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Stirbt das Hardcover aus?

28. November 2007
Redaktion Börsenblatt
Wie bereits gemeldet, hat der britische Verlag Picador angekündigt, ab 2008 bei 80 Prozent seiner literarischen Neuerscheinung auf die Hardcover-Fassung zu verzichten und die Bücher gleich ins Taschenbuch zu geben. boersenblatt.net hat bei deutschen Verlagen nachgefragt:
In England läuft das Geschäft mit dem Hardcover seit Jahren schleppend. Der Grund für diese Entwicklung liegt in erster Linie darin, dass es in England keine feste Buchpreisbindung gibt. Der Preiskampf ist groß, Hardcover werden unter ihrem Wert verkauft und die Taschenbuch-Ausgabe eines gebundenen Titels erscheint oft wenige Monate später. Solche Verhältnisse sind dem deutsprachigen Buchmarkt fremd. Und so wird es wohl auch bleiben, wie Goldmann-Verleger Georg Reuchlein meint: "Bei uns gibt es ja seit Jahren eher wieder eine Renaissance des gebundenen Buches. Das heißt auch, im deutschsprachigen Raum haben wir eine andere Buchkultur als etwa in England. Und natürlich ist auch die Buchpreisbindung ein Garant für das Gedeihen des Hardcovers. Es gibt allerdings auch bei uns Titel, die sofort als Paperback erscheinen. Aber genau das macht den Reiz des Buchverlegens aus: Man kann auf einer breiten Klaviatur spielen." Auch Elisabth Ruge vom Berlin Verlag, der zum englischen Verlagshaus Bloomsbury gehört, sieht die Dinge ähnlich: "Die Situation in England hat einfach mit der Aufgabe der Buchpreisbindung zu tun. Wir haben hier in Deutschland noch die Möglichkeit, hochwertige Hardcover zu platzieren, unterstützt von einer anspruchsvollen Presse- und Vertriebsarbeit. Die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Buchhandel funktioniert, denn es gibt sie noch, die echten Buchhändler" Das Fazit Ruges lautet: "Wenn wir bei uns den festen Buchpreis aufgeben, dann steuern wir à la longue auf ähnliche Verhältnisse zu wie in England." "Hierzulande kann von einem Abschied vom Hardcover keine Rede sein", sagt auch Julia Schade, Programmleiterin Belletristik Unterhaltung, S. Fischer Verlage. "Allerdings haben wir einige Titel in bestimmten Genres, vor allem in der Unterhaltung, als Broschur publiziert. Die Bücher sind durch ihr Format klar für den Hardcovermarkt bestimmt, es ist aber so möglich, einen günstigeren Preis zu kalkulieren. Das war und ist immer wieder erfolgreich." Und Karsten Rösel, bei Luchterhand für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, meint: "Wir bringen höchstens einzelne Titel aus dem Programm als Paperback, um diese für eine jüngere Zielgruppe preisgünstiger anzubieten."