Jochen Jung über seine Freude an kleinen Verlagen

Die sogenannten Kleinen

10. Oktober 2019
von Börsenblatt Online
Der Verleger Jochen Jung wird auf der Frankfurter Buchmesse wieder bei vielen kleinen Independent-Verlagen vorbeischauen. Denn "diese Verlage leben von dem Interesse ähnlich Wahrnehmender", so seine Überzeugung. 

Wenn die Vorschauen kommen, die, die die Post mir bringt, landen sie erst einmal auf einem wachsenden Stapel (später zwei) hinter mir, der dann im Laufe der folgenden Wochen immer mal wieder durchgemustert wird, zum einen aus purer Neugier, zum anderen mit Blick auf Weihnachten und zum dritten mit der Hoffnung auf Überraschung.

Nicht zuletzt knapp vor der Buchmesse, denn dann weiß ich, wie viel Zeit mir bleibt, um bei denen vorbeizuschauen, die so klein sind wie mein eigener Laden (oder noch kleiner) und deren Tun und Treiben ich mit immer wieder neuem Respekt und Bewunderung verfolge.

Natürlich würde ich jetzt gern eine Reihe aufzählen, aber ich weiß, dass das nicht sein darf, denn tatsächlich wäre das individuelle Bevorzugung in einer Branchenzeitung für alle. Und schließlich bewegen wir uns auf einem Markt. Zudem sind die, an die ich jetzt denke, sehr viele, und das würde nicht nur viel Platz brauchen, sondern vor allem müsste ich befürchten, dass ich welche vergesse, die das wahrlich nicht verdient hätten. Ich verlasse mich also darauf, dass Ihnen selbst die Gemeinten durch den Kopf zu gehen anfangen. Bei einem Gang durch die Messehallen sieht man sie dann, die Heiteren, Zutraulichen, Gesprächswilligen.

Tatsächlich gibt es eine große bis sehr große Zahl von kleinen bis sehr kleinen Verlagen, die von der Literatur- oder Buchleidenschaft ihrer Verleger/innen getragen werden und von einer Finanzierung, die von einem Erbe oder einem/r wohlverdienenden Partner/in getragen wird und/oder nicht zuletzt von Hoffnung und einem Risiko, das von einer anderen Lebens- und Gechäftsidee zeugt, die die meisten der Großen zu realisieren trachten (und mit ihren vielen Mitarbeitern auch realisieren müssen!).

Wie auch immer, die "Unvernünftigen" bescheren und bereichern uns mit Büchern, die das beweisen, was unsere Kultur und unser Miteinander auszeichnen sollte: die Freude am Beobachten und Bedenken, am Empfinden und Erkennen und am Entfalten und Überlegen. Am Anderen und am Schönen.

Diese Verlage leben von dem Interesse ähnlich Wahrnehmender, die – wenn Feuilleton – bereit sind, der interessierten Welt etwas davon zu erzählen – oder die – wenn eine/r der welt- und kunstneugierigen Leser – bereit sind, dafür Geld auszugeben.

Die Frankfurter Buchmesse ist daher nicht zuletzt ein Treffen all jener, die dem Lesen/Leben viel zutrauen und nicht in erster Linie immer an ihre Bilanz denken. Sie sind es, die unserer Branche und unseren Kunden beweisen, dass es nicht genügen kann, eins und eins zusammenzuzählen.