizer

Das Statement im Wortlaut:

In den vergangenen Wochen haben viele Verlage verstärkt Remissionen nicht nur von KNV, sondern auch von Libri bekommen – teilweise "bislang unbekannten Ausmaßes". Gleichzeitig haben sich immer wieder Buchhändler und Endkunden bei Verlagen gemeldet, weil ein eigentlich lieferbares Buch über Libri als nicht lieferbar angegeben wurde. Auf Nachfrage teilten die zuständigen Libri-Einkäufer den betroffenen Verlagen mit, dass es einen Strategiewechsel gäbe und man das Lager von 1 Million auf 750.000 Artikel reduzieren würde.

Neben vielen Backlist-Titeln wurden alle Titel mit einem Ladenpreis von unter 4,90 Euro ausgelistet. Als Alternative bietet Libri an, die betroffenen Titel "über BOD drucken zu lassen. Hier besteht die Möglichkeit Titel auf Nachfrage sofort zu drucken und über Libri auch auszuliefern."

Eine offizielle Kommunikation zur neuen Strategie gab es bislang nicht, nichtsdestotrotz hat Libri mit den Auslistungen und Remissionen bereits seit mehreren Wochen Fakten geschaffen. Die betroffenen Verlage wurden weder über die Auslistungen noch über die anstehenden Remissionen vorab informiert.

Erste Novitäten wurden gar nicht mehr bestellt oder aktuelle Frühjahrsnovitäten nach wenigen Monaten ausgelistet. Die Auslistungen sind teilweise inhaltlich nicht nachvollziehbar: Da wurden Ferienbücher direkt zu Sommerferienbeginn ausgelistet oder aus einer zehnbändigen Reihe ausschließlich Band Nummer 4. Die Aussage von Libri, es handle sich dabei ausschließlich um unverkäufliche Titel, konnten die Verlage so nicht bestätigen.

Das Ausmaß der Auslistungen ist sehr unterschiedlich. Bei einigen wurde kaum ausgelistet, bei anderen bis zu 90 Prozent der Titel. Ebenso ist es mit den Remissionen: Teilweise bewegen sie sich im üblichen Rahmen, doch für einige Verlage ist die Höhe existenzbedrohend.

Natürlich kann Libri als Wirtschaftsunternehmen selbst entscheiden, welche Bücher es liefern möchte, aber wie die KNV-Insolvenz ist auch die Neustrukturierung der Lagerhaltung bei Libri durchaus systemrelevant. Die Auslistung von 25 Prozent aller Titel betrifft nicht nur die Verlage – überwiegend vermutlich die kleineren und unabhängigen –, sondern auch die stationären Buchhandlungen, die Libri als einziges Barsortiment gewählt haben bzw. über Libri ihren Webshop betreiben. Gravierende Auswirkungen hat es auch auf die meisten der rund 800 eBuch- bzw. anabel-Buchhandlungen sowie kleinere Online-Buchhandlungen wie Buch7, Fairbuch, Ecobookstore und Ecolibri, deren Titeldatenbank derzeit auf den bei Libri lieferbaren Titeln basiert. Auch das Barsortiment Könemann ist betroffen.

Durch die Libri-Auslistung verschwinden also Titel praktisch aus weiten Teilen des Sortimentsbuchhandels, obwohl sie bei anderen Barsortimenten und bei Auslieferungen lieferbar sind. Sie sind damit für die Kunden nicht mehr sichtbar – außer bei Amazon. Das macht es gerade den kleineren Verlagen künftig noch schwerer, im Buchmarkt zu bestehen. Auch hinterlässt es keinen guten Eindruck, wenn der stationäre Buchhändler dem Kunden sagt, ein Buch wäre nicht lieferbar, dieser aber feststellt, dass es bei Amazon vorrätig ist.

Der Sprecherkreis und Mitglieder der Interessengemeinschaft unabhängiger Verlage im Börsenverein (IGuV) möchten darum gemeinsam mit den betroffenen Sortimentern, Online-Buchhändlern und allen Barsortimenten nach Lösungen suchen. Hierzu ist auf der Frankfurter Buchmesse ein Gespräch geplant, zu dem zeitnah eingeladen wird. 

Noch ein Wort zu dem Angebot, alternativ BOD zu nutzen: Das kommt für die meisten Verlage nicht in Frage. Aufwändiger ausgestattete Bücher sind sowohl kalkulatorisch als zum Teil auch technisch über BOD nicht machbar. Vielfach sind zudem noch größere Auflagen der jetzt ausgelisteten Titel vorrätig. Es ist wirtschaftlich und aus Umweltschutzgründen nicht vertretbar, diese zu vernichten, um sie künftig über BOD neu zu drucken – zumal die BOD-Produktion ökologisch ohnehin deutlich schlechter abschneidet als die klassische Buchherstellung. Außerdem berichten Verleger von untragbaren Lieferzeiten bei BOD im Weihnachtsgeschäft.

Von Libri erwarten alle Geschäftspartner eine offene Kommunikation und eine transparente Information über die Kriterien, die ein Buch erfüllen muss (Umsatzmengen, Zeiträume, "Bewährungsfristen" für Neuerscheinungen), um von Libri ans Lager genommen zu werden. Bei zukünftigen Remissionen muss eine Vorabinformation an die Verlage erfolgen. Die Rückzahlungsziele für die Verlage sollen sich an den Zahlungszielen orientieren, die Libri für sich im Einkauf beansprucht. Im Libri-Katalog sind die Titelinformationen so zu formulieren, dass klar ersichtlich ist, dass, wenn ein Titel über Libri nicht lieferbar ist, er über andere Wege bezogen werden kann (evtl. auch als Bestelltitel).

Langfristig können alle Beteiligten – Verlage, Sortimenter und Zwischenbuchhandel – nur wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn sie, trotz teilweise unterschiedlicher Interessen, im Umgang miteinander den Grundsätzen des guten Kaufmanns folgen und fair zusammenarbeiten.

Der Sprecherkreis der IGuV im Börsenverein

Der Vorstand der Kurt Wolff Stiftung

Steffi Bieber-Geske, Kinderbuchverlag Biber & Butzemann, Vorsitzende des Bücherzauber e.V.

