Jean-Améry-Preis an Ivan Krastev

"Akribischer Denker jenseits des Phrasenhaften"

Der Verlag Klett-Cotta und die Allianz Kulturstiftung verleihen den diesjährigen Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik an den Philosophen und Publizisten Ivan Krastev. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Ivan Krastev

Ivan Krastev © IWM

Hier die Begründung der Jury unter Vorsitz von Robert Menasse:

„Die Klarheit des Denkens gegen die Verabredungen der Zeit: Das ist es unter anderem, was Ivan Krastev mit Jean Améry gemeinsam hat. Krastev untergräbt in seinen Annäherungen an unsere Gegenwart diskursive Oberflächen, um ganz im Sinne des Jean Améryschen Aufklärungsbegriffs das Augenmerk darauf zu richten, was verdrängt wird und nicht wieder gut zu machen ist, umso mehr aber bedacht gehört. Er untersucht in seinem Werk akribisch die Frage, was Demokratie und Liberalismus jenseits des Phrasenhaften bedeuten, und macht deutlich, dass ihre Tragfähigkeit nur dann gegeben ist, wenn immer wieder aufs Neue verstanden wird, dass Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist.“

Esra Küçük, Geschäftsführerin der Allianz Kulturstiftung, sagt zum Preis: „Der Essay als Versuch, den Herausforderungen unserer Zeit mit einer literarischen Form zu begegnen – und so Denkanstöße für einen Gedanken- und Meinungsaustausch zu geben -, ist wichtiger denn je.“

Die weiteren Jurymitglieder sind der Autor und Historiker Philipp Blom, die Schriftstellerin Ulrike Draesner, die Literaturkritikerin Katja Gasser, der Verleger und Lyriker Michael Krüger sowie der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle.

Die Preisverleihung findet am 4. Mai 2020 um 18:30 Uhr im Maxim Gorki Theater in Berlin statt. Im Anschluss an die Preisverleihung wird Ivan Krastev im Rahmen der Diskussionsreihe „Berliner Korrespondenzen“ mit der Philosophin Susan Neiman im Gespräch sein. 

Zum Preisträger:

Ivan Krastev, geboren 1965 im bulgarischen Lukovit, ist Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Er ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR) und schreibt seit 2015 regelmäßig Analysen für die internationale Ausgabe der „New York Times“. In deutscher Übersetzung erschienen bislang u.a. Europadämmerung. Ein Essay (Suhrkamp, 2017) und zusammen mit Stephen Holmes „Das Licht, das erlosch“ (Ullstein, 2019). 

Zum Jean-Améry-Preis:

Die zur Erinnerung an Jean Améry gestiftete Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des zeitkritischen Essays wird alle zwei Jahre vergeben. Der Preis soll das öffentliche Interesse an aktuellen Themen und Formen der Essayistik stärken und den gesellschaftlichen Diskurs fördern.

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