Wegen kritisierter Marktmacht

Viele Verbraucher kaufen bewusst weniger bei Amazon

Laut einer Umfrage von Statista im Auftrag des Verbraucherforums mydealz.de finden 43,7 Prozent der Bundesbürger Amazons Marktmacht bedenklich. Die Folge: 87,4 Prozent von ihnen kaufen bewusst weniger bei Amazon ein.

Das teilte der Schnäppchen-Blog mydealz mit. Ein weiteres Ergebnis: 67,9 Prozent der Befragten würden die Einführung einer Digitalsteuer nach französischem Vorbild gutheißen.

Junge Verbraucher sehen Amazons Marktmacht besonder kritisch

Der Anteil der Verbraucher, die Amazons Marktmacht nicht problematisch finden, überwiegt nur in einer einzigen Altersgruppe: 45,8 Prozent der Verbraucher im Alter von 35 bis 44 Jahren finden Amazons hohen Marktanteil unbedenklich und nur 42,3 Prozent bedenklich.

In allen anderen Altersgruppen sind die Kritiker in der Mehrzahl: Am stärksten sei der Argwohn bei Verbrauchern im Alter von 16 bis 24 Jahren ausgeprägt. 46,2 Prozent von ihnen finden Amazons Marktmacht bedenklich und nur 39,3 Prozent unbedenklich. Auch unter den 25 bis 34-jährigen finden sich mehr Bedenkenträger (44,4 Prozent) als Verbraucher, die die Situation im Online-Handel nicht problematisch finden (41,7 Prozent).

Ähnlich deutlich falle das Stimmungsbild sonst nur bei älteren Verbrauchern aus. 43,8 Prozent der Konsumenten im Alter von 55 bis 64 Jahren sehen die Konzentration im Online-Handel kritisch, 40,0 Prozent finden sie nicht problematisch. Und von den über 65-jährigen sprechen sich 45,2 Prozent klar gegen Amazons starke Marktposition aus während 39,8 Prozent sie nicht als problematisch empfinden.

Gründe für die Skepsis:

Sieben von zehn Deutschen, die die Marktsituation im deutschen Online-Handel problematisch finden, fürchten, dass Amazon seine starke Position missbraucht:

  • 70,7 Prozent haben Bedenken, dass andere Online-Händler unter Amazons Marktmacht leiden.
  • 68,2 Prozent fürchten für sich selber Nachteile und denken, Amazon könne "die Preise so hoch ansetzen wie sie wollen", wenn der Wettbewerb fehlt.
  • Und 68,0 Prozent – Mehrfachantworten waren bei dieser Frage möglich – gaben bei der Umfrage zu bedenken, ein (zu) starkes Amazon könne Zulieferern die Preise diktieren.

Daran, dass Amazon in Deutschland kaum oder keine Steuern zahlt, stören sich 64,5 Prozent der Verbraucher, die Amazons Marktmacht problematisch finden. 62,5 Prozent von ihnen beanstanden, dass Amazon "kein besonders ethischer Arbeitgeber" sei.

Und rund jeder Zweite fürchtet scheinbar, dass auch er beim Einkaufen bald Abstriche machen muss: 48,1 Prozent der von Statista für mydealz Befragten antworteten: "Als Verbraucher habe ich weniger Auswahl und Möglichkeiten, wenn Händler sterben". 

Wie subjektiv Verbraucher empfinden, werde auch deutlich, wenn man sich ansieht, wieso 40,9 Prozent der Konsumenten Amazons Marktposition nicht als problematisch empfinden. 69,2 Prozent von ihnen erklärten, für sie persönlich ergäben sich keine Nachteile. Sechs von zehn Verbrauchern (60,6 Prozent) – auch hier waren Mehrfachantworten möglich – sehen es pragmatisch und denken, Amazon könne nur dank seiner Größe so ein "gutes Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten". 

