Presseschau

Web-Kollaps, "Interkultur" im Kulturbetrieb

22. November 2007
Redaktion Börsenblatt
Im Schneckentempo auf der Datenautobahn? US-Marktforscher prognostizieren für 2010 einen Kollaps des Internets. Ebenfalls Thema: der Umgang des Kulturbetriebs mit Migranten.
"Web-Kollaps für 2010 prognostiziert" - die Netzeitung hat sich eine neue US-Studie zum Internet angesehen: Den schnellen Datenautobahnen des Internet droht einer neuen Studie zufolge schon im Jahr 2010 der Verkehrsinfarkt. Internet-Nutzer müssten dann möglicherweise wieder auf die Einwahl über langsame Modems umsteigen. Wenn nicht über 100 Milliarden Dollar in die globale Infrastruktur investiert werden, werde es bald nicht mehr möglich sein, Medienseiten wie YouTube zu nutzen, teilte die US-Marktforschungsfirma Nemertes Research mit. Grund seien die Unmengen an Daten, die ins Netz gestellt werden, heißt es laut dem britischen Sender BBC in der Studie. Allein im Mai dieses Jahres sahen sich etwa 75 Prozent aller US-Internet-User durchschnittlich jeweils 158 Minuten lang Online-Videos an; insgesamt wurden von ihnen 8,3 Milliarden Filme angesehen, zitiert die BBC die Firma Comscore, die die Daten festgestellt hat. "Vielfalt sind nicht nur die Anderen" - Mark Terkessidis schreibt in der "taz" über den Kulturbetrieb und seine Nischenprogramme für Migranten: Die Fördertöpfe für Kultur sehen gewöhnlich einen Sonderetat für "interkulturelle Kunstprojekte" vor, so als seien alle anderen Projekte weiterhin rein "deutsch". Und während man von der "deutschen Kultur" gewöhnlich annimmt, dass sie sich quasi naturwüchsig entfaltet und dass sie in ihrer künstlerischen Freiheit nicht beschnitten werden darf - etwa von so etwas Profanem wie Quoten -, gilt für die "Interkultur", reduziert auf die kulturellen Artikulationen von Migranten, das genaue Gegenteil. Hier ist oft ein gänzlich instrumenteller Umgang mit Kultur verbreitet. Kultur soll letztlich dazu dienen, den sozialen Frieden zu gewährleisten: Sie soll die Folgen einer dramatischen Arbeitslosigkeit kitten, sie soll mittlerweile sogar ernsthaft helfen, Fundamentalismus zu verhindern. Nun ist Kultur mit der Lösung solcher gesellschaftlichen Probleme hoffnungslos überfordert. Zudem läuft ein instrumentell-pädagogisches Verständnis von Interkultur den Charakteristiken künstlerischen Ausdrucks völlig zuwider, zu denen auch Mehrdeutigkeit, Differenz oder Provokation gehören. Eine ernsthafte Implementierung von interkultureller Öffnung würde bedeuten, dass man der angeblichen Naturwüchsigkeit der "deutschen Kultur" zu Leibe rücken muss - und zwar in institutioneller Hinsicht.