Björn Bedey, Bedey Media

Karin Timme, Frank & Timme

Robert S. Plaus, Carpathia Verlag

Britta Jürgs, AvivA Verlag

Wolfram Alster, Main Verlag

Tristan Rosenkranz, Edition Outbird

Monika Fuchs, Verlag Monika Fuchs

Grit Richter, Art Skript Phantastik

Michael Haitel, p.machinery

Marion A. Müller – Periplaneta

Ines Rein-Brandenburg, Verlag Kern

Volker Surmann, Satyr Verlag

Claudia Gehrke, Konkursbuch Verlag

Barbara Jost, Kontrast Verlag

Cristina Henrich-Kalveram, HENRICH EDITIONEN

Annette Sievers, pmv Peter Meyer Verlag

Uwe Achterberg, Michael Neugebauer Edition

Klaus Jans, KUUUK Verlag mit 3 U

Hanns-Martin Rüter, AISTHESIS VERLAG

Gerhard Stange, Edition contra-Bass

Rolf Wagner, Prolibris Verlag

Reinhilde Ruprecht, Edition Ruprecht

Markus Schnurpfeil, Echt Jood Medien

Nora Frisch, Drachenhaus Verlag

Karen Grol-Langner, STORIES & FRIENDS Verlag

Jan Karsten & Zoë Beck, CulturBooks Verlag

Bastian Salier, Salier Verlag

Michael Kracht, Fehnland-Verlag

Alfons Theodor Seeboth, Wölfchen Verlag

Jürgen Eglseer, Amrun Verlag

Jessica Strang, Tagträumer Verlag

Nadine Reuter, Lysandra Books

Donata Kinzelbach, Kinzelbach Verlag

Holger Kliemannel, Edition Roter Drache

Jens Korch, Edition Wannebuch

Jens Bolm, JMB Verlag

Swetlana Neumann, Wiesengrund Verlag

Sigrid Pomaska, Pomaska-Brand-Verlag

Torsten Low, Verlag Torsten Low

Tobias Eisermann, Eisermann Verlag

Marc Hamacher, Leseratten Verlag

Peter Amsler, Erzählverlag

Sandra Vogel, piepmatz Verlag

Veronika Aretz, VA-Verlag

Ralf Jordan, Geschichtlicher Büchertisch

Bettina Ickelsheimer-Förster, Shadodex - Verlag der Schatten

Jana Reich, Marta Press

Mele Brink und Bernd Held, Edition Pastorplatz

Annika Kuhn, Pinipas Abenteuer

Peter Kern, KernVerlag

Georg Nies, OCM Verlag

Charlotte Erpenbeck, Machandel Verlag

Karim Pieritz, Verlag Karim Pieritz

Britta Schmidt von Groeling, World for Kids

Dietmar Noss, Merlin’s Bookshop

Elisa Carow, Carow Verlag

Karina Lotz, edition federleicht

Kai Falkenberg, Edition Falkenberg

Westarp Science Fachverlage und Westarp Verlagsservice GmbH

Christian Schmal & Tara Moritzen, Zauberfeder

Kristina Jelinski, Ahead & Amazing

Peter Gerlach, Hasenverlag

Christl Kiener, KIENER Verlag

Hajo Schörle, Buch & Bild Verlag Nagold

Sonia Lauinger, Lauinger Verlag

Helene Düperthal, Lebensweichen Verlag

Franz König, Verlag ratio-books

Michael Handwerk, Edition Pommern

Thorsten Zeller, Reimheim Verlag

Angelika Schulz-Parthu, Leinpfad Verlag

Brigitte Bülau, Hippocampus Verlag

Lutz Stellmacher, Sandstein Verlag

Sewastos Sampsounis, Größenwahn Verlag

Olaf Eimer, Verlag für Regionalgeschichte

Fred Pusch, Projekt Verlag

Claudia von Holten, Amiguitos – Sprachen für Kinder

Ingrid Maikath, amicus-Verlag

Inge Heuer-Kölpin, Pinkvoss Verlags GmbH

Marcus Mery, Ausbildungspark Verlag

Heike  Birke, BALAENA Verlag

Patricia Hahne-Wolter, SchauHoer Verlag

Else Laudan, Argument Verlag mit Ariadne

Christina Schmitt, TRIGA

Annette Stroux, S T R O U X edition

Jörn Kobes, Computus Verlag

Wolfgang Neumann, Solibro

Sebastian Frenzel, homunculus verlag

Peter R. Hellinger, art&words

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36 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Ruprecht Frieling

    Ruprecht Frieling

    Ob Libri die (teilweise kaum verkäuflichen) Titel ihres Töchterleins BoD ebenfalls ausmistet?

    Vielleicht schafft man sich auf diese Weise auch eine neue Klientel …

  • Bert Teklenborg

    Bert Teklenborg

    Zur Sache: Libri hat uns vorher informiert, einen Titel "wegen erhöhtem Lagerbestand" remittieren zu wollen. Wir haben Aktionen vorgeschlagen, aber darauf wollte man sich nicht einlassen.

    Das wird für uns Kleinstverlage eng; wir erleben jetzt schon, daß vermehrt Einzelbestellungen eingehen, immer nur ein Buch, weil es ein "Kundenauftrag" ist. Also liebes Sortiment, jetzt laß dir was einfallen; nur noch Ramschware vor der Tür und Bestseller-Titel stapelweise ist ja kein Zeichen von Literaturverständnis!

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Vielen Dank an den Sprecherkreis der IGuV im Börsenverein und an den Vorstand der Kurt Wolff Stiftung. Da kann sich unser kleiner Fachverlag für den Lese-Rechtschreiberwerb nur anschließen! Es kommen viele "Unwetter" zusammen: die kaum verdaute KNV-Insolvenz, die maßlos steigenden Portogebühren für Büchersendungen bei der Deutschen Post, die kafkaesken Zustände mit/bei *AmaZorn und jetzt die schlagartige Auslistung von 250 000 Titeln, die dann nicht mehr vorrätig sein sollen. Heftig! Was wird als nächstes passieren? Ich tippe mal auf die weitere und schädliche Expansion des großen As.

  • Thomas Brausch

    Thomas Brausch

    @ Bert Tecklenborg
    "Also liebes Sortiment, jetzt laß dir was einfallen;....")
    Also lieber Verleger, lassen Sie sich etwas einfallen. Zunächst einmal ist im Handel immer noch derjenige gefordert der etwas verkaufen möchte. In diesem Falle also Sie.
    Also: Was haben Sie sich denn so einfallen lassen.....

  • Katrin Bietz

    Katrin Bietz

    @Thomas Brausch
    Lieber Herr Brausch, mit diesem Kommentar stellen Sie leider den Kopf auf die Füße und ignorieren, dass kleine unabhängige Verlage sehr wohl extrem gute Bücher verlegen, diese aber nicht mit dem krassen Werbeaufwand in den Markt drücken können, wie dies die Konzernverlage wirtschaftlich leisten können. Kleine, unabhängige Verlage sind darauf angewiesen, dass wir Buchhändlerinnen und Buchhändler ihre Titel empfehlen und verkaufen - das wird enorm erschwert, wenn die Bücher nur direkt beim Verlag zu beziehen sind. Insofern wird die Verlagsvielfalt durch diese Auslistung extrem gefährdet, denn Buchhandlungen müssen rechnen, ob sich Kleinstbestellungen lohnen bei den geringen Margen, die kleine Verlage gewähren können und den zusätzlich anfallenden Versand- und internen Handlingskosten.
    Aus meiner Sicht nutzt Libri seine Marktmacht aus, denn jetzt einfach zu einem anderen Barsortiment zu wechseln, geht nicht. Und das Schlimmste ist die indirekte Stärkung von A. Es ist zum Heulen!

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Ich finde es auch wichtig, dass wir "an einem Strang ziehen". Jede/r von uns muss sich was einfallen lassen. Schönes Wochenende trotzdem!

  • Kerstin Schmaeling

    Kerstin Schmaeling

    Bei uns verpuffen Werbeaktionen (letztens im Buchjournal) im Nirwana, weil selbst unsere "Renner" als nicht lieferbar gelten. Was nützen Aktionen, Flyer und Anzeigen, wenn dem Kunden gesagt wird, dass der Titel nicht lieferbar sei?

  • Dr.  Klug

    Dr. Klug

    Als Kleinverlegerin bemerke ich schon lange, dass die Barsortimente nur den großen Verlagen zu- und den kleinen Verlagen entgegenarbeiten. Das ist einer der Gründe, warum INDIEs in den Buchhandlungen nicht zu finden sind und auch ungern bestellt werden. Auch zu mir kommen sehr oft Kunden, die mir erzählen, ihr Buchhändler hätte gesagt, meine Bücher wären vergriffen, obwohl alle vorrätig (und über Amazon sowie über meinen Verlag) bestellbar sind.
    Libri versucht jetzt, nicht nur seine Marktmacht auszubauen, sondern so eine Art Monopolstellung aufzubauen. Offenbar sollen u.a. mit der "Bereinigung" die vielen anderen kleinen "BoD-Anbieter für Autoren", die bisher über Libri auslieferten, aus dem Markt gedrängt werden, so dass LIBRI + BOD dann eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Das ist sehr riskant und führt zu starken Verzerrungen im Handel.
    Der Buchhandel hat sich über die Jahre ohnehin extrem abhängig gemacht vom Barsortiment, war auch z.T. schon lange nicht mehr in der Lage oder willens, einen Titel zu recherchieren, der in den mit der entsprechenden Software vorprogrammierten PCs der Buchhändler nicht gelistet war.
    Diese Situation spitzt sich jetzt weiter zu. Doch solange Libri durch den Wegfall von KNV nicht mehr genug Konkurrenz hat, können die sich natürlich in aller Ruhe ein Monopol aufbauen und den Buchhandel im Regen stehen lassen.

  • Susi Unklug

    Susi Unklug

    Könnte es nicht auch sein, dass es auch bei den ,,Indies" schlechte und viel zu viele Titel gibt? Könnte es nicht auch sein, dass sich viele inhaltlich gute Titel einfach nicht verkaufen?
    Herr Teklenborg möchte weder kleine Bestellungen noch Remittenden. Was möchte er dann?
    Ich empfehle einen Blick auf die Homepage von Frau Dr. Klug zu werfen, wenn man etwas zum Lachen braucht.

  • Ingrid Röder, Buchhandlung Rote Zora

    Ingrid Röder, Buchhandlung Rote Zora

    Gutes Statement der IGUV.
    Wir als Buchhandlung, die neben Umbreit auch noch mit Libri arbeiten, hätten uns gewünscht, von Libri über diese einschneidenden Umstrukturierungs-Maßnahmen informiert zu werden. Gerade Libri hatte in den letzten Monaten vermehrt darauf hingewiesen, dass kleinere Verlage ins Sortiment aufgenommen worden sind und wir BuchhändlerInnen wurden auch aufgefordert, unsere Wünsche diese Verlage betreffend zu nennen. Und immer wieder präsentierte Libri stolz seine 1 Million lieferbarer Titel und schickte uns dazu auch Fensteraufkleber etc. Nun also wieder Rolle rückwärts. Kann man machen, ob es klug ist, ist ein anderes Kapitel. Wir jedenfalls sind gottseidank nicht nur auf ein Barsortiment angewiesen, sondern arbeiten als LG-Buch Mitglied sehr gerne mit Umbreit zusammen und fühlen uns dort bestens betreut.

  • Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz

    Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz

    Das Stament der IGUV kann man natürlich nur unterstützen! Durch diese Affäre wird mal wieder deutlich, wie verzahnt unsere Branche ist und welche Verantwortung jeder Player in seinem Aktionsrahmen hat. So eben auch die Barsortimente, die mit Ihrer Listung ein Gutteil der Sichtbarkeit von Titeln in der Hand haben.

    Alles, was dieses austarierte Biotop "Buchbranche" zugunsten der größten Marktteilnehmer verändert, schädigt die Vielfalt des Buchmarktes. Leider sind es derzeit etliche Entwicklungen, die in diese Richtung gehen. Ob das die libri-Affäre ist, die DEAL-Verhandlungen, die Causa Stiftung Lesen oder das Aufsaugen von Marktteilnehmern durch Thalia.

    Abgesehen davon zeigt die libri-Geschichte mal wieder, wie wichtig es für Buchhandlungen ist, mehrere Barsortimente zu haben. Und wie wichtig der Wettbewerb im Zwischenbuchhandel für die gesamte Branche ist.

