7. Kindermedienkongress

Digitale Evolution

16. November 2016
von Börsenblatt Online
Am Montag fand im Münchner Literaturhaus der 7. Kindermedienkongress der Akademie der Deutschen Medien statt. Dabei verriet Referentin Mareike Hermes (Carlsen) zum Beispiel, dass im digitalen Bereich zwar viel Potenzial besteht, doch eine vielversprechende Idee nicht immer ein Erfolgsgarant für neue Erlöse ist.

Die Plätze im Münchner Literaturhaus waren beim 7. Kindermedienkongress gut gefüllt, das Interesse groß. Das bunt gemischte Programm bot neben Grundlagen zum Thema Medien auch zahlreiche Erfahrungsberichte, so zum Beispiel von Mareike Hermes, die bei Carlsen das Business Development leitet.

Dass sich der Hamburger Verlag über weit mehr als Harry Potter, Pixi oder Conni definiert, wurde schnell deutlich. Carlsen lebt im digitalen Bereich von neuen Ideen, wie zum Beispiel Crowdfunding besonderer Projekte fernab des Mainstreams. Dass die nicht immer zum erhofften Erfolg bei der Zielgruppe führen, stellte Hermes jedoch ohne jede Eitelkeit klar – und sorgte damit sicherlich für Erleichterung bei einigen Kongressteilnehmern. Die Patentlösung für digitale Erlösmodelle gibt es scheinbar nicht, so der Tenor der Speaker und auch der Teilnehmer, die sich nach den einzelnen Panels zu Wort meldeten.

Die Mediennutzung verändert sich, Trends werden schnelllebiger. Was heute modern ist, kann morgen bereits Schnee von gestern sein. Das vielleicht prominenteste Beispiel heißt Pokémon Go. Während im Sommer noch Tausende die kleinen Fantasiewesen fingen, Nintendo mit der App Rekorde in den App-Stores brach und sich die Medien mit Berichten überschlugen, ist es mittlerweile ruhig geworden. Ebenso wie der Spielehersteller kennen auch Verlage das Leben auf der medialen Überholspur.  

Mit der digitalen Schnelllebigkeit hat sich auch der Kampf um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden verändert. Seit zum Beispiel die Apps der Reihen Pixi und Conni im Jahr 2011 zum ersten Mal in die App-Stores kamen, ist der Kampf um die Sichtbarkeit in den digitalen Showrooms härter geworden, die Konkurrenz um den User ist groß. Trotzdem bedeutet das nicht, dass Apps es nicht auf die vorderen Plätze der Download-Charts schaffen. Ein Beispiel ist die Conni-Uhrzeit-App, die es auf Platz eins der bezahlten Apps im Bereich Bildung bei Apple schaffte.

Nun wird es erneut spannend, denn Ende Oktober startete der Verlag das neue Digital-Label “Dark Diamonds” rund um das Genre New Adult Fantasy, das man beim Hamburger Verlag gerne als große Schwester des Labels “Impress” vorstellt. Mit Impress bewies man, dass auch aus “Digital Only”-Titel sich bei genügend Erfolg doch noch in Printausgaben verwandeln können. Ohnehin liegt Print im Trend. Das durften auch die Teilnehmer der 7. Kindermedienkonferenz lernen. Überraschend dabei ist, dass vor allem die Kids gedruckte Bücher wieder in ihr Herz schließen.

Trotzdem passt man sich bei Carlsen auch weiterhin dem Markt rund um Smartphone & Co. an. Seit 1998 wird mit einer JIM-Studie im jährlichen Turnus der Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information untersucht. Im letzten Jahr stellte man im Rahmen dieser Studie fest, dass bereits 97% der 12 bis 19-Jährigen in Deutschland ein eigenes Mobiltelefon besitzen, 88% ein Smartphone. Die Telefonfunktion spielt dabei allerdings eine untergeordnete Rolle. Hier knüpft Carlsen an.

Mit "Mission X. Deine Entscheidung. Dein Abenteuer" bringt Carlsen seine erste Text-Adventure-App auf den Markt. Dank der App werden dem Spieler Geschichtenabschnitte zugeschickt, wobei dieser selbst entscheiden kann, wie sich die Handlung fortsetzt. Features wie Sounds, Grafiken und und kleine Benachrichtigungen sollen dafür sorgen, dass der Spielspaß möglich lange erhalten bleibt. Ein Prinzip, das mittlerweile nicht mehr ganz neu ist. Bisher ist die App nur für iOS erhältlich, Android folgt Anfang 2017.

Wie Mareike Hermes sagte, sei das Prinzip Try and Error im Digitalen unerlässlich – wofür sie von den Anwesenden viel Zustimmung erntete. Das Patentrezept für digitale Erfolge gäbe es eben nicht und wie die Leiterin des Business Development festellte, müsse auch das Scheitern zwischendurch erlaubt sein, um die Erfolge herauszufinden. Statt Vollgas zu geben, tastet man sich nun lieber heran, startet schlank und entwickelt sich weiter. Evolutionär eben.