Branchen-Monitor Buch Kalenderwoche 50

Der Vorsprung schmilzt

Die Woche nach dem zweiten Advent war für den Buchhandel wenig erfreulich. Alle Vertriebswege gemeinsam schließen mit einem Minus von 8,7 Prozent ab, das Sortiment verfehlt das Vorjahresniveau sogar um 9,9 Prozent. Details aus dem Handelspanel von Media Control. CHRISTINA SCHULTE

Starker Regen und Sturmböen haben vielen Einzelhändlern die Woche vor dem dritten Advent sowie das dazugehörige Wochenende vermasselt. Der Handelsverband Deutschland meldete für den Innenstadthandel "schwächere Besucherzahlen". Dieser Trend spiegelt sich auch in Zahlen des Handelspanels von Media Control für die Kalenderwoche 50 wider. Über alle Vertriebswege hinweg sanken die Einnahmen im Buchhandel um 8,7 Prozent – nach zwei Adventswochen mit roten Zahlen ist dies nun schon die dritte Woche, in der die Vorjahresumsätze verfehlt wurden. Das Ergebnis: Das bisherige Weihnachtsgeschäft bleibt um 5,7 Prozent hinter dem Level von 2018 zurück.

Zunächst zur Zusammenschau aller Absatzkanäle: Durch die Bank dominierten in der 50. Kalenderwoche die Minus­zeichen. Bei Hard- und Softcovern blieb der Zähler mit minus 9,2 Prozent gerade noch im einstelligen Bereich, etwas besser lief es für die Taschenbücher, die lediglich um 5,3 Prozent abgesackt sind. In den Warengruppen finden sich gleich drei Kandidaten, die zweistellig verloren haben: In der Belletristik schlug ein Minus von 11,3 Prozent zu Buche, im Segment Naturwissenschaften, Medizin, Informatik und Technik gab der Umsatz um zwölf Prozent nach – und die Sachbücher, die 2018 besonders gut abgeschnitten hatten, rutschten um 11,4 Prozent ab. Ein Blick auf den Absatz (minus 9,5 Prozent) erklärt die Zahlen – da konnte selbst die Preissteigerung von 0,9 Prozent kaum etwas ausrichten.

Der stationäre Buchhandel schnitt in der vergangenen Woche noch etwas schlechter ab und musste ein Minus von 9,9 Prozent verkraften. Die Einnahmen mit Hard- und Softcovern fielen um 11,5 Prozent, ­Taschenbücher verloren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4,7 Prozent ihrer Umsätze. Bei den Warengruppen litten die Belletristik (minus 11,5 Prozent) und die Sachbücher (minus 11,9 Prozent) besonders. Das Resümee nach drei Advents­wochen lautet im Sortiment: minus 6,6 Prozent. Der Buchhandel kann also nur auf eine Aufholjagd an den letzten Tagen vor dem Fest hoffen, um das Vorzeichen vor der Jahresbilanz noch zu drehen. Immerhin war das Sortiment per Ende November mit einem kumulierten Vorsprung von 1,5 Prozent ins Rennen gegangen (alle Vertriebswege sogar mit plus 2,2 Prozent).

Bei einer Börsenblatt-Umfrage unter Buchhändlern fiel die ­Bilanz der 50. Woche sehr unterschiedlich aus:

Christine Friedlein

Christine Friedlein © privat

Christine Friedlein, Buchhandlung Friedrich, Kulmbach:

 "Das Wochenende ist bei uns ganz schlecht gelaufen, etwa 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Das war enttäuschend, lag aber auch am sehr schlechten Wetter mit reichlich Regen. Die vergangene Woche war dagegen etwa auf dem Vorjahresniveau. Die Stimmung der Kunden ist insgesamt gut. Besonders gefragt sind die Taschenbuchausgabe von Frida Kahlo, das Snowden-Buch und vor allem Michelle Obama. Dazu kommen die Bücher aus dem Mareverlag, da gibt es bei uns ein Sonderfenster."

Helga Bastuck, Buchhandlung Bastuck, St. Wendel:

 "Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäft am vergangenen Wochenende. Unsere Kunden sind sehr entspannt und kaufen Titel quer durch unser Sortiment. Stark ist aktuell das Sachbuch. Jetzt werden die Kundenwünsch auch spezieller als zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben. Gefragt sind bei uns vor allem Bücher aus dem Spannungsbereich von Autoren wie Fitzek, Nesbø und Adler-Olsen. Dazu hatten wir einen tollen Bücherherbst, der bis jetzt noch seine Wirkung zeigt."

Ludger Derrix

Ludger Derrix © Sabine Schmidt

Ludger Derrix, Bücherkoffer Derrix, Geldern:

 "Insgesamt zieht das Weihnachtsgeschäft immer später an. Wir bewegen uns da beim Umsatz etwa auf Vorjahresniveau. Die Stimmung bei den Kunden ist gut. Viele kommen schon mit genauen Titelwünschen in den Laden, entdecken dann aber in den Regalen doch noch etwas Neues. Da stimmt es auch mit der Kauflaune. Das Sachbuch ist in diesem Jahr etwas stärker, bei der Belletristik ist es ungefähr gleich und beim Kinderbuch etwas schwächer. Starke Titel sind aktuell das Nowitzky-Buch und Ulrich Tukur bei den Romanen."

Manfred Keiper

Manfred Keiper © andere buchhandlung

Manfred Keiper, Die andere Buchhandlung, Rostock:

 "Wir sind mit dem Weihnachtsgeschäft absolut glücklich, der Umsatz ist entsprechend besser als im Vorjahr. Die Leute kommen mit ihren Wünschen, weil sie wissen, dass wir einen exzellenten Besorgungsservice bieten, das hält viele Kunden bei uns. Man flaniert aber auch durch Geschäft und lässt sich überraschen. Insofern sind wir bester Laune, die Erweiterung des Ladens in diesem Jahr hat sich bezahlt gemacht. Gefragt sind vor allem Regionalia wie ein Kinderbuch über Rostock und 'Lütten Klein' von Steffen Mau."

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