Investor für Zukunftslösung gesucht

Biker-Verlag Huber ist insolvent

Der Huber Verlag, spezialisiert auf die Motorrad- und Tattoo-Szene, hat am 4. Februar beim Amtsgericht Mannheim einen Insolvenzantrag gestellt. Inzwischen wurde Rechtsanwalt Tobias Wahl (anchor Rechtsanwälte) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ziel ist eine nachhaltige Sanierung.

Events für die Zielgruppe des Huber Verlags: Ein Treffen für Freunde umgebauter Motorräder

Events für die Zielgruppe des Huber Verlags: Ein Treffen für Freunde umgebauter Motorräder © Huber Verlag / Custom Summer Days

Der Huber Verlag mit Sitz in Mannheim beschäftigt rund 50 festangestellte und über 100 freie Mitarbeiter in Redaktion, Grafik, Fotoshooting, Marketing, IT, Anzeigen- und Eventabteilung sowie auf der E-Commerce-Plattform szeneshop.com. Das Amtsgericht Mannheim hat am 6. Februar Rechtsanwalt Tobias Wahl (Wahl ist auch Insolvenzverwalter der KNV Gruppe; siehe Archiv) von der Kanzlei anchor Rechtsanwälte aus Mannheim zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Wahl und sein Team verschaffen sich derzeit ein umfassendes Bild über die wirtschaftliche Lage vor Ort, um eine nachhaltige Sanierung und langfristige Zukunftslösung des 1980 gegründeten Verlags zu ermöglichen. Das geht aus der Presseinformation des Insolvenzverwalters hervor.
 
Geschäftsbetrieb läuft weiter

Weil ihm, so der Gründer Günther Brecht, im Jahr 1980 alle Rockerclubs Deutschlands 36 Mark für ein Jahres-Abo geschickt hatten, sei er damals gezwungen gewesen, nun auch ein Heft, die 'Bikers News' zu erstellen. Das sei die Geburtsstunde des Huber Verlags gewesen, der inzwischen in seinem 40-jährigen Bestehen, zu einer festen Größe mit vielen Aktivitäten herangewachsen sei.      

Trotz der Insolvenz laufen die Herstellung der in der Szene bekannten Zeitschriften wie "Bikers News", "Custombike", "Dream-Machines", "TätowierMagazin" und "Tattoo Erotica" sowie die Herstellung der Bücher über außergewöhnliche Motorräder uneingeschränkt weiter, heißt es weiter.

Auch der Onlinehandel szeneshop.com, der inzwischen rund ein Viertel zum Umsatz des Verlages mit Szene-Kleidung und Accessoires beiträgt, laufe ohne Unterbrechungen weiter. Aktiv ist der Huber Verlag auch im Eventbereich. Er organisiert jährlich die "Custombike-Show", die weltweit größte Messe für umgebaute Motorräder in Bad Salzuflen und die "Custombike Summer Days" in Mannheim. Zwei Veranstaltungen, die zudem ein Show- und Actionprogramm bieten.    
 
Fortführung und Sanierung angestrebt
 
"Es gibt eine große und treue Fangemeinde und daher auch einen entsprechenden Bedarf an den Produkten und Leistungen des Huber Verlags. Daher sehe ich durchaus Chancen für eine Sanierung und Fortführung", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl. Mit Hilfe eines neuen Investors, der bereit wäre, frisches Geld mit einzubringen, könnte der Neustart gelingen, so Wahl. Das Geschäftsmodell an sich sei attraktiv für Interessenten. Ziel sei der Verkauf an einen neuen Investor im Rahmen einer übertragenden Sanierung und der Erhalt des Verlags als Hort für Kreativität und Szenedenken sowie möglichst vieler Arbeitsplätze. Zu diesem Zweck wird der vorläufige Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen Gespräche mit Gläubigern, Banken und potentiellen Investoren führen.
 
Löhne und Gehälter durch Insolvenzgeld gesichert
 
Die Mitarbeiter wurden auf einer Betriebsversammlung über die Insolvenz und die weiteren Schritte informiert. Die Löhne und Gehälter der rund 50 Beschäftigten sind bis Ende April durch das Insolvenzgeld gesichert. Rechtsanwalt Tobias Wahl hat bereits die notwendigen Maßnahmen für eine Insolvenzgeldvorfinanzierung bei der Agentur für Arbeit in Mannheim in die Wege geleitet.  

