Und im Folgenden hatten die Verleger die Gelegenheit, sich und ihr Tun vorzustellen:
Der aus politischer Überzeugung angetretene Temmen, für den die Reiseführer und Regionalia ein wirtschaftliches Standbein sind und die genau dann Erfolg haben, wenn sie landschaftlich so differenziert sind, dass Touristen und Einheimische gar nicht um seine illustrierten Reisehandbücher oder die Reisebilder herumkommen.
Der passionierte Radreisende Dr. Lutz Gebhardt, der nach der Wende fast zufällig begann, seine Reiseberichte und Karten herauszugeben und dessen Verlag grünes herz heute Führer und Freizeitkarten vor allem für den Osten Deutschlands publiziert (nach eigenem Bekunden auch unter genauester Beobachtung der ganz großen Wettbewerber).
Und Wolfgang Henkel, dessen L&H-Verlag seit mehr als einem Jahrzehnt u.a. Museums-, Landschafts- und Gartenführer herausgibt und zuletzt bei dem Deutschen Gartenbuchpreis einen ersten und einen zweiten Platz einheimste.
Dass es nicht nur Spezialisten wie die Reisefibel geben kann, stand nicht zur Debatte. Doch die "ganz normalen" Buchhändler wünschten sich die kleinen Verlage durchweg risikofreudiger, vielleicht auch detailverliebter. Solche, die es wagen, bei ihrer Titelwahl auch auf die Bücher kleinerer Verlage zurückzugreifen und nicht nur auf sattsam bekannte, bis zur Austauschbarkeit standardisierte Reihen.
Wirklich ins Gewicht fielen, so beschrieb es Temmen in der abschließenden Diskussionsrunde, jedoch die eingeschränkten Möglichkeiten, die eigenen Produkte an Großabnehmer wie die Zentraleinkäufer von Filialisten und Sorglospaketen der Barsortimente zu vermitteln.
Auch aus solchen Gründen beschreitet Wolfgang Henkel mit seinem Verlag zum Teil andere Wege: ein Teil seines Programms geht auf die Initiative von Großabnehmern aus Wirtschaft und Verbänden zurück - und über das Mehrgeschäft im Buchhandel freut man sich dann. Außerdem haben auch die Museen und Gärten angegliederten Shops seine Bildbände und Kulturführer im Programm, Nebenmärkte also, mit der er die Zielgruppe noch besser erreichen kann.
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Wie oft schon ist beklagt worden, dass im Buchhandel und im Verlagswesen traditionell zuviel, tja, beklagt werde - und wie schön ist es da, von den sich vermeintlich im gleichen Boot befindenden Verlegern ganz unterschiedliche Ansätze zu hören! Dreimal ein anderes Konzept und dreimal ein anderes Selbstverständnis was bleibt vom Kleinverlegertag ist nicht nur das gute Gefühl, dass Herzblut und unternehmerischer Erfolg auch 2007 noch gut zusammenpassen. Sondern auch ein Hoch auf den, pardon, kleinsten gemeinsamen Nenner.