Antiquariat

Antiquariat in der Corona-Krise 2

Messeabsagen und -Verschiebungen allerorten, Corona-Fälle im Zusammenhang der New Yorker Antiquariatsmesse, und auch Versandantiquariate erleben derzeit Umsatzeinbrüche, obwohl die Postzustellung kaum eingeschränkt ist.

Die dreitägige internationale Antiquariatsmesse Tokio des japanischen Antiquariatsverbands ist heute wohl eröffnet worden (jedenfalls konnte nichts Gegenteiliges ermittelt werden), aber nicht mit allen angemeldeten Ausstellern; das Antiquariat Peter Harrington (London) hat seine Teilnahme abgesagt, andere womöglich auch.

Ganz abgesagt hat der australische Verband ANZAAB die Antiquariatsmesse in Melbourne, die erst für den 9. bis 12. Juli geplant war (siehe hier).

Andere große Messe – darunter auch die "Firsts" in London, die zu den international bedeutendsten zählt und vom 5. bis 7.  Juni stattfinden soll – halten sich derzeit mit öffentlichen Ankündigungen zurück, noch ist die Lage zu unübersichtlich.

Die wichtige New Yorker Antiquariatsmesse hat am ersten März-Wochenende noch stattgefunden. Allerdings haben sich dort offenbar mehrere Messeteilnehmer mit dem Coronavirus infiziert; das berichtet Sally Burdon, Präsidentin der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB), in einer E-Mail, die gestern hier veröffentlicht wurde und die auch Namen nennt.

Dass Ladenantiquariate von der aktuellen Situation unmittelbar und auf vorerst unabsehbare Zeit betroffen sind, liegt auf der Hand. Aber auch das Versandgeschäft der Antiquare scheint unter erheblichen Umsatzrückgängen zu leiden.

Jörg Mewes (Bergische Bücherstube, Overath; siehe hier) berichtet von einer Halbierung des Bücherbestellaufkommens in den letzten knapp zwei Wochen, in denen sich die Ereignisse förmlich überschlugen: "Die Bestellungen in der ersten (Krisen-)Woche (so ab 9. März) haben um rund 50 Prozent nachgelassen, in der zweiten Woche sind es 55 Prozent. Auf die einzelnen Plattformen habe ich noch nicht geachtet. Erstaunlicherweise kommen auch keine Ankaufsangebote mehr."

Wilhelm Hohmann (Antiquariat Hohmann, Schemmerhofen; siehe hier), Ökonomiespezialist, berichtet von ähnlichen Erfahrungen: "Mit Zunahme der Corona-Meldungen wurde das Bestellaufkommen weniger, seit drei Tagen mittlerweile gar keine Bestellung mehr. Einen geplanten Verkaufskatalog verschiebe ich wohl, dafür mache ich voraussichtlich eine elektronische Liste, auch um zu sehen, ob überhaupt jemand reagiert."

Es handelt sich um zwei Einzeläußerungen, ein repräsentativer Überblick ist das natürlich nicht. Die Redaktion wird die Entwicklung weiter beobachten und ist jederzeit per E-Mail erreichbar (b.biester@mvb-online.de).

Schlagworte:

3 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Der Ziegelbrenner, Gerald Grüneklee

    Der Ziegelbrenner, Gerald Grüneklee

    Ich kann diesen "Zufallsbeobachtungen" nur zustimmen, Bestell-Rückgang nach der Anzahl ab dem 10.3. (noch normal) auf den 11.3. um fast 75%, diese Tendenz seither anhaltend, das ist allein für die Lagerkosten gerade noch knapp ausreichend. Das hätte ich in dem Ausmaß nicht erwartet, aber es zeigt, wie sehr das Mega-Thema Corona die Köpfe dominiert, da ist kein Platz für anderes mehr (was in dem Maß psychisch sicher auch nicht gerade gut ist). Nutze die Zeit, um noch nicht bibliographierte Bestände zu bearbeiten, aber wenn die Tendenz ein halbes Jahr anhält wird es brenzlig, denn bei den Fixkosten kann ich dann nicht dauerhaft zuschießen.

  • Michael Butter | Antiquariat M. Butter, Stuttgart

    Michael Butter | Antiquariat M. Butter, Stuttgart

    Nur mal so ein Vergleich:
    Nine Eleven: der Tag, der die Welt veränderte ...
    Die Umsatzeinbrüche waren damals ebenso rasant und die Umsätze haben sich eigentlich auch nie wieder so richtig erholt.
    Durch Corona verändert sich wiederum alles.
    Die Menschen haben jetzt andere Sorgen, als daß sie jetzt an den Kauf von Büchern denken ...

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Butter
    Antiquariat M. Butter, Stuttgart

  • Roland Sievers

    Roland Sievers

    Ich habe in den letzten Wochen mehrfach über das Internet ältere Bücher bestellt und auch erhalten. Mein Fernkaufverhalten hat sich während der Krise überhaupt nicht verändert. Trotzdem vermisse ich bereits sehr das "Bad in den Büchern" in den vertrauten Antiquariaten. Ich hoffe, daß diese bald wieder öffnen.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld