Meinung

Spiel mit dem Feuer

27. September 2007
Redaktion Börsenblatt
Für den Erhalt der Preisbindung fordert Heinrich Riethmüller Taten statt Lippenbekenntnissen.
Überall mehren sich die Anzeichen dafür, dass die großen Branchenteilnehmer offensichtlich kein gesteigertes Interesse mehr am Bestehen der Preisbindung haben. Kaum war das Sammelreverssystem in der Schweiz gekippt, zogen Weltbild und Orell Füssli die fertigen Preisstrategien aus der Schublade und folgten dem Ruf ihres Konzernchefs, Bücher seien eh zu teuer, und senkten die Preise für alle Bestseller. Begleitet wurde die Aktion mit wenig überzeugenden Lippenbekenntnissen zur Preisbindung in Deutschland. Und der zweite Riese im Buchmarkt, Thalia, kommt wieder mal in die Schlagzeilen unserer Branchenpresse, weil Vertriebsleute in Hagen offensichtlich mit den Rabattforderungen von 50 Prozent plus konfrontiert werden und sich damit an den Investitionen der Megastores beteiligen sollen. Uns allen hallt noch der flammende Appell des Thalia-Chefs auf den Buchhändlertagen in den Ohren, wie wichtig die Preisbindung für uns Buchhändler sei und dass wir uns doch alle für ihren Erhalt einsetzen sollten – auch nur ein Lippenbekenntnis? Wenn die Verlage diesen neuen Forderungen nachkämen, würde dies nochmals den Druck auf den konzernunabhängigen Buchhandel erhöhen, der Konzentrationsprozess gewänne noch mehr an Fahrt. Und damit entfiele das wichtigste Argument für den Erhalt der Preisbindung: nämlich ein breites Buchangebot und die Existenz einer großen Zahl an Verkaufsstellen zu erhalten und zu fördern. Es gibt ganz klare Spielregeln, die uns das Preisbindungsgesetz vorschreibt. In Paragraf 6.3 heißt es, »Verlage dürfen für Zwischenbuchhändler keine höheren Preise oder schlechteren Konditionen festsetzen als für Letztverkäufer, die sie direkt beliefern«. Da die Barsortimente längst nicht mehr die Markt- und Machtposition haben wie die Top Five des Handels, werden sie wohl kaum höhere Rabatte bei den Verlagen durchsetzen können, das heißt, sie wären dann in vielen Fällen schlechter gestellt als die Handelsriesen – ein klarer Verstoß gegen das Preisbindungsgesetz. Oder die Verlage würden die Buchpreise deutlich erhöhen, um so die höheren Margen für alle zu ermöglichen. Dies würde der Markt aber nicht hergeben. Deshalb kann man den Verlagen (und auch dem einen oder anderen Barsortiment) nur zurufen: Spielen Sie nicht mit dem Feuer, geben Sie den horrenden Forderungen der Handelsriesen nicht nach; langfristig können Sie nur verlieren, denn eine Oligopolisierung des Buchmarkts schwächt auf Dauer Ihre Position. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Der Sortimentsbuchhandel braucht hohe Rabatte, um Mitarbeiter besser bezahlen und die zunehmend hohen Investitionen finanzieren zu können; aber wir sollten alle die Spielregeln des Marktes einhalten, den Geist des Preisbindungsgesetzes immer vor Augen haben und partnerschaftlich miteinander umgehen. Überall gibt es noch genügend Rationalisierungspotenziale, um die Rendite der Branche zu erhöhen und wirtschaftlicher zu arbeiten. Wir sollten die Preisbindung, die dem Verbraucher vernünftige und europaweit die niedrigsten Preise garantiert, uns allen eine sichere Basis bietet und damit qualifizierte Arbeitsplätze im Buchhandel sichert, nicht aufs Spiel setzen! Was halten Sie von den Spielregeln des Marktes – und der Preisbindung? Diskutieren Sie mit uns.