Monika Kolb über digitales Lernen am mediacampus frankfurt

"Wir testen viel aus - und sind gut vorbereitet"

Videos, Webinare, Lernquiz-App: Der mediacampus frankfurt setzt auch auf digitale Tools, um die Branche zu schulen. Geschäftsführerin Monika Kolb über die Vorteile des Virtuellen in Corona-Zeiten – und Fördergelder aus dem Digitalpakt.

Monika Kolb

Monika Kolb © mediacampus frankfurt

Über den Digitalpakt sollen 5,5 Milliarden Euro in die Bildungsstruktur fließen – und das Digitale Lernen an den Schulen fördern. Kann davon auch der mediacampus frankfurt profitieren? Sind Fördermittel beantragt?

Ja, als staatlich anerkannte Privatschule mit besonderer pädagogischer Prägung steht auch uns ein gewisser Betrag zur Verfügung. Ziel des Digitalpakts ist die Förderung digitaler Kompetenzen. Vor allem im internationalen Bereich hat Deutschland da den Anschluss verloren. Dabei geht es nicht darum, Schulen vollkommen zu digitalisieren, sondern dort wo es sinnvoll ist und einen echten Mehrwert bringt, technische Strukturen und mediale Lernmedien einzusetzen und auf diesem Weg einen selbstverständlichen Umgang mit digitalen Instrumenten zu fördern. Wie hilfreich das sein kann, zeigt die aktuelle Corona-Krise. Schulen, die digital gut aufgestellt sind, können Unterrichtsausfälle online abfedern.

Ist denn der mediacampus für die derzeitige Lage und eventuelle Schulschließungen in Hessen gerüstet?

Ja, für den Fall der Fälle stellen wir den gesamten Berufsschulunterricht für alle Mittel- und Oberstufen sowie die Prüfungsvorbereitung und die Fachwirt- und Seminarinhalte mittels einer professionellen E-Learning-Lösung vollumfänglich sicher. Ausnahmslos alle Dozent*innen bereiten sich mit Leidenschaft und Professionalität auf eine begleitete oder ausschließliche E-Learning-Unterrichtsform vor (mehr dazu hier).

Am mediacampus lernen Auszubildende aus ganz Deutschland im Blockunterricht. Welche Chancen liegen im Digitalen Lernen für die zentrale Ausbildungsstätte der Branche - ganz unabhängig vom Corona-Virus?

In Kombination von digitalem und Präsenzlernen können wir den verschiedenen Lerntypen und Lernniveaus unserer Auszubildenden viel besser gerecht werden. Wir erweitern unser pädagogisches und methodisches Setting und schaffen einen neuen Vernetzungscharakter, zum Beispiel kann digital die Zeit vor oder zwischen zwei Berufsschulblöcken zum Wiederholen und Aktualisieren des Lernstoffes, aber auch zum leichteren Austausch zwischen Auszubildenden und Lehrkräften genutzt werden. Die Lernvideos schaffen dann die Brücke zum Präsenzunterricht und können in zeitlich überschaubaren Sequenzen verwenden werden: So lässt sich die morgendliche S-Bahn-Fahrt oder die Zeit zwischen zwei Terminen fürs Lernen nutzen.

Welche Tools setzen Sie bereits ein? Und welche haben sich besonders bewährt?

Moodle, unsere Lernplattform, nutzen wir schon seit Jahren. Sie erfährt nun einen Relaunch, damit sie sich noch intuitiver bedienen lässt und der Kontakt zu Mitlernenden leichter wird. Webinare und Lernvideos ergänzen ebenfalls seit einiger Zeit unsere Präsenzfortbildungen, seit kurzem auch im offenen Seminarprogramm. Mit beidem haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, vor allem wenn sie in einen Themenbereich eingebettet sind und stets eine Kontakt- und Vertiefungsmöglichkeit besteht.

Sollte nicht gerade eine Ausbildungsstätte für den Buchhandel das gute alte gedruckte Lehrbuch in Ehren halten?

Das gedruckte Wissen hat sich bewährt und wir wollen gut Bewährtes nicht ersetzen. Es wird weiterhin unsere Schulbuchbibliothek geben, in der sich die Auszubildenden ihre Schulbücher für den Neun-Wochen-Block ausleihen können. Die Frage, die wir uns nun stellen: An welchen inhaltlichen Punkten macht eine Ergänzung durch digitale Inhalte Sinn und bringt einen Mehrwert für Lernende und Ausbildungsbetriebe?

Gibt es auch digitale Instrumente, die Sie wieder verworfen haben?

Diese Quote versuchen wir so gering wie möglich zu halten, probieren deshalb vorher viel aus, zum Beispiel mit Testlizenzen oder der Anschaffung eines einzelnen Smartboards, und entscheiden erst nach einer gewissen Testzeit. In unserer internen Arbeit haben wir einige digitale Einzeltools wieder verworfen und arbeiten nun mit einer technischen Gesamtlösung.

Vor allem im Buchhandel ist die Zeit für Fortbildungen knapp. Eröffnen Webinare hier neue Chancen, sich direkt am Schreibtisch fortzubilden? Und vor allem: Nutzen Buchhandlungen und Verlage sie auch?

Auch hier sind wir stets am Ausprobieren: Welche Themen lassen sich in überschaubare Webinare verpacken? Was ist eine gute Uhrzeit für Webinare? Das unterscheidet sich natürlich zwischen Verlag und Buchhandel. Bislang haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht – vor allem mit interaktiv gestalteten Webinaren.

Haben Sie neue digitale Lernprojekte in der Pipeline?

Aktuell arbeiten wir an einer Lernquizapp, die voraussichtlich in der Ausbildung und im Fernlehrgang, speziell für die Prüfungsvorbereitung, nutzbar sein soll. Weitere Videokurse und Erklärvideos sind in Planung. In der Erprobungsphase ist auch ein Audioangebot.

Und wie sehen die nächsten Schritte für die Fördermittel des Digitalpakts aus?

Als erstes werden wir ein umfassendes Konzept entwickeln. Dazu gehört zunächst eine Analyse vorhandener und benötigter Ausstattung, zum Beispiel die Frage, ob interaktive Tafeln sinnvoll sind. Dazu kommt die Entwicklung eines Einsatzkonzepts der technischen Anschaffungen im Unterricht und die Planung von Fortbildungen. In einem kleinem Team erarbeiten wir dies zur Zeit Schritt für Schritt.

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