Meine Damen und Herren, wir präsentieren...

14. November 2007
Redaktion Börsenblatt
So, da sind wir wieder. Und wir haben Verstärkung mitgebracht. Bis auf die Studenten im Praxissemester ist aus jedem Jahrgang jemand dabei bei Runde Zwei des Studenten-Blogs der HTWK Leipzig.
Bevor ich mich aber in den nächsten Beiträgen kommentatorisch auf die neueren Ereignisse in der [Geschäfts-] Welt der Bücher stürze, will ich einen Blick zurück werfen - zum Anfang unseres Semesters, nach Frankfurt, aufs Messegelände.... Es ist Sonntag, die Sonne strahlt von einem klaren, blauen Himmel herab und alle Welt ist unterwegs. Die Einen auf einem Ausflug in die schöne hessische Landschaft, die Anderen auf der Buchmesse. Ganze Großfamilien wandeln über das Messegelände und schieben sich durch die Hallen, die bis gestern nur den Fachleuten der Branche vorbehalten waren. Jetzt sind hier die Nicht-Anzug-Träger und Nicht-Kostüm-Trägerinnen in der Überzahl und bestimmen das Geschehen und vor allem die Laufgeschwindigkeit. Wer jetzt noch – wie ich – mit einem Verlagsmitarbeiter über ein eventuelles Praktikum sprechen möchte, hat kaum eine Chance gegen die vielen Bücherwürmer mit ihren vielen großen, übervollen Tüten unterschiedlichster Verlage, die nebenbei auch noch eine wahre Schnäppchenjägernatur an den Tag legen und alles mitnehmen, was sie bekommen können. Glücklich diejenigen Aussteller, die genügend Give-aways mitgebracht haben. Aber interessiert sich von all denen noch jemand für das eigentliche Objekt dieser Messe, das Buch? Ja, keine Angst. Da steht auch mal der Reihenhausbesitzer am Stand von campus, Suhrkamp oder DuMont und freut sich, endlich mal mit jemandem vom Verlag über den neuesten Titel zu sprechen oder fragt nach seinem Lieblingsautor, ob der nicht sein Buch signieren könnte und wann er denn endlich ein neues schreibt. Der Stand des Verlags Hermann Schmidt zum Beispiel war voller Menschen, als ich mir vorhin das wunderbare, gebundene (!) Verlagsprogramm abholen wollte. Kaum ein Durchkommen zu den Regalen mit diesen zauberhaften Kombinationen aus Design, Inhalt, Bibliophilie und einer guten Portion Geschäftssinn. Wer da sagt, die Menschen läsen keine Bücher mehr, lässt sich blenden. Und vor allem sind viele junge Menschen hier. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene – diese Generation, der so oft und so heftig unterstellt wird, kein Buch mehr freiwillig in die Hand zu nehmen. Was machen die alle hier, wenn sie nicht lesen wollen? Schnell eine Antwort auf meine rhetorische Frage, bevor jemand anfängt schwarz zu malen: Sie nutzen hier auf der Buchmesse die eine von den zwei Möglichkeiten im Jahr, die Verlage und Autoren ihres Vertrauens – und natürlich auch die, die sie nicht kennen - persönlich zu treffen. Und sie würden es wahrscheinlich viel lieber viel öfter tun. Nur wo und wann? Anrufen? Eine E-Mail schreiben? Hm, schwierig. Da hat meistens kaum jemand Zeit für genau die, für die Bücher gemacht werden: das Publikum. Jede Leipziger und jede Frankfurter Buchmesse zeigt doch immer wieder das große Interesse der Menschen an Büchern – warum tut dann keiner mal etwas für mehr Kommunikation zwischen Produzenten und Kunden? Wenn das keine Chance zur Werbung ist, dann weiß ich auch nicht. Also, liebe Verlage: Raus aus euren tollen Verlagshäusern und ran an den Bürger!