London Book Fair in der Rückabwicklung

Unheimliche Ruhe im Londoner Olympia

11. März 2020
von Börsenblatt Online
Die London Book Fair (LBF) sollte vom 10. bis 12. März das Zentrum der internationalen Buchwelt sein. Stattdessen herrscht eine unheimliche Ruhe rund um das Olympia-Messegelände.      

Vom März 2019 hängt noch ein Plakat mit dem Hinweis auf das damalige Gastland Indonesien. Die Leuchtschrift am Haupteingang weist darauf hin, dass die LBF 2020 nicht stattfindet. Erwartet wurden zur 49. LBF rund 25.000 Besucher aus über 135 Ländern und über 1000 Aussteller aus mehr als 60 Ländern. Über 600 Tische im Rechtezentrum waren vorgesehen, knapp 200 Seminare und Events waren geplant.

Die zweitgrößte Buchmesse der Welt steckt mitten in der komplexen Rückabwicklung aller Vereinbarungen und plant gleichzeitig schon die nächste Messe 2021. Zudem hält sie den laufenden Betrieb aufrecht und verkündet heute, dass der Apicula Verlag den International Excellence Award in der Kategorie Educational Learning Resources of the Year gewinnt.

Einige Agenten und Verleger haben ihre Flüge nach London nicht storniert. So nimmt Monika Schlitzer, Verlagsleiterin Dorling Kindersley Deutschland, mehrere Termine mit internationalen Verlegern wahr. Meistens wurden die Uhrzeiten beibehalten. Aber die Gespräche finden in Hotels und Restaurants statt.

Nicht wenige haben auch aus privaten Gründen den Aufenthalt in London nicht storniert, beispielsweise um an der Eröffnung der Andy Warhol Ausstellung in der Tate