Bertelsmann mit Jahresbilanz 2019

Thomas Rabe: "Wir sind gut gerüstet"

Bertelsmann konnte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2019 gegenüber dem Vorjahr steigern, um rund zwei Prozent auf 18,0 Milliarden Euro. Für die aktuelle Corona-Krise sei man gut gewappnet, so das Unternehmen in seiner Bilanzmitteilung. Zudem plant man den Ausbau der Content Alliance auf weitere Märkte.

Thomas Rabe

Thomas Rabe © Bertelsmann

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, sagt: "Wir haben in der Corona-Krise viele Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter getroffen. Bertelsmann ist gut gerüstet. Wir sind ertragsstark, verfügen über eine hohe Liquidität, eine komfortable Eigenkapitalquote. Die Ratings sind unverändert und im Investmentgrade-Bereich. Mit der breiten Aufstellung unserer Geschäfte sind wir weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen und können weiter in unsere Zukunft investieren, ohne an die Substanz zu gehen."

Allen Medien komme in der außergewöhnlichen Situation der Corona-Pandemie "gesellschaftliche und systemrelevante Bedeutung zu", so Rabe weiter. "Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland, die es gerade jetzt aufrechtzuerhalten und zu unterstützen gilt. Wir informieren seriös und unterhalten Millionen von Menschen, die sich zur Eindämmung der Corona-Virus-Ausbreitung nie dagewesenen Einschnitten in ihr Privat- und Berufsleben ausgesetzt sehen."

Mit dem positiven Geschäftsverlauf sei der Konzern gut gewappnet, um sicher durch die aktuelle Krise der weltweiten Ausbreitung des Corona-Virus zu kommen. Bertelsmann habe 2019 eine Reihe strategischer Fortschritte erzielt − im Dezember habe man etwa den vollständigen Erwerb der Buchverlagsgruppe Penguin Random House angekündigt (dafür hat die Europäische Kommission inzwischen grünes Licht gegeben; siehe Archiv). Das CRM-Unternehmen Majorel ging an den Start und in Deutschland nahm die Bertelsmann Content Alliance, in der die Inhaltegeschäfte der deutschen Konzerntöchter gebündelt sind, ihre Arbeit auf.  

Umsatz legt zu
 
Der Konzernumsatz von Bertelsmann stieg 2019 auf 18,0 Mrd. Euro (Vorjahr: 17,7 Mrd. Euro). Dazu hätten neben Penguin Random House insbesondere die strategischen Wachstumsplattformen des Konzerns beigetragen. Nahezu alle Unternehmensbereiche würden organisches Wachstum verzeichnen. Besonders deutlich hätten die Wachstumsgeschäfte des Konzerns zugelegt. Deren organisches Wachstum betrug sieben Prozent, ihr Anteil am Konzernumsatz erhöhte sich auf 36 Prozent (2011: 20 Prozent). In den kommenden Jahren soll er auf 40 Prozent steigen.

Der Anteil der Digitalgeschäfte am Konzernumsatz lag laut Bilanz mit 51 Prozent erstmals über der Zielmarke von 50 Prozent.  

Rekordwert für Betriebsergebnis

Das Operating EBITDA habe mit 2,9 Milliarden Euro einen neuen Bestwert erreicht (Vorjahr: 2,6 Mrd. Euro). Maßgebliche Treiber seien die Dienstleistungstochter Arvato sowie die Bertelsmann Education Group gewesen, die jeweils einen deutlichen Ergebnisanstieg verbuchten. Positiv hätte sich zudem die erstmalige Anwendung des neuen Rechnungslegungsstandards IFRS 16 ausgewirkt. Aber auch ohne diesen Effekt läge das Operating EBITDA über dem hohen Vorjahresniveau und auf Rekordniveau.  

Das Konzernergebnis überschritt mit 1,09 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,10 Mrd. Euro) zum fünften Mal in Folge die Milliardengrenze. Neben der guten operativen Performance der einzelnen Unternehmensbereiche sei dies auch auf eine geringere Belastung durch Sondereinflüsse zurückzuführen. Die im Unternehmensbereich Bertelsmann Investments gebündelten Fonds-Aktivitäten hätten abermals einen relevanten Ergebnisbeitrag geleistet.
 
Thomas Rabe dazu: "Hinter der guten Geschäftsentwicklung steht eine Reihe von erfolgreichen Maßnahmen." Die RTL Group etwa habe ihre Streamingangebote weiter ausgebaut. Ziel sei es, 2025 fünf bis sieben Millionen zahlende Abonnenten zu erreichen. "Die vollständige Übernahme von Penguin Random House stärkt unser Kerngeschäft langfristig", so Rabe: "Wir werden die Geschäfte von Penguin Random House in den nächsten Jahren weiter ausbauen, auch akquisitorisch." Bei der Bertelsmann Education Group habe es eine Ergebnisverdopplung gegeben. "Wir profitieren von einer weiterhin hohen Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten", so Rabe.  

  • Der Umsatzanteil strukturell rückläufiger Geschäfte ging seit 2011 von 16 Prozent auf rund drei Prozent zurück.  
  • Der außerhalb Europas erwirtschaftete Umsatzanteil betrug im vergangenen Jahr 30 Prozent (2011: 20 Prozent). Im Fokus der regionalen Expansion stünden für Bertelsmann neben China, Indien und Brasilien vor allem die USA als weltweit größter Medienmarkt und zweitgrößter Markt von Bertelsmann. Bertelsmann prüfe künftig vermehrt Investitionen in den Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens.  

Auch im Jahr 2019 seien Bertelsmann entlang seiner vier strategischen Stoßrichtungen – Stärkung der Kerngeschäfte, digitale Transformation, Ausbau von Wachstumsplattformen und Expansion in Wachstumsregionen – erneut Fortschritte gelungen.  

Stärkung der Kerngeschäfte

Zur Stärkung der Kerngeschäfte hätten neben dem organischen Ausbau auch wichtige strategische Akquisitionen beigetragen. So erweiterte die RTL Group ihre Senderfamilie in Frankreich um den frei empfangbaren Kindersender Gulli sowie fünf Pay-TV-Kanäle aus dem Besitz von Lagardère. In Deutschland startete mit VOXup ein neuer TV-Sender, der eine Mischung aus bekannten Vox-Formaten, Free-TV-Premieren und neuen Eigenproduktionen bietet. Mit der vollständigen Übernahme von Penguin Random House wird Bertelsmann zukünftig alleiniger Gesellschafter der nach Umsatz weltweit größten Publikumsverlagsgruppe.

  • Die Zahlen: Penguin Random House hat 2019 einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro erzielt und damit 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil am Konzernumsatz betrug rund 37 Prozent. Das Operating EBITDA steigerte sich um 37 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro.

Ausbau des Buchverlagsgeschäfts

Darüber hinaus habe Penguin Random House 2019 das Buchverlagsgeschäft organisch wie akquisitorisch weiter ausgebaut − erwarb unter anderem den britischen Kinderbuchverlag Little Tiger Group. PRH erweiterte seine Präsenz in Südamerika mit der Übernahme der in Spanien und Lateinamerika tätigen Verlagsgruppe Ediciones Salamandra sowie dem Erwerb des Literatur- und Bildungsverlags Editora Zahar in Brasilien. Gruner + Jahr erweiterte sein Portfolio im Bereich der Personality-Magazine, beispielsweise durch eine Kooperation von "Brigitte" mit der Psychotherapeutin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl.

  • Die weltweiten Druckgeschäfte der Bertelsmann Printing Group wurden mit einer bereichsübergreifenden Organisationsstruktur neu aufgestellt.
  • Zur Stärkung der Kerngeschäfte hätten der verstärkte Auf- und Ausbau von Kooperationen und Allianzen beigetragen, etwa der Bertelsmann Content Alliance in den Inhaltegeschäften oder auch der Ad Alliance in der Werbevermarktung.  