    Im Übrigen dachte ich nicht, dass es derart oft vorkommt, dass SortimentskollgInnen ein Buch als vergriffen deklarieren, nur weil es nicht beim BS zu bekommen ist. Schon mal was vom VLB gehört? Das ist doch oberpeinlich und widerspricht auch dem Sinn der Buchpreisbindung. Man kann sich die VLB-Daten übrigens auch in den eigenen Webshop holen, alle drei Barsortimente implementieren das VLB, wenn das von der Buchhandlung gewünscht ist (und natürlich bei der MVB bezahlt wird.) Trotzdem es solche schlurigen BuchhändlerInnen zu geben scheint, ist der Aufruf von Bert Tecklenborg (s.oben: "Also liebes Sortiment, jetzt laß dir was einfallen; nur noch Ramschware vor der Tür und Bestseller-Titel stapelweise ist ja kein Zeichen von Literaturverständnis!") eine Zumutung für alle engagierten Buchhandlungen. Solche pauschalen Negativ-Zuweisungen sind wirklich Blödsinn und schaden nur dem Branchenklima.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Unabhängig der Tatsache, dass die Kommunikation dieses ganzen in der Tat systemrelevanten Vorgangs seitens LIBRI extrem lausig ist, so sei doch eine etwas ketzerische Frage in den Raum geworfen: Mit welchen Meldenummern behaftet denn LIBRI nun die ausgelisteten Titel in der eigenen Datenbank oder fliegen die sofort komplett raus?

    Kann es sein, dass einige der hier genannten Sortimenter bei ihren Aussagen an ihre Kundschaft in Sachen „Titel vergriffen oder nicht mehr lieferbar“ dies schlicht mit dem BS-Meldeschlüssel „Titel führen wir nicht bzw. nicht mehr“ verwechseln? Oder kann es sein, dass es die nicht mehr gegebene Auffindbarkeit im Verzeichnis des Grossisten ist, die schlicht zu solch grotesken Falschaussagen führt? Das alleinige Verlassen auf die jeweiligen Datenbanken der Barsortimente ist tückisch, das VLB hilft als Referenzquelle, taugt aber auch nur bedingt.

    Der Kunde schaut in der Regel bei AMAZON und dort ist aufgrund der erfolgreichen Verquickung von eigenem Lagerbestand und dem Bestand der Marketplace-Teilnehmer sowieso alles immer angeblich lieferbar – damit leben wir hier schon seit vielen Jahren. Wir leben aber ebenfalls auch schon seit vielen Jahren damit, die Lieferbarkeit eines Titels auf verschiedenen BS-Datenbanken, auf Verlagswebseiten oder meinetwegen auch bei Amazon zu recherchieren, um dem Kunden eine saubere Aussage mitgeben zu können.

    Der Kampf um Sichtbarkeit ist seit langer Zeit schon an ganz vielen Stellen verloren gegangen, die Entwicklungen und Auslistungsorgien bei KNV oder LIBRI sind nur das Tüpfelchen auf dem i, in der Tat verheerend, aber beileibe nicht die Ursache.

    Nur mal als Idee an Eckart Südmersen: Was wäre denn, wenn die ausgelisteten Titel über einen verlängerten Zeitraum mit einer Meldenummer 17 wenigstens im eigenen Katalog bleiben? KNV macht das seit Jahren, viel Aufwand kann es nicht sein und der angemahnten Sichtbarkeit wäre zumindest ein wenig geholfen.

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Ach Herr Dausien, der Zeitpunkt unserer beider Kommentare hat sich wohl etwas unglücklich überschnitten, weshalb ich gerne nochmals anfügen möchte, dass wir hier neben KÖNEMANN/LIBRI und KNV selbstverständlich auch das VLB nutzen.

    Wer als Sortimenter noch gelernt hat, mit Buchkatalogen in Buchform zu arbeiten, der kann angesichts der Recherchemöglichkeiten des Internets über manche Aussagen gelegentlich wirklich nur mit dem Kopf schütteln.

    Jens Bartsch - Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Buchverkäufer

    Buchverkäufer

    Vielleicht sollten sich alle mal fragen.
    Warum bekomme ich als Buchhandlung die auch für Kunden einen einzelnen Titel ordert,
    Strafrabatt, Strafzahlungziel und Strafporto.
    Dann sagt man auch mal bei einem Buch nicht lieferbar.
    Gerade die kleinen Buchhandlungen sind davon öfter betroffen.

  • Form follows function

    Form follows function

    Der Aufbau des lieferbaren Sortiments bei Libri auf 1.000.000 Artikel war und ist singulär für die deutschsprachige Buchbranche. Der Aufbau des Titelbestandes von bisher (2014) 550.000 auf 1.000.000 Artikel dauerte mehrere Jahre und ist wie jede unternehmerische Entscheidung mit Chancen und Risiken behaftet. Hunderte von Buchhändlern haben anlässlich des Libri.Campus und anderer Gelegenheiten in Bad Hersfeld gesehen, welche enormen Lagerkapazitäten dort durch Libri geschaffen wurden, um 450.000 zusätzliche Artikel aufzunehmen. Ein Blick über dieses Lager ist auch ästhetisch einer der spektakulärsten und schönsten Anblicke den die deutsche Buchbranche zu bieten hat. Wir reden hier also nicht von irgendeinem Verwaltungsakt am Schreibtisch, sondern von handfesten Investitionen in Regale, Fördertechnik, Mitarbeiter, Einkäufer, Prozesse. Wir lernen als Branche insgesamt aus diesen Erfahrungen. Dazu gehört jedoch weitaus mehr als die unnötig dramatisierende und sachlich falsche Aussage "Die Titel sind für Kunden nicht mehr sichtbar". (Dank an Herrn Bartsch aus Köln, siehe oben) Gemeinsam mit den Kleinverlegern und dem Buchhandel hat Libri doch offensichtlich versucht herauszufinden, wie der Buchmarkt auf eine solche enorme Ausweitung des Sortiments reagiert und lernt jetzt gemeinsam mit ihnen aus den Erfahrungen. In Zahlen ausgedrückt kann man den Erfolg für alle Beteiligten quantifizieren. Von 450.000 zusätzlich ans Lager genommenen Artikeln bleiben 300.000 weiterhin am Lager 150.000 werden wieder abgebaut - weil sie sich offensichtlich nicht an Kunden verkauften. Das ist eine Erfolgsquote von 66% für die Buchbranche. Die Aussage "Die Titel sind für Kunden nicht mehr sichtbar" ist schlicht und einfach falsch. Richtig lautet die Aussage "Es sind 300.000 Artikel mehr und besser als bisher sichtbar".

