Katharina Hesse Stellt einen Bildband zum Thema Depression vor

Bedrückende Bilder, keine Klischees

4. August 2017
Redaktion Börsenblatt
Es gibt sie noch, die gut gemachten Bücher. Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, stellt auf boersenblatt.net jeden Monat ein besonders schönes Buch vor. Diesmal "Mal gut, mehr schlecht" von Nora Klein (Hatje Cantz). 

"Ich lag im Bett, starrte stundenlang den japanischen Kirschzweig auf der Tapete an und dachte: Was hat das alles für einen Sinn?"

Für die von Nora Klein fotografisch Porträtierten ist das Leben mal gut, mehr schlecht. Sie leiden an einer Depression. Wie fängt man graue Gefühle, das Starren an Wände, das Gefangensein fast ohne Worte ein? Wie transportiert man die Situation, in der sich Depressive befinden? Der jungen Fotografin ist dies außerordentlich gut gelungen. Ihre Bilder bedrücken, spiegeln Einsamkeit, Trostlosigkeit wieder, ohne dabei klischeehaft zu werden und die Gestalterin setzt das Gesammelte in einen stimmigen Rhythmus.

Zitate der Betroffenen, seitenfüllende Motive und Porträts, gedruckt auf transparente, eingeklebte Taschen, diese wiederum gefüllt mit DIN A4 Zetteln, darauf Notizen, Bilder, Worte. Die Fotografien und das Gestaltungskonzept vermitteln die Krankheit sehr emotional. Nora Kleins Ziel ("die Depression transparenter zu machen, zu erzählen, was sie ist, und was sie mit einem macht") wurde, zumindest bei mir, erreicht. Ein Bildband ohne schönes Thema, mit nur bedingt schönen Bildmotiven und dennoch sehr, sehr schön!


Bibliografie:

Mal gut, mehr schlecht.
Nora Klein

Text(e) von Sonja Hartwig, Gestaltung von Saskia Köhler

Deutsch

2017. 136 Seiten, 64 Abb.

gebunden

23,00 x 31,00 cm

ISBN 978-3-7757-4229-0