Vorstand meets Azubi

16. November 2007
Redaktion Börsenblatt
Vor über eine Woche fand ein von anderer Stelle hochgelobtes 'historisches' Abendessen in Seckbach statt, bei dem sich der Vorstand des Börsenvereins mit Seckbacher Azubis über das Thema Bildung und Zukunft unterhalten wollte!
ZUKUNFT, das große Wort, dicht gefolgt von BILDUNG, seit der Pisastudie in Deutschland fast schon gleichzusetzen mit dem Namen des Herrn, sollten die Themen sein. Klar ist mir meine ZUKUNFT wichtig und wenn ich nicht an Bildung interessiert wäre, hätte ich wohl kaum einen Beruf gewählt bei dem es wichtig ist sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren und auch ein gewisse Allgemeinbildung Vorraussetzung ist. Trotzdem machte mir das Gespräch insgesamt nicht unbedingt Mut. Beim Thema Zukunft der Buchbranche kam man schnell zum Thema Libreka! Ich glaube ich hab' das immer noch nicht so ganz verstanden! Herr Otto führte wieder sein liebstes Beispiel an. Ein Books on demand System, das im Osten der USA so weit verbreitet sein soll, dass die Kunden nur in einen Laden gehen, einen beliebigen Titel nennen und darauf warten müssen, dass der Buchhändler die hauseigene Druckmaschine im Keller anwirft um dem Kunden wenige Minuten später ein noch feuchtes Buch in die Hand zu drücken! Ist das wirklich so...? Das macht einem nicht unbedingt Mut was die Daseinsberechtigung eines gut ausgebildeten Buchhändlers angeht! Da hilft auch nicht Herr Riethmüllers Aussage er würde weiterhin Jobs vergeben, ''an gut ausgebildete Buchhändler''! Wann ist man das denn? Sobald man sich Medienhändler nennen darf? Eine andere Diskussion an unserem Tisch: Hätten wir den Beruf gewählt wenn er diesen Titel tragen würde! Meine Antwort: Nein! Auch auf die Gefahr hin möglicherweise als konservativ und langweilig, zukunftsverschlossen und altbacken (ich bin 25! ;-)) zu gelten: Ich bin Buchhändler geworden weil ich Bücher verkaufen und keine Daten auf USB Sticks verticken will! Was macht denn den Beruf noch aus wenn ich nicht mehr Vorschauen wälzen, in Bücherwelten eintauchen und meine Lieblingsbücher empfehlen darf, kann oder auch soll? Trotz der Aufforderung durch Herrn Honnefelder nichts Langweiliges zu sagen und schön gefährlich zu sein, empfand ich die Runde als eher brav. Die Vorstandsmitglieder stürzten sich in eine Diskussion, in der sie ihrem Talent zum politisch angehauchten langatmigen Gerede über Dinge die bereits bekannt sind alle Ehre machten! Der sogenannte ‚Buchhändler von morgen’ (die Seckbacher Azubis) war doch etwas mundtot gemacht, versuchte aber wenigstens der Diskussion etwas abzugewinnen und im Hinterkopf zu behalten welche Ehre ihnen gerade zu Teil wurde. Oft kam jedoch der leise Verdacht, dass der Bezug zur Realität fehlte. Oder hast DU, Buchhändler der Zukunft, den Mut, das Geld und den Willen, mal schnell eine eigene Buchhandlung zu eröffnen! Wenn Du das nicht möchtest, kannst DU auch Deine/n Freund/in, Deine Familie und Deine Freunde hinter Dir lassen und auf Lehr- und Wanderjahre gehen. Na, wie wär’s? Ich denke Dinge wie das Internet als Verkaufs- und Informationsmedium, Flexibilität und die Bereitschaft auch private Opfer zu bringen waren allen Anwesenden und sind den meisten zukunftsorientierten jungen Menschen als unerlässlich bekannt. Deshalb mein Fazit: Der Abend war nett, aber leider auch nicht mehr! Das Motto für einen ‚coolen’ Abend geht wirklich anders!