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Jeder, der sich jetzt über Libri beschwert, der sollte mal in seinem Archiv recherchieren, ob er noch den Dankesbrief findet, den er an Libri geschrieben hat, als die ihren Katalog um 250.000 Titel erweitert haben. Das war schon baulich eine große Investition, dazu kam die Kapitalbindung und Titelaufnahme und Personalausweitung. Vor allem die kleinen Verlage haben damals davon profitiert.
    Darauf hätte man aufbauen müssen, um Konzepte zum Angebot dieser Vielfalt im Sortiment zu entwickeln und mit Backlist- und Qualitätskonzepten gegen den Novitätendruck zu arbeiten.
    Vermutlich diente die Titelausweitung aber nicht nur dem Sortiment, sondern auch Amazon und deren "Longlist". Wie auch immer, es scheint sich finanziell nicht zu rechnen. Jeder Kaufmann muss dann Konsequenzen ziehen, auch Libri. Dass die aktuelle Phase günstig ist, weil Libri gerade eher Kunden gewinnt als verliert, das ist vernünftig.
    Kritisieren kann man sicher das Vorgehen. Eine Information der Verlage sollte normal sein, auch ein kulanter Umgang mit den Zahlungszielen bei der Remission. Die Reduktion des Titelangebots hat auch eine strategische Auswirkung auf die Verlage. Auch dafür wäre eine langfristige Information und ein gestalteter Übergang sinnvoll.
    Und dann sollten wir uns alle Gedanken machen, ob neben einem Mainstream-Ketten-Buchhandel mit Mainstream-Programm nicht auch eine andere Form von Buchhandel Chancen hat, auf Qualität, Angebotsvielfalt, charakteristischer Schwerpunktsetzung, hoher Servicebereitschaft, Vernetzung im regionalen Kulturbetrieb etc. Vieles davon findet man im unabhängige Buchhandel. Wir brauchen aber vermutlich dafür andere Logistik-Strukturen, andere Konditionen und Branchenbräuche, andere Informationssysteme etc. Möglicherweise benötigen wir dafür keine Preisbindung, möglicherweise müssen wir das Branchenmarketing bewusst aufspalten und den einen Buchhandel gegen den anderen positionieren. Ich fände es jedenfalls hilfreich, das einmal grundsätzlich zu diskutieren.

  • Sabine Lipan

    Sabine Lipan

    Zum Thema Sichtbarkeit der Titel:
    Ich habe gerade, in der Rolle einer "Endverbraucherin", ein paar Stichproben gemacht. Und tatsächlich: Es gibt eine Reihe an Titeln aus Kleinverlagen, die bei einer Online-Bestellung des Buchhändlers meines Vertrauens (läuft über Libri) nicht mehr sichtbar sind! "Sorry, dieser Titel wurde von uns nicht gefunden" lautet der Text, der einem auf dem Monitor entgegenleuchtet. Welche/r Leser*in, der/die nicht gerade der Buchbranche entstammt, recherchiert da noch weiter, ob der Titel wohl doch von jemand anderem /z.B. der Buchhandlung am Telefon) gefunden werden kann? Wohl kaum jemand. Statt dessen wird es dann wohl ein anderes Buch werden, dass die Kunden/der Kunde bestellt.
    Fazit: Die Titel sind tatsächlich, für die Endverbraucher, "nicht mehr sichtbar"!

  • Bert Teklenborg

    Bert Teklenborg

    Thomas Brausch16.08.2019 10:18h
    Zunächst einmal ist im Handel immer noch derjenige gefordert der etwas verkaufen möchte. In diesem Falle also das Sortiment! Aber das zeigt ja das ganze Dilemma auf: da werben alle GROßEN Filialbuchhändler im Internet mit deinen Titeln als "lieferbar" und wenn du sie bestellen willst, heißt es: Lieferzeit 3-4 Tage. Das ist nun Geschichte! Ich bin gespannt, was sich die KollegInnen einfallen lassen, um die Libri-Lücke zu schließen.

  • Annette Sievers, Peter Meyer Verlag

    Annette Sievers, Peter Meyer Verlag

    @Matthias Ulmer: »Vieles davon findet man im unabhängige Buchhandel. […] Möglicherweise benötigen wir dafür keine Preisbindung, …«
    Hola! Da wird ja ein neues Fass aufgemacht! Finger weg, Herr Ulmer, das ist brandgefährlich und zeigt, aus welch kaptitalistischer Richtung Ihr Wind weht. Die Preisbindung ist ein Gesetz, schon vergessen?
    »den einen Buchhandel gegen den anderen positionieren« heißt Konzern gegen unabhängig? Groß gegen engagiert? Haben wir das nicht schon?
    Ich bin dankbar für so umsichtige Kommentare wie von @Katrin Bietz und @Dieter Dausien.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Sievers, wenn wir eine Vision entwickeln wollen, wie ein wünschenswerter Buchhandel in zehn Jahren aussehen soll, dann müssten wir auch alle Rahmenbedingungen neu denken. Ich halte die Preisbindung für einen absoluten Glücksfall. Aber das hindert einen ja nicht, ihre Sinnhaftigkeit von Zeit zu Zeit zu prüfen.
    Ich habe einfach das Gefühl, dass wir in zehn Jahren, wenn wir keine grundsätzlichen Änderungen vornehmen, einen Bucheinzelhandel haben, der aus drei Ketten und einem Versender besteht und die Produktion von 50 Verlagen verkauft. Daneben gibt es dann noch ein paar mäzenatisch tätige Stiftungen mit subventionierten EInzeltiteln.
    Und wir werden uns damit befassen, an welcher Stelle etwas schief gelaufen ist, ohne dass wir etwas dagegen getan haben.

  • Folkert Roggenkamp

    Folkert Roggenkamp

    Jetzt wird’s interessant: Herr Ulmer hat recht, es gibt eine dringende Notwendigkeit über Essentials der deutschen Buchbranche nachzudenken und Korrekturen vorzunehmen. Die KNV-Insolvenz, der Verkauf der Mayerschen an Thalia und nun die unternehmerische Notbremsung von Libri (all dies innerhalb von acht Monaten!) weisen mehr als deutlich darauf hin. Frau Sievers hat aber auch recht: weder die Börsenblatt-Leserkommentarspalte, noch der „Buchhandelstreff“ sind geeignete Foren für diese Auseinandersetzung. An welcher Stelle und wann wird der Börsenverein dieses Thema aufgreifen? Und wie öffentlich kann und darf der Austausch stattfinden?

