Antiquariat

Verschiebungen in Richtung Onlinekatalog

Hinter dem Katalog der Venator & Hanstein-Buchauktion am 27. September steht ein neues Konzept. Ein Gespräch mit Karl-Heinz Knupfer, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Kölner Traditionshauses.

Karl-Heinz Knupfer

Karl-Heinz Knupfer © Venator & Hanstein

Der Katalog Ihrer Auktion 155 ist dünner als sonst, beschrieben sind darin 94 Nummern, rund 450 weitere Titel tauchen im Katalog lediglich mit einer Kurzbeschreibung und Schätzpreis auf. Was ist der Ansatz für diese Änderungen?

Karl-Heinz Knupfer: Für die Änderungen unseres Erscheinungsbilds gibt es verschiedene Gründe. Seit Jahren geht die Katalogauflage kontinuierlich zurück, da Kunden den gedruckten Katalog abbestellen. Die Kunden wollen unseren elektronischen Newsletter per E-Mail erhalten und sich dann im Onlinekatalog informieren. Das führte in den letzten Jahren dazu, dass der Onlinekatalog die Objekte wesentlich reicher illustriert als der gedruckte Katalog. Diese Fotos können auch vergrößert werden und bieten den Interessenten einen detaillierten Eindruck vom Objekt ihrer Begierde.

Die Zahl der Bieter, die sich über unseren Onlinekatalog oder über Auktionsplattformen wie Lot-tissimo anmelden, nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu, was dazu führte, dass der Onlinekatalog diesen genannten Mehrwert bekam.

Ein weiterer Grund könnte mit "Think before printing" überschrieben werden. Wir sparen Papier, verringern Druck- und Transportleistung und sehen das als kleinen Beitrag zum Klimaschutz.

Natürlich führt die neue Form des gedruckten Katalogs zu Einsparungen bei Druck- und Versandkosten. Angesichts der schwierigen Marktsituation bei alten Büchern und besonders bei dekorativer Grafik ist das auch ein nicht unwesentlicher Grund.


Nach welchen Kriterien haben Sie die Bücher und Grafiken für den gedruckten Katalog ausgewählt?

Im Vorfeld haben meine Mitarbeiter und ich uns zusammengesetzt, um über verschiedene Katalogerscheinungsformen und Auktionsabläufe zu diskutieren. Wir haben uns dann entschieden, exklusive Objekte ab einem Schätzpreis von 1.000 Euro mit ausführlicher Beschreibung zu drucken, davon ausgenommen wurden zum Beispiel Faksimileausgaben, obwohl deren Schätzpreise im vierstelligen Bereich liegen.


Wie sorgen Sie für Aufmerksamkeit für das restliche Auktionsangebot?

Im Onlinekatalog sind, wie gesagt, alle Objekte ausführlich beschrieben und reich illustriert. Die Interessenten wurden und werden in elektronischen Newslettern auf die Veränderungen zwar aufmerksam gemacht, doch können die Nutzer des Onlinekatalogs keinerlei Unterschied zu früher feststellen. Während Vorbesichtigung und Auktion werden alle Objekte wie immer zur Schau gestellt und während der Versteigerung in einer Bilderschau präsentiert.

Außerdem haben wir unseren Onlinekatalog so einrichten lassen, dass Interessenten alle Nummern bequem mit Bildern ausdrucken können. Für Besucher in der Vorbesichtigung legen wir natürlich komplette Katalogausdrucke zur Einsicht bereit.


Neu ist auch eine Abendauktion. Orientiert sich Venator & Hanstein da an Ketterer in Hamburg?

Neben Ketterer veranstalten viele Häuser Abendauktionen mit Spezialsammlungen oder ausgewählten Stücken. Auch wir hatten in den letzten Jahren Abendauktionen. Letztes Jahr hatten wir eine Abendauktion mit einer hochwertigen Grafiksammlung; das Jahr davor hatten wir eine Nachmittagsauktion mit einer Plakatsammlung. Den Termin am Nachmittag oder Abend wählen wir, um Kunden die bequeme Möglichkeit zur persönlichen Auktionsteilnahme zu geben. Außerdem sind dann zum Beispiel amerikanische Telefon- und Livebieter nicht gezwungen, mitten in der Nacht aufzustehen. Damit tragen wir dem Interesse der Bieter Rechnung, hochwertige Stücke immer noch überwiegend persönlich zu ersteigern.

Wie sieht, soweit sich das sagen lässt, aus Ihrer Sicht die Zukunft für den gedruckten Auktionskatalog im Antiquariatsbereich aus?

Ich glaube, dass zukünftig noch mehr Versteigerungshäuser ihre Kataloge verändern oder sogar komplett auf gedruckte Kataloge in der bekannten Form verzichten werden. Für uns ist diese Präsentation im Herbst 2019 in gewissem Sinne auch Neuland: Wir werden unsere Erfahrungen machen und sind frei und offen für Veränderungen.

Fragen: Björn Biester

Die Auktion 155 (Bücher, Grafik und Autographen) findet am 27. September in Köln statt; weitere Informationen (Onlinekatalog, Vorbesichtigung etc.) siehe hier.

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