Verändertes Einkaufsverhalten: Klassischer Handel reüssiert

Wie sehr sich Amazons Dominanz auch ganz konkret auf das Konsumverhalten auswirkt, zeige ein anderer Teil der Umfrage. Neun von zehn Verbrauchern (87,4 Prozent), die Amazons Marktmacht als problematisch empfinden, haben ihr Einkaufsverhalten bereits entsprechend angepasst. Am stärksten profitiert offenbar der klassische Einzelhandel von diesem Trend: Jeder dritte Verbraucher (33,9 Prozent) kaufe als Reaktion auf Amazons Dominanz "prinzipiell so viel wie möglich im klassischen Handel" und 'nur' jeder Sechste (14,9 Prozent) "prinzipiell so viel wie möglich bei anderen Online-Händlern", so mydealz.

Aber: Nicht alle Verbraucher seien so konsequent, dass sie einen möglichst weiten Bogen um Amazon machen, heißt es weiter. Viele Konsumenten, die Amazons Marktposition bedenklich finden, kaufen nur immer dann bei anderen Händlern ein, wenn sie diese als – zumindest annähernd – gleichwertige Alternative wahrnehmen. Der Preis ist für sie dabei entscheidender als das Angebot und die Lieferzeit. Jeder Fünfte (19,9 Prozent) etwa kauft immer dann bei anderen Händlern ein, wenn der Preis ähnlich günstig ist wie bei Amazon.

Ältere Verbraucher wenden sich konsequenter ab

Je älter Verbraucher sind desto konsequenter wenden sie sich von Amazon ab: Neun von zehn Deutschen im Alter über 65 Jahren (90,7 Prozent), die Amazons starke Marktposition bedenklich finden, lassen sich hiervon in ihrem Einkaufsverhalten beeinflussen. 43,5 Prozent von ihnen kaufen so viel wie möglich im klassischen Handel ein und 14,8 Prozent so viel wie möglich bei anderen Online-Händlern.

Von den 16 bis 24-jährigen dagegen, die Amazons Marktmacht kritisch sehen, lassen sich 77,8 Prozent in ihrem Einkaufsverhalten beeinflussen. 3,7 Prozent von ihnen kaufen so viel wie möglich bei anderen Online-Shops ein, aber jeder Dritte (29,6 Prozent) so viel möglich im klassischen Handel.

Zur Studie

Die Aussagen basieren auf einer Umfrage, die das Marktforschungsunternehmen Statista im Auftrag des Verbraucherforums mydealz.de im September 2019 durchgeführt hat − unter 1.000 Verbrauchern. Gearbeitet wurde mit einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe, die mittels fester Quoten bezüglich des Geschlechts, Alters und der Region gebildet wurde.

Die komplette Pressemitteilung − mit den Antworten zu Kundenbewertungen − findet sich hier.

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3 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Heike Carstensen

    Heike Carstensen

    Bei Amazon hat man wohl gemerkt, dass Image und öffentliche Wahrnehmung besser sein könnten. Warum sonst inszeniert man sich wohl in fernsehwerbsspots als Super-Arbeitgeber, für den die Beschäftigten gernen lebenslang Pakete packen wollen?

  • Frank Bruns

    Frank Bruns

    Die Endkunden sind Amazon skeptischer gegenüber. Das ist gut. Das gute Image der Stiftung Lesen wird währenddessen weiterhin vom Online-Riesen genutzt. Ganz aktuell in der Kapagne für "Der neue Kindle Kids Edition – mit Zugriff auf mehr als tausend Bücher, blaue Hülle".

    https://www.amazon.de/gp/product/B07NMXL67J?pf_rd_ p=671e72bc-8864-4ab6-8ef7-60da5d6ead8c&pf_rd_r =ZQTSW4VN7F6XNE9V1FQD

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Wir (isb-Fachverlag für den Lese- und Rechtschreiberwerb) ärgern uns immer maßlos und leider allzu oft über *AmaZorn. Häufig sind unsere Titel dort nicht lieferbar, es werden alte Auflagen nicht aktualisiert und niemand ist erreichbar, um fehlerhafte oder veraltete Angaben zu korrigieren. Man kommt sich vor wie im Roman von Kafka "Das Schloss". Ehrlich gesagt, ich kann es nicht verstehen, warum so viele immer noch dort bestellen.

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