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Lieber Herr Ulmer,
    ich lese Ihre Kommentare wirklich gern und begrüße Ihren Hang, quer zu denken. Aber warum wir dem Glücksfall Preisbindung nutzen, indem wir dieselbige immer mal in Frage stellen, leuchtet mir jetzt wirklich nicht ein.
    Derzeit gibt es ja tatsächlich einige Anzeichen, die auf das von Ihnen beschriebene Horrorszenario hinweisen (s. mein Post weiter oben). Dass ein Wegfall der Preisbindung diesen Prozess noch beschleunigen würde, steht aber doch wohl außer Frage, oder?
    Das heißt nastürlich nicht, dass mit Preisbindung alles in trockenen Tüchern wäre und wir uns keine Gedanken über sich verändernde Märkte machen müssten.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Dausien, ich hätte statt Preisbindung auch andere Punkte nennen können, die bei der Gelegenheit zu Variablen werden können: Versandkosten, Rabattstrukturen, BöV-Beitragsgefüge etc. etc. Bei jedem Stichwort schreit jemand auf und schreibt eine böse Mail. Aber eine Neuordnung unserer Branche bekommen wir nur hin, wenn wir alle Rahmenbedingungen zur Disposition stellen. Wenn das nur mein Gefühl ist, dass das an der Zeit wäre, dann ist es um so besser, dann lag ich eben falsch.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    ich verfolge nun die Beiträge hier schon seit geraumer Zeit und muss sagen, Herr Ulmer hat m.E. Recht. Die Buchbranche steht jetzt vor den schon lange angekündigten großen Veränderungen. Vielleicht muss man alle bisherigen Gerpflogenheiten überdenken (man müsste ja nicht unbedingt mit der Buchpreisbindung anfangen...!).
    Die KNV Insolvenz wurde hier in ihren tieferen Ursachen kaum angesprochen (durch Filialisierung wird der Kuchen für Großhändler zwingend kleiner und es war nur eine Frage der Zeit, wann die Überkapazität seine Konsequenzen zeigen würde), weshalb ich den euphorischen Titel "KNV ist gerettet" gerne mit "erstmal" ergänzen würde.
    Dass Libri jahrelang mit 100000 Titel (ab)geworben hat und jetzt, da der größte Mitbewerber in Schwierigkeiten steckt, sein Sortiment zusammenstutz mag betriebswirtschaftlich notwendig und vernünftig sein, der Zeitpunkt hat halt ein "Gschmäckle"

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    "Warum bekomme ich als Buchhandlung die auch für Kunden einen einzelnen Titel ordert, Strafrabatt, Strafzahlungziel und Strafporto. "

    Das ist doch die Frage aller Fragen, statt über jede unabhängige, inhabergeführte Buchhandlung froh zu sein, die ihr Kunde wird, reagieren die Verlage auf Einzelbestellungen selbiger so wie die Buchhandlungen auf Verlagsbestellungen, die ihnen von querlesenden Kunden "aufgezwungen" werden: allergisch.
    Wir sind ein Antiquariat, das auch neue, lieferbare Bücher für seine Kunden bestellt, wir Inhaber sind ausgebildete Buchhändler, Schrobsdorff'sche Buchhandlung und Stern-Verlag in Düsseldorf. Wir haben beide gelernt zu recherchieren, ein Buch ist dann vergriffen, wenn der Verlag nicht noch ein letztes verstaubtes Exemplar aus dem Lager, oder dem Regal des Vertriebschefs ziehen kann. Wir haben damals noch Kataloge gewälzt, alles ist heute so viel einfacher geworden, nur den Dienst am Kunden, den will eigentlich (fast) niemand mehr leisten. Da verweist man in manchen Buchhandlungen seltsamerweise auf amazon als Lieferanten, hier fragt der Verlag irritiert, warum man nur ein Exemplar haben möchte, die Antwort: weil wir leider nur genau den einen Kunden dafür haben, der es, genau wie wir, eben ganz bewußt nicht bei amazon bestellen möchte.
    Wenn wir ein solches, anderswo als "vergriffen" bezeichnetes, aber eigentlich lieferbares neues Buch "herbeizaubern", dann sind wir für unsere Kundinnen und Kunden die Größten, und das freut nicht nur, auf lange Strecke rechnet sich das auch.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    @Sabine Lipan:
    Mmmh - im Umkehrschluss hieße dies, dass der LIBRI-Katalog (oder wahlweise die Kataloge anderer Barsortimenter) das wiederspiegeln müssen, was der Sortimenter vor Ort generell und woher auch immer besorgen kann. Das ist aktuell allerdings ein Ding der Unmöglichkeit und auch nicht die Aufgabe LIBRIS und deren Katalogs. Obwohl man da eventuell auch mal über so einige wünschenswerte Lösungen nachdenken könnte. Denn Matthias Ulmer hat durchaus recht, wenn er Quer- oder Neudenken anmahnt.

    Aktuell liegt die Tücke nämlich Detail, in den Möglichkeiten der Webshops kleinerer oder mittelgroßer Buchhandlungen: Als einzelner Buchhändler dieser Kategorie kann ich keinen eigenen Shop erstellen, weshalb wir alle diesbezüglich unter die Haube eines der Barsortimente gehen, die in der Tat nicht alles Lieferbare (kein hinterlegtes VLB) abbilden. Aber auch bei den Shops einiger großer Mitspieler erfährt man oft erst kurz vor oder nach dem Bestellabschluss die böse Erfahrung der Nicht-Lieferbarkeit. Bei den Sortimentern unserer Kategorie hat es OCELOT in Berlin mal mit sehr viel Geld versucht, alles an Recherchemöglichkeiten unter einen Online-Hut zu bringen – das Ergebnis ist bekannt.

    Es gibt ein einziges und für den Kunden zielführendes Verzeichnis, welches nahezu fast alles an Angebot abbildet. Dies sogar für lieferbare und nicht mehr lieferbare Titel. Das System funktioniert ähnlich wie Google, man braucht keine Qualitätssuche, sondern man kann irgendeinen Quatsch eingeben und bekommt immer und in jedem Falle irgendein Ergebnis angezeigt.

    Dieses Verzeichnis heißt, Sie haben dies bestimmt schon erahnt, AMAZON. Damit kann bei ernsthafter Betrachtung keiner, wirklich keiner aller am hiesigen Markt beteiligten Unternehmen (ob groß oder klein) konkurrieren. Aber eventuell bekommt die lokale Buchhandlung ihrer Kundschaft verklickert, dort zu suchen und beim Buchhändler um die Ecke (online zum Beispiel via eines sehr offenen Kontaktformulars) nachzufragen. „Kritisches“ Potential dafür gibt es genug und das funktioniert hier auch.

