Die Umsätze dümpeln dahin, die Kosten hingegen nicht, sie steigen. Die Läger sind voll von Ware, die dort viel zu lange liegt, ohne dass irgendein Mensch in Sicht wäre, der sie kaufen wollte. Unterm Strich bleibt eine negative Rendite höchste Alarmstufe für jeden, der mit einem eigenen Laden sein Auskommen haben will.
So befindet sich der gemeine deutsche Buchhändler, drastisch gesagt, im Schraubstock zwischen Verdrängung auf der einen und Selbstschädigung auf der anderen Seite. Um diese Lage beneidet ihn niemand. Die gute Nachricht in der schlechten: Verdrängungswettbewerb mag Schicksal sein, handwerkliche Fehler hingegen sind abstellbar. Oder, um im Bild zu bleiben: Der beweglichen Backe des Schraubstocks entspricht die hausgemachte Hälfte der Malaise. Sein oder Nichtsein wäre insoweit auch eine Optimierungsfrage.
Zu den liebenswerten Seiten des Buchhandels gehört die hier noch verbreitete Überzeugungstäterschaft. Man kauft mit wertvollen Absichten ein, nicht selten mit volkspädagogischen. Im Glücksfall geht das auf, der Kunde dankt für Entdeckungen. Im Normalfall geht das schief, der Kunde merkt nichts, und Handelsforscher ermitteln die gruselige Lagerumschlagskennziffer von 5,1 (was besagt, wie unergiebig der Produktionsfaktor Kapital in die Ware investiert ist). In Branchen, die anders einkaufen, liegt diese Größe doppelt so hoch und höher. Hinzu kommt, dass beim Verkaufen, sagen wir, nicht immer die Entscheidung gesucht wird.
Ein Bereich, in dem die Dinge schon wieder auf den Triumph des Geschmacks über die Profession hinauszulaufen drohen, ist das Fantasy-Genre. Aus Gründen, die dahinstehen sollen (weil sie vermutlich langweilig sind), wächst im verkaufenden Buchhandel der Verdruss über all die dicken Bücher voller Magie und zotteliger Zauberer. Man scheint mancherorts fast zu hoffen, dass mit Potters Finale gleich das ganze Genre in seine finale Phase treten möge. Mit Verlaub, das ist eine ziemlich masochistische Hoffnung. Diese imaginierten Welten werden nachgefragt wie nur was. Wer sich von dem Zeug viel ins Regal stellt, hätte die Aussicht auf Lagerumschläge größer als 5,1. Oft wäre dabei sogar Literatur im Spiel, ehrlich.