Gründe für die Insolvenz
 
Der in der gesamten Zeitschriftenbranche merkliche Rückgang der Erlöse und das generell stark rückläufige Anzeigengeschäft im Printbereich hatten auch dem Huber Verlag zugesetzt. Geschäftsführer Nico Imhof hatte darauf mit digitalen Erlösquellen wie readly, Magazin-Apps, kostenpflichtigem Onlineinhalten, der Stockphoto-Internetseite motorinkmedia.com sowie moderaten Preiserhöhungen und Kosteneinsparungen gegengesteuert.

Für 2020 ist eine weitere Messe, die "Tattoomea" in München geplant. Trotz des stark wachsenden Geschäfts bei den digitalen Produkten konnten die Kosten auf der Ausgabenseite jedoch nicht aufgefangen werden. Daher war die Geschäftsführung letztlich gezwungen, einen Insolvenzantrag zu stellen.

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2 Kommentar/e

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  • Jens

    Jens

    Was den Bereich „Tätowierung“ anbelangt, darf sicherlich auch der massive Relevanzverlust durch Social Media, vor allem Instagram, nicht außer Acht gelassen werden. Das Tätowiermagazin war bis etwa 2015 die einzige Instanz in der deutschen Tattooszene. Die Redakteure haben entschieden, welche Tätowierer angesagt waren und welcher Stil in war. Die Fotografen der Zeitschrift wurden auf jeder Tattoomesse hofiert, ein entsprechender Artikel konnte den Kalender eines Tätowierers auf Jahre füllen. Die jährliche Wahl zum Tätowier-Newcomer des Jahres hat ganze Karrieren ermöglicht. So wurde etwa Randy Engelhard, Finalist vor über 15 Jahren, zum internationalen Star mit eigenen Messen, eigenem Merchandise und etlichen Fernsehauftritten. Die Sieger der Jahre 15 und 16 wurden immerhin noch zu etablierten Szenegrößen. Die zehn Finalisten des Jahres 2019 hat jedoch keiner mehr wahrgenommen, weil das Tätowiermagazin seine Gatekeeper-Funktion in den letzten 5 Jahren schleichend an Instagram abgegeben hat. Tätowierer präsentieren sich dort jetzt in Bild und Video selbst, betreiben Markenbildung, Kuration und Kontaktpflege in Eigenregie. Und potentielle Kunden, die eh Zeit auf der Plattform verbringen, finden sie dort und vereinbaren über die Nachrichtenfunktion direkt einen Termin. Dabei ist die Auswahl größer, aktueller, nahbarer und präziser als es ein Magazin je darstellen könnte. Wer etwa heute Beispielbilder zu einem Löwentattoo sucht, muss auf Instagram nur das Schlagwort #liontattoo bemühen und findet sofort abertausende Treffer mit direkter Kontaktmöglichkeit zum Künstler. Früher musste er hoffen, dass das Tätowiermagazin irgendwann mal einen Artikel über Löwentattoos bringt. Diese Form des doppelten Relevanzverlusts bei den zwei entscheidenden Zielgruppen, nämlich Kunden von Tattoos und Produzenten von Tattoos, lässt sich nicht mehr umkehren. Sie lässt sich nur als mahnendes Beispiel nehmen für jeden Printler, der Kuration und Showcasing in einer Nische betreibt: ohne ausgereifte Social-Media-Strategie, die die Deutungshoheit über die eigene Nische verteidigt, droht der Untergang.

  • Maria

    Maria

    Tatsächlich ist diese Neuigkeit keine große Überraschung. Nachdem vor allem das Tätowiermagazin den Anschluss an die Digitalisierung, sowie moderne Online Magazine wie feelfarbig.com verpasst hat, musste es ja darauf hinaus laufen. Im letzten Jahr versuchten sie ja sogar das genannte Magazin 1zu1 zu kopieren, anstatt eigene Ideen zu kreieren. Dadurch verloren sie schon viele Leser und vor allem Glaubwürdigkeit.

    Eine Sanierung ist meinen Augen völlig sinnlos - da hätte man vor Jahren ansetzen müssen. Mittlerweile ist der Online-Zug schon zwölf Bahnhöfe weiter.

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