    Die obengenannten Gründe sind es übrigens auch, die uns nach wie vor veranlassen, eine komplett eigene Webseite zu pflegen und den Shop im Hintergrund zu belassen. Für die Bestellungen im Middletail reicht es und die Order von Spezialitäten trauen uns die hiesigen Kunden sowieso zu.

    @Matthias Ulmer:
    Aufgrund der ganzen Onlineentwicklungen wird sich irgendwann sowieso die Frage nach der Preisbindung (seitens EU) neu stellen. Vielleicht sind bis dahin (spätestens danach) dann als Sortiment vor Ort wirklich nur noch ein paar Spezialitätengeschäfte übrig, die dann wahrscheinlich in der Tat keine Preisbindung mehr brauchen, um überleben zu können. Ich behaupte allerdings mal, dass die als Totengräber eingeführter und bewährter (zugegeben durchaus extrem überdenk- und reformbedürftiger) Buchhandelsstrukturen ganz groß auf den Busch der Disruption gehauen habenden Unternehmen nicht unbedingt zu den Überlebenden unserer Spezies gehören werden, da sie mit Ihrem Portfolio vor Ort wie auch online eigentlich jetzt schon schlicht entbehrlich sind.

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Helmut Exner

    Helmut Exner

    In meiner Eigenschaft als Verleger wurde mir heute von einer Buchhändlerin ihr Leid geklagt. Demzufolge wurden nicht nur Titel aus Reihen ausgelistet, die regelmäßig bestellt werden, sondern auch der Rabatt wurde bei etlichen Titeln von 35 auf 25 Prozent herabgesetzt. Und dies, obwohl der Verlag das Barsortiment unvermindert mit 50 Prozent beliefert. Anscheinend verfolgt man eine allgemeine Strategie der Gewinnmaximierung. In Zeiten einer funktionierenden Konkurrenzsituation wäre das ja in Ordnung. Wenn einem die Konditionen bei einem Großhändler nicht passen, wechselt man halt. Aber in einer Situation, in der sich der andere große Konkurrent angeschlagen von seinem Fast-KO aufzurappeln versucht und der kleine Konkurrent gar nicht in der Lage ist, wesentlich mehr Kunden zu bedienen, ist dies ein Verhalten, wo man darüber nachdenken muss, ob dies nicht ein Ausnutzen der neu entstandenen Marktmacht ist. Schöne Grüße an das Kartellamt, das sich schon in weitaus unbedeuterende Vorgänge eingeschaltet hat.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    @form follows funtion
    Wenn die „form“ vermittels „function“ ein 66% an Angebotsplus bei bisher nicht gelisteten, bzw. neuen Titeln an Zuwachs ergab, so ist dies tatsächlich eine Erfolgsmeldung, die Applaus verdient (welch großem Kunden immer auch dies verdankt sein mag).

    Angesichts des stürmischen Buchhandelswetters lässt sich eventuell aber doch über weitere Funktionalitäten nachdenken, denn wir müssen in der Tat „gemeinsam“ denken und vieles überdenken.

    Was wäre denn, wenn „form follows function“ ausgelistete und vergriffene Titel über einen gewissen Zeitraum noch anzeigt? Was wäre, wenn „form follows function“ o.a. sich trauen, ein komplettes VLB mit in die eigene Datenbank zu nehmen – inklusive der entsprechenden Anzeigen einer eigenen Nicht-Lieferbarkeit?

    Ich unterstütze alles, was „Form follows function“ schrieb - das Eindenken in die jetzt von mir erwünschten und angedachten Prozesse braucht keine neuen Lagerhallen und keine neuen Aussichten – es braucht schlicht eine andere und offene Denke!

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz

    Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz

    Um in seinem Webshop die komplette Breite der deutschsprachigen lieferbaren Publikationen anbieten zu können, braucht man nicht mal quer oder neu zu denken: Man muss nur seinem Barsortiment sagen, dass es in den Shop die VLB-Daten integrieren soll. Das bieten alle drei Barsortimente an.
    Wir haben das in unserem KNV-Shop getan (https://www.freiheitsplatz.de). VLB-Titel, die KNV nicht führt, werden dort mit "Lieferzeit 1 bis 2 Wochen" angezeigt. Man muss sich nur dafür anmelden und die Lizenzgebühr an die MVB zahlen. Die Höhe der Lizenzgebühr staffelt sich nach Börsenvereins-Beitragsgruppe.

  • Pekrul, Gisela

    Pekrul, Gisela

    Als kleiner Verlag habe ich dann folgende Probleme:
    1. Obwohl alle Titel im VLB gelistet sind, ich bin sogar Premiumkunde bei VLB-TIX, bekommen Kunden zu Titeln, die nicht bei Libri gelistet sind, in vielen Buchhandlungen die Aussage: nicht lieferbar oder sogar: gibt es nicht.
    2. Bei Amazon sind die von Libri ausgemusterten Titel zwar gelistet, aber mit dem Vermerk: Gewöhnlich versandfertig in 1 bis 3 Monaten, obwohl der Verlag den Titel auch bei Amazon anbietet und Bestellungen sofort ausliefert.
    3. Große Buchhandelsketten wie Thalia setzen nur auf Libri auf, d.h. Titel, die Libri nicht führt, können dort nicht verkauft werden (Aussage von Thalia Schwerin).

    Ich kann nicht verlangen, dass sich Libri oder auch Amazon als Wohltäter gegenüber kleinen Verlagen aufführen. Als Mitglied des Börsenvereins kann ich aber verlangen, dass der Börsenverein mich unterstützt, gegen die unter 1. und 2. genannten Falschaussagen vorzugehen. Eine Lösung könnte sein, dass die Barsortimente das gesamte VLB abbilden (meinetwegen gegen eine moderate Zusatzgebühr) und als Bestelltitel ausweisen oder einem Hinweis: direkt beim Verlag bestellen.

