Alexander Skipis kritisiert die Preissteigerung bei der Büchersendung

"Gerade für kleine Verlage ist der Postweg elementar"

30. April 2019
von Börsenblatt
Die Deutsche Post wird für ihre Entscheidung, ab Juli die Bücher- mit der Warensendung zusammenzulegen heftig kritisiert – weil zugleich die Preise heftig steigen. Auch der Börsenverein protestiert: "In einem ohnehin angespannten Markt wird es für Buchhandlungen und Verlage immer teurer", sagt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

Die Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent belasteten die Buchbranche erheblich, betont Skipis heute in einer Stellungnahme – und rechnet vor: "Innerhalb von einem Jahr haben sich die Kosten für den Versand von Büchern in der kleinen Variante nahezu verdoppelt" (die letzte Preisanpassung erfolgte zum 1. Juli 2018).  

"Der Sortimentsbuchhandel wird immer mehr geschröpft"

Das mache es für Buchhandlungen und Verlage auch schwerer, ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Auftrag nachzukommen. Skipis: "Gerade für kleine Verlage ist der Postweg elementar, um Bücher, die im Buchhandel in der Breite nicht vorkommen, zu versenden. Der Sortimentsbuchhandel, der seinen Kunden auch weiterhin den Service der Nach-Hause-Lieferung bieten will, wird immer mehr geschröpft."

Dem Börsenverein zufolge müssen Buchhandlungen und Verlage vor jedem Buchversand künftig genau prüfen, welche Versandart sie wählen. Alternativen, die dieselben Vorteile bieten wie die bisherige Büchersendung, gebe es von der Post nicht.

Die neuen Regeln im Überblick (Archiv): Die Post macht die Büchersendung teurer

Kyra Dreher
"Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Produkt konsequent 'ausgeschlichen' werden soll"

Die Entwicklungen bei der Post, das Ringen um mehr Tempo bei der Büchersendung und um moderate Preise: Kyra Dreher, Geschäftsführerin der Fachausschüsse im Börsenvereins, hat die Entwicklung über Jahre begleitet und immer wieder auch mit der Post Kontakt habe, um die Manager in der Bonner Zentrale über die Lage der Buchbranche zu informieren. "Rückblickend auf die sieben Jahre, in denen ich mit der Deutschen Post im Austausch über die Erhaltung und Qualität der Büchersendung stehe, bildet die jüngste Entscheidung des Unternehmens ganz sicherlich einen Tief- und Wendepunkt gleichermaßen", so Dreher im Gespräch mit Börsenblatt Online.

Auf die erste schmerzhafte Preiserhöhung 2018 folge nun die zweite – innerhalb von gerade einmal zwölf Monaten. Die neuen Preise ab Juli könnten Dreher zufolge für ein "E + 4“-Produkt (Versandgeschwindigkeit: Einlieferung plus vier Tage) als prohibitiv bezeichnet werden. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Produkt konsequent aus dem Produktportfolio der Post `ausgeschlichen` werden soll: es wird infolge der reduzierten Höhenmaße und Preise immer weniger zum Einsatz kommen, in Konsequenz dessen immer weiter verteuert werden, bis es preislich so an die anderen Versandprodukte der Post angeglichen ist, dass seine Einstellung der logische nächste Schritt ist, bei dessen Begründung sich gelassen auf die geringe Nutzung von Seiten der Bücherversender wird verweisen lassen."

Gegen die von der Post vorgebrachten Argumente mit Verweis auf die gestiegenen Lohn- und Logistikkosten, lasse sich nicht angehen. Sie seien Fakt. Womit sich hingegen sehr wohl argumentieren lasse, sind laut Dreher die Daseinsvorsorge der Post hinsichtlich der Verbreitung des Buches als Kulturgut. "So anachronistisch dies dem derzeitigen Management der Post erscheinen mag, so sehr ist es die politische Ebene, die darüber zu befinden hat, ob Bücher und ihre qualitative und preisadäquate Verbreitung in genanntem Sinne als unverändert existentiell für die Bevölkerung anzusehen sind." Dreher betrachtet es als Aufgabe des Börsenvereins, hierzu in Dialog mit der Politik zu treten und verspricht: "Wir werden dieser Aufgabe nachkommen."