Kurt Wolff Stiftung appelliert an Buchhandlungen und Leser

"Lassen Sie sich nicht beirren!"

"Weihnachtssorgen der Verlage" ist ein Appell der Kurt Wolff Stiftung überschrieben, in der es um die Sichtbarkeit von Verlagstiteln im Buchhandel geht. Diese sei beeinträchtigt, da Zwischenhändler die Sortimentstiefe eingeschränkt hätten. Buchhandlungen und Leser sollten sich aber nicht beirren lassen: Buchhandlungen könnten jedes lieferbare Buch besorgen.

Der KWS-Vorstand (v.l.): Jörg Sundermeier, Britta Jürgs und Leif Greinus

Der KWS-Vorstand (v.l.): Jörg Sundermeier, Britta Jürgs und Leif Greinus © KWS

Im Wortlaut heißt es in dem Appell, der vom Vorstand der Kurt Wolff Stiftung unterzeichnet ist:

"Eigentlich ist der Winter eine großartige Zeit für Verlage – und für den ganzen Buchhandel. In den kalten Tagen und insbesondere zu den Feiertagen wird ein Großteil der Jahresumsätze gemacht.
Doch in diesem Jahr ist die Freude aufseiten der Verlage getrübt – alle Verlage, ob groß, ob klein und unabhängig von der Weltanschauung, haben in diesem Jahr das Problem, dass die Buchhandelszwischenhändler ihre Sortimentstiefe stark eingeschränkt haben. Der Anbieter KNV ist Anfang des Jahres in Konkurs gegangen, aus dem er von der Firma Zeitfracht gerettet wurde, doch das Angebot ist noch immer eingeschränkter als vor zwölf Monaten. Der Anbieter Libri hat seinen Titelbestand um 250.000 Titel gekürzt.

Diese Titel tauchen nun auch bei vielen Onlineanbietern und auch in manchen Sortimenten nicht mehr auf, und in allen Verlagen klingeln nun allenthalben die Telefone, da verunsicherte Buchhändlerinnen und Buchhändler fragen, ob denn das Buch noch lieferbar sei – oder überhaupt existiere.

Das alles senkt die (in der Regel am Verkauf bemessenen) Honorare der Autorinnen und Autoren, es gefährdet kleinste Verlage in ihrer Existenz, aber auch größere Häuser sehen den Ernst der Lage – Bände aus fortlaufenden Werkausgaben sind plötzlich nicht mehr gefragt, ein Lyrikband einer Klassikerin gilt als nicht mehr bestellbar, ein wichtiges Sach- oder Fachbuch ist quasi unverkäuflich geworden. Und diese Bücher gelten damit als vergriffen!

Das wiederum gefährdet die Bibliodiversität, die kulturelle Vielfalt auf dem Buchmarkt.

Daher rufen wir hiermit alle Buchhandlungen und alle Leserinnen und Leser auf – lassen Sie sich nicht beirren! Informieren Sie sich auf den Websites der Verlage oder im Verzeichnis lieferbarer Bücher (www.buchhandel.de). Denn jede gute Buchhandlung wird jedes lieferbare Buch besorgen. Und sie wird es sehr gern tun – denn dem ganzen Buchmarkt ist daran gelegen, dass die Vielfalt der Buchwelt erhalten bleibt.

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6 Kommentar/e

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  • Christian Reichenbach

    Christian Reichenbach

    Den unabhängigen Buchhändlern kann nur mit Nachdruck empfohlen werden, sich in ihrem Sortiment zu differenzieren, anstatt sich blind auf die Vorschläge großer Marktteilnehmer zu verlassen. Ansonsten werden sie den Wettbewerb mit den Filiabuchhandlungen verlieren.
    Nutzen Sie bitte VLB und VLB-Tix, um thematisch die Titel zu finden, die zu Ihnen und Ihren Kunden passen. Lassen Sie sich nicht durch Werbe- und Marketingaktionen oder gesponserte Feuilletons blenden, die Ihnen suggerieren wollen, dass gerade nur die Werke von Autorin X aus Verlag Y wichtig und lesenswert sind. Das Angebot ist viel reichhaltiger und bunter. Ihre Kundschaft wird es Ihnen danken.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Beim ersten Lesen des Beitrags fragte ich mich fast noch, ob dies nun frei nach Grabbe Scherz, Satire, Ironie sei. Buchhändler, die zwischen ausgelistet oder vergriffen nicht mehr unterscheiden können? Buchhändler, die kein VLB nutzen? Buchhändler, die noch nicht einmal auf die Idee kommen, auf buchhandel.de oder anderswo nachzuschauen? Buchhändler, die also ihr einfachstes Handwerkszeug nicht mehr beherrschen?