Zudem habe man die digitale Transformation durch den fortgesetzten Ausbau der Digitalgeschäfte weiter vorangetrieben. Die RTL Group verzeichnete für ihre Streaming-Dienste neben dem Anstieg zahlender Abonnenten auch eine erhöhte Sehdauer auf den Plattformen TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden. In Frankreich entwickelt die zur RTL Group gehörende Groupe M6 die technologische Plattform für Salto – den gemeinsamen Streaming-Dienst von TF1, France Télévisions und Groupe M6, der 2020 starten soll. Gruner + Jahr startete mit "Stern Plus" und "Stern Crime Plus" erste kostenpflichtige AboModelle für digitalen Journalismus. Die Bertelsmann Content Alliance setzt mit der Gründung der Audio Alliance verstärkt auf Audio-Angebote und initiierte die Podcast-Produktion und die Distribution neuer Podcasts über die eigene Plattform Audio Now.

Die Wachstumsplattformen des Konzerns wurden weiter ausgebaut und verzeichneten insgesamt ein deutliches organisches Wachstum. Arvato Supply Chain Solutions gewann zahlreiche Neukunden und baute das internationale Logistiknetzwerk aus. Arvato Financial Solutions wuchs insbesondere durch den Ausbau von Pay-after-Delivery-Lösungen. Arvato Systems erweiterte sein Portfolio IP-basierter Lösungen.

Im Online-Bildungsbereich integrierte Relias den Bereich Gesundheitswesen des im Vorjahr erworbenen Unternehmens OnCourse Learning. In Brasilien übernahm Bertelsmann den führenden Corporate-Training-Anbieter Afferolab vollständig.

Ende 2019 hielt Bertelsmann Investments im Wesentlichen über seine vier internationalen Fonds rund 230 Beteiligungen an jungen Unternehmen und Fonds.

Ausblick

"Bertelsmann wird auch im laufenden Jahr weiter in seine Geschäfte investieren und an der Umsetzung seiner strategischen Ziele arbeiten", erklärt Thomas Rabe. "Wir sehen uns einer neuen Dimension des Wettbewerbs mit den US-Techplattformen ausgesetzt und werden daher unsere eigene Technologiekompetenz massiv weiter ausbauen." Der Anspruch sei es, das technologisch führende Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen zu werden. Im Fokus stünden vor allem die Bereiche Cloud, Data und künstliche Intelligenz.

Content Alliance wird ausgedehnt

Thomas Rabe fährt fort: "Darüber hinaus werden wir die Themen Kooperationen und Allianzen weiter voran treiben, sowohl intern als auch mit externen Partnern. Die Bertelsmann Content Alliance im Inhaltebereich in Deutschland und die Ad Alliance in der Werbevermarktung sind sehr erfolgreiche erste Beispiele, die wir 2020 weiter ausbauen werden. So werden wir die Bertelsmann Content Alliance auf die Märkte Frankreich, Großbritannien und später USA ausdehnen." 
 
Bernd Hirsch, Finanzvorstand von Bertelsmann, ergänzte: "Bertelsmann verfügt über eine sehr solide Finanz- und Liquiditätslage. Die Nettofinanzschulden konnten wir im abgelaufenen Jahr deutlich um mehr als eine halbe Milliarde Euro zurückführen. Auf diesem finanziellen Fundament werden wir das Unternehmen strategisch weiterentwickeln."
 
Das Eigenkapital erhöhte sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 10,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 9,8 Mrd. Euro). Daraus ergab sich eine Eigenkapitalquote von 38,2 Prozent (Vorjahr:  38,8 Prozent).
 
Die Nettofinanzschulden seien deutlich um rund 570 Millionen Euro auf 3,4 Mrd. Euro (Vorjahr:  3,9 Mrd. Euro) zurückgegangen. Gegenläufig erhöhten sich insbesondere die Pensionsrückstellungen aufgrund des gesunkenen Diskontierungszinses. Die weiter gefassten wirtschaftlichen Schulden betrugen zum 31. Dezember 2019 6,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,6 Mrd. Euro). Der bereinigte Operating Free Cashflow betrug 1,9 Milliardeb Euro (Vorjahr: 1,8 Mrd. Euro).  
 
Die Mitarbeiter*innen von Bertelsmann erhalten der Mitteilung zufolge für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 Gewinn- und Erfolgsbeteiligungen in Höhe von insgesamt 96 Millionen Euro (Vorjahr: 116 Mio. Euro). 

Weitere Informationen zum Bertelsmann-Geschäftsjahr 2019 finden sich auf der Firmenwebsite

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