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Neue Kulturtechnik

»Mal so skypen« kann jeder. Doch professionelle Onlinemeetings wollen gelernt sein – erst recht, wenn sie der einzige Kommunikationskanal am Heimarbeitsplatz sind. Der Unternehmensberater Uli Harnacke hat dazu einen Ratgeber geschrieben. INTERVIEW: MARCUS SCHUSTER

Uli Harnacke

Uli Harnacke © privat

Unternehmen konferieren derzeit nur noch virtuell. Viele mussten sich in dieser Disziplin quasi über Nacht professionalisieren. Operation gelungen?
In der Tat waren Onlinemeetings in der Wirtschaft bislang nicht überall besonders gut gelitten. Vielleicht auch, weil man oft nur die Besprechungsregeln und -erfahrungen aus der analogen in die virtuelle Welt übertragen hat. Dabei brauchen elektronische Zusammentreffen eine eigene »Kulturtechnik«. Durch die aktuell intensive Nutzung wird das grundlegende Technik- und Regelverständnis aber sehr schnell immer besser.

Was sind die wichtigsten Regeln für erfolgreiche Besprechungen im Internet?
Empfehlenswert ist eine detaillierte Planung, bei der Zweck, Ziel und Methoden genau definiert werden. Wichtig ist außerdem Zeitdisziplin: Durch sogenanntes Timeboxing wird der Rahmen genau abgesteckt. Sinnvoll sind kürzere Zyklen mit Pausen etwa alle 45 Minuten. Und kleine Rituale, die Sicherheit schaffen, etwa ein regelmäßiges Befragen der Teilnehmenden nach Aufmerksamkeit, Verständnis, Einigkeit oder Zustimmung.

Sie beschreiben eine perfekte Vorbereitung bis hin zum optimalen Bildschirmlayout. Viele wären schon froh über eine funktionierende Internetverbindung, wenn es darauf ankommt.
Natürlich gibt es noch immer regionale Unterschiede beim Netzausbau und Stoßzeiten am Vormittag, während der Videocons auch mal gestört sind. Aber offen und technikfreundlich betrachtet kann man doch feststellen: Vor acht Wochen haben wir uns beschwert, wenn echte Meetingräume dauerbelegt waren und dadurch Projekte und Entscheidungen verzögert wurden. Nun liegt es eben hin und wieder an
den Leitungen – und das ja meist nur bei einzelnen Teil­nehmern.

Bleiben uns die Onlinekonferenzen erhalten?
Hybrid-virtuelle Zusammenkünfte werden weitgehend zur Normalität gehören, denn Risikogruppen werden nicht in die Firmen oder Akademien kommen. Viele Menschen, mit denen ich in diesen Wochen rede, genießen es ohnehin, nicht zehnmal in der Woche nach München, Frankfurt, Köln oder Hamburg rein- und wieder rausfahren zu müssen. Wichtig ist aber auch ein fairer Ausgleich für alle, die wegen ihrer Tätigkeit nie von zu Hause aus werden arbeiten können.

Haben Sie Ihren Ratgeber »Online-Meetings und Webinare. Effizient und fesselnd gestalten« (Haufe E-Book, 128 S., 3,99 Euro) eigentlich wegen der Corona-Krise geschrieben?
Nein, das Buch bekam ich Ende 2019 beauftragt, Erscheinungsdatum sollte März 2021 sein, nun musste es aber deutlich früher fertig werden. Angesichts der aktuellen Lage hat der Verlag entschieden, das E-Book schnell herauszubringen. Die gedruckte Version kommt dann im Sommer.

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