Katrin Schmidt über die Zukunft des Einzelhandels

Einzelhandel ist was wert

Was braucht das stationäre Sortiment, damit die Händler zuversichtlich in die Zukunft blicken können? In erster Linie begeisterten Nachwuchs, meint Buchhändlerin Katrin Schmidt.

Katrin Schmidt, Buchhandlung Lesezeichen in Germering

Katrin Schmidt, Buchhandlung Lesezeichen in Germering © Buchhandlung Lesezeichen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat kürzlich elf Thesen für die Politik zur Rettung des Einzelhandels vorgelegt. Es geht primär um die Verankerung eines Grundverständnisses in der Politik für die Bedürfnisse des stationären Handels.

Das ist wichtig, denn die vielfältigen Aktivitäten des regionalen Handels dürften, bei allen Anstrengungen, nicht ausreichen, um schwindender Frequenz, Leerständen und überteuerten Mieten entgegenzuwirken. In meiner Stadt zum Beispiel kämpfen wir zudem gegen die Kaufkraftabflüsse in die Innenstadt – München ist halt nicht weit.  

Politik, vor allem Kommunalpolitik, kann aber oft nur begrenzt eingreifen. Schließlich sind die meisten Gewerbe­flächen in den Innenstädten nicht im Besitz der Kommunen. Und für deren Erwerb fehlt meist das notwendige Budget, da die kommunalen Pflichtaufgaben – also Aufgaben, die eine Gemeinde per Gesetz wahrnehmen muss und wofür sie auch die finanzielle Verantwortung trägt – dies nahezu vollständig für sich beanspruchen.

Politischer Wille allein genügt nicht, um die Zukunft des stationären Einzelhandels zu sichern. Deswegen würde ich die Forderungen des HDE gern ergänzen: Nicht nur, dass immer mehr Bürokratie und Regularien (Datenschutzgrundverordnung, Bonpflicht) den Handel ständig vor neue Herausforderungen stellen. Wir haben ein viel dringlicheres Problem: Uns fehlt der Nachwuchs, die Fachkräfte gehen uns aus. Es muss dringend branchenübergreifend gelingen, das Image einer Ausbildung im Einzelhandel bei den jungen Leuten zu verbessern! Denn mittelfristig werden uns Mitarbeiter in Handel und Handwerk fehlen. Das führt dazu, dass noch mehr Geschäfte in den Innenstädten schließen, weil die Inhaber keine geeigneten Nachfolger finden.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber ich mag meinen Beruf. Ich liebe es, Menschen mit tollen Büchern für fast alle Lebenslagen glücklich zu machen. Und ich bin meine eigene Chefin. Wir im Handel kennen unsere Produkte, wir beschäftigen uns mit dem, was wir täglich verkaufen. Wir sind Expertinnen und Experten auf unserem Gebiet. Wir teilen unser Wissen gern. Wir haben unsere eigenen Geschäfte aufgebaut, ernähren davon unsere Familien, schaffen Arbeitsplätze, ­tragen Verantwortung – und nicht zu vergessen: Uns macht ­unser Beruf Spaß!

Deshalb frage ich mich: Wenn ich tolle Praktikanten habe, denen ich einen Ausbildungsplatz anbiete – warum höre ich dann so oft, dass die Eltern es lieber hätten, "wenn das Kind studiert"? Warum soll eine Ausbildung im Handel heute nichts mehr wert sein?

Ich glaube nicht, dass es künftig keinen Einzelhandel mehr geben wird. Ich weiß, dass der Buchhandel – im Vergleich zum restlichen Einzelhandel – viel besser für die Zukunft aufgestellt ist. Unsere Onlineshops, Click & Collect, die vielen Aktionen und Veranstaltungen ... die Services der Branche sind vielfältig und kreativ. Und um dies nach außen zu kommunizieren, braucht es die gesamte Branche. Autoren, Verlage, Händler. Lassen Sie uns unsere Qualitäten gemeinsam mit Nachdruck und selbstbewusst nach außen tragen – das hilft dem gesam­ten stationären Handel. Und zeigt der Politik, dass sich die Unterstützung lohnt.

Katrin Schmidt ist Inhaberin der Buchhandlung Lesezeichen in Germering und sitzt dort für die CSU im Stadtrat. 

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2 Kommentar/e

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  • Peter.

    Peter.

    Warum soll eine Ausbildung im Handel heute nichts mehr wert sein? Vielleicht weil es meistens nur noch befristete und Minijobs, mit Mindestlöhne gibt.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich habe mich letztes Jahr nach längerer Zeit wieder mit dem Berufsbild und den Ausbildungsinhalten beschäftigt, und ich war positiv überrascht. Eine Ausbildung im Buchhandlung muss ja nicht in eine Lebenszeitstellung münden, wie das vielleicht früher war. Aber mit den erneuerten Inhalten hätte ich keine Bedenken, einen jungen Menschen Sortimenter werden zu lassen. Dass die Eltern immer meinen, ein BWL-Bachelor sei wertiger als eine kaufmännische Ausbildung im dualen System, das ist vielleicht auch systembedingte Verirrung. In den Schulen und Berufsberatungen arbeiten Akademiker. Die raten natürlich erstmal zu ihren eigenen Karrierewegen. Dagegen muss man an; das stimmt schon.

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