    Der Verweis auf BOD ist doch ein Witz. Kleine Verlage haben jetzt schon Probleme, einigermaßen erschwingliche Endverkaufspreise zu kalkulieren. Es ist mir neu, dass BOD günstiger druckt als andere günstige Druckereien. Und eine Auslieferung am nächsten Tag ist dann ja wohl auch nicht mehr möglich.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    Ich habe gerade mal getestet: Einen Titel, der nur beim VLB gelistet ist, findet sich bei den "Großen" nur in den shops von Osiander und bei der Buchhandlung am Freiheitsplatz. Thalia, Hugendubel und Rupprecht kennzeichnen den Titel als "nicht gefunden", was für ein Unternehmen in dieser Größe dilettantisch ist.
    Vielleicht könnte der noch aktuelle Vorsteher hier seine Erfahrungswerte einbringen, da es sich tatsächlich um ein gravierendes Problem der gesamten Branche handelt.

  • Bert Teklenborg

    Bert Teklenborg

    Lieber Benjamin Wagner, haben Sie tatsächlich angenommen, Ihre Bücher würden automatisch im Regal landen, wenn Libri die Daten übermittelt? Aber das größere Problem ist doch, daß die meisten KollegInnen im Sortiment diese Titel nicht kennen, sie noch nicht einmal in der Hand hatten!

  • Dr.  Klug

    Dr. Klug

    Ich bin als Kleinverlegerin so froh, dass hier in diesem Forum endlich mal Buchhändler auf den schon seit Jahren bestehenden "systemimmanten Fehler" aufmerksam werden, dass Titel von Libri oder auch von anderen Barsortimenten als "nicht existent" oder "vergriffen" gemeldet werden, nur weil sie in diesen Barsortimenten nicht gelistet sind. Meiner Ansicht nach ein "Fehler", der bewusst in die Softwareprogramme und Suchmasken von Libri & Co. eingebaut worden ist. Man tut halt gerne so, als ob außerhalb der eigenen Firma "nichts existiert", damit Buchhändler nur das bestellen, was das jeweilige Barsortiment vorrätig hat. Schließlich sind Barsortimente nicht verpflichtet, den Buchhändler bei der umfassenden Titelrecherche zu unterstützen - wir haben es ja nun bei Libri erlebt: Man bläst ins eigene Horn und sieht zu, dass man sich finanziell gesund stößt - den Anspruch der Buchhandlungen, alles schnell zu liefern, ist einem dabei egal. Keineswegs liefern Barsortimente ein "objektives" Bild der bestellbaren Titelbreite!!
    Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Umsatz durch diese falschen Infos bei Kleinverlagen (und letztlich auch bei Buchhandlungen!!) ständig verloren geht, wie viel Werbung im teuren Nirwana versinkt, wie viel fehl informierte Kunden frustriert die Buchhandlung verlassen ... (Vom einen oder anderen erhalte ich dann mal eine E-Mail und Nachfrage, ob ich als Kleinverlegerin das Buch noch liefern kann, doch das scheint die Ausnahme zu sein.)

    In das VLB schien mir schon seit Jahren keiner mehr hereinzugucken. Jetzt rückt es endlich mal wieder etwas mehr in den Blick der Buchhandlungen, wenn es um
    Titelrecherchen geht, und das ist gut so. Das VLB bildet die Menge der lieferbaren Titel viel adäquater ab als eine Firma wie Libri!!!

    Ich wünsche mir, dass in der gesamten Buchbranche und nicht nur in diesem kleinen Forum alle um diesen "systemimmanten Fehler" wissen und dementsprechend gründlicher nach Titeln von kleinen Indies recherchieren, die ja oft aktiv von Kunden nachgefragt werden.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    Lieber bert Teklenborg,

    ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Es geht doch darum, dass, wenn der Kunde*in ein Buch bestellen will und es sich nicht im Bestand der Großhändler befindet, er/sie dieses online zunächst nur bei Amazon findet. Ob ein Sortimenter*in das Buch anschafft und sich in den Laden stellt unterliegt noch einmal anderen Kriterien.

  • Bert Teklenborg

    Bert Teklenborg

    Ich wollte mit meinem Beitrag darauf hinweisen, daß eine Listung bei Libri nicht zwangsläufig Umsatz bedeutet. Für mich sind die KollegInnen im Sortiment die wichtigsten Mittler der Inhalte eines Buches. Und natürlich sollte jeder, der ein Buch kaufen will, in der Buchhandlung zutreffende Auskunft bekommen. Aber wenn dort "nur" der Libri-Katalog auf dem Bildschirm erscheint...

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    @Benjamin Wagner:
    Die Erfahrung Ihres Tests liegt schlicht und ergreifend daran, dass einige Buchhandelsketten so gar kein Interesse daran haben, die selbst oder beim unmittelbaren Zulieferer nicht gelisteten Titel überhaupt besorgen zu wollen, weil dies im Sinne deren Geschäftsmodells zu aufwändig ist. Frau Pekrul deutete dies schon an und auch wir haben hier durchaus Erfahrung mit Falschaussagen aus den Kreisen größerer Sortimenter.

    Ob nun dumme, geizige (kein VLB), faule (keine saubere Recherche) Buchhändler, die Nichtlistung bei Libri oder die sich teils der kompletten Lieferbarkeit verweigernden Buchhandelsketten ursächlich für wesentliche Probleme sind, diese Frage ist schon fast hinfällig, wenn man diese ganze Geschichte in unserer Branche mal aus der Vogelperspektive bis zu ihrer ganz bitteren Pointe weiterdenkt:

    Bei der Begründung der Buchpreisbindung in Deutschland heißt es zum Zwecke des Gesetzes unter Paragraph 1: „Das Gesetz dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Die Festsetzung verbindlicher Preise beim Verkauf an Letztabnehmer sichert den Erhalt eines breiten Buchangebots. Das Gesetz gewährleistet zugleich, dass dieses Angebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist, indem es die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert.“

    Wie lange der letzte Teil angesichts möglicher Internetorder noch trägt, kann keiner ernsthaft voraussehen. Aber es wäre schon juxig, wenn sich ausgerechnet das Unternehmen aus Seattle neben einigen wenigen sehr ambitionierten Sortimentsbuchhändlern vermittels der Sichtbarmachung und willentlich angebotener Besorgungsfähigkeit auch wirtschaftlich weniger rentabler Titel als letzter Gralshüter des Erhalts der deutschen Buchpreisbindung entpuppt – es ist zum Lachen und zum Weinen zugleich.

    Ja, es wäre in der Tat gegeben, dass der Börsenverein mal drüber nachdenkt, inwieweit er hier bei den unterschiedlichen Interesselagen, aber angesichts der uns alle betreffenden Entwicklungen, vermittelnd tätig werden kann. Sonst endet es eventuell wirklich so, wie Matthias Ulmer es geschildert hat.

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

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