    Wenn die saubere Recherche am Geld (VLB) scheitert – ist schlimm! Wenn die saubere Recherche selbst beim „kostenfreien“ Internet aufgrund eigenen Unvermögens scheitert – ist schlimmer!

    Und wenn es dem Sortimentsbuchhandel am Mut und der Traute zur Entdeckung wirklich neuer, abseitiger, einfach anderer oder teils schräg anderer Dinge mangelt, dann sollten sich einige Gedanken drüber machen, warum es SORTIMENTER, also Sortimentsbuchhändler heißt. Denn es klafft ein großer Unterschied zwischen dem „Verwalten“ von Bestsellern und der Neugierde auf Neues – und dieser Unterschied lässt sich nicht nur kaufmännisch begründen.

    Bei Asterix sagt der schwerpigmentierte Pirat aus dem Ausguck an irgendeiner Stelle des Untergangs (aus der Erinnerung frei zitiert): „O tempo´a, o mo´es“! Offensichtlich hat der selbst im Untergang die Übersicht behalten…
    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße - Köln

  • Thomas C. Cubasch

    Thomas C. Cubasch

    Schlag nach bei Amazon - das gibt's wirklich!

    Wer im Buchhandel meint, sich die Recherche via VLB ersparen zu wollen ist wirklich schlecht beraten. Für die "Sparer am falschen Platz" existiert immerhin dankenswerter Weise https://www.buchhandel.de/suche.

    Ich selbst musste allerdings des öfteren von enttäuschten Privaten erfahren, dass bei einem Titel, der es innerhalb von vier Jahren immerhin zu drei Auflagen mit je 1000 Büchern geschafft hatte, Buchhändler behaupteten, dieses Buch sei nicht lieferbar. Meine Auslieferung riet mir, die entsprechenden Buchhandlungen daraufhin anzurufen und mich zu erkundigen, wie es denn zu so einer mangelhaften Auskunft kommen könne - und die Antwort am Telefon war dann häufig: "Das Buch ist bei Amazon ja nicht aufgeführt!"

  • Rolf Piotrowski

    Rolf Piotrowski

    Guten Tag,

    es mag sein, dass jede stationäre Buchhandlung jedes Buch bestellen kann. Aber hat jede Buchhandlung noch Interesse daran, neben überteuerten pseudo-kunsthandwerklichen Artikeln, Essigen und Ölen,Tee usw. dies zu tun?
    Meine beiden Romane wurden schon in den Bestell-Internetseiten des Buchhandels fehlerhaft dargestellt. Und nicht gefunden.
    Das "große A" hingegen hat das mühelos geschafft und unterbietet zudem auch die Lieferzeiten.
    Ich erlebe es so, als sähe der stationäre Buchhandel seinem endgültigen Aus mit großer Gelassenheit entgegen und verpasse auch keine Gelegenheit, diesen Vorgang zu beschleunigen.
    Sehr bedauerlich aber unausweichlich und für mich völlig verständlich.

  • Ein klassischer Buchhändler

    Ein klassischer Buchhändler

    Sehr geehrter Herr Piotrowski,
    der Praxistest ergibt: Ihre Bücher sind in den Barsortimenten (sowie Amazon) einwandfrei gelistet. Amazon listet die vergriffenen Bände sogar zuerst auf, im Gegensatz zu den Barsortimenten!
    Es ist vielleicht nicht die beste Idee, unübliche Schriftzeichen wie ein gespiegeltes e in den Titel zu setzen - das findet dann natürlich niemand, und je nachdem welcher Zeichensatz verwendet wird, wird es auch fehlerhaft dargestellt. Vielleicht denken Sie darüber noch ein bisschen nach, ehe Sie den Untergang des Buchhandels einläuten möchten.

  • Rolf Piotrowski

    Rolf Piotrowski

    Guten Abend,

    ja, das war eine blöde Idee von mir mit dem gespiegelten "e". Das ist mir auch klar geworden. Aber es soll die Andersartigkeit meines Protagonisten darstellen.
    (Bei Amazon kriegen sie es hin...)
    Etliche Buchhandlungen nehmen schon keine Einzelbestellungen mehr an, auch wenn "Bent" gefunden wird, obschon der lokale Buchhandel genau damit punkten könnte.
    Ich will keinesfalls den Untergang des Buchhandels einläuten. Ich vermisse sogar "meine" Buchhandlung in Jülich, die neulich von Thalia geschluckt wurde.
    Aber: Danke für Ihren ehrlichen Kommentar!
    LG; Rolf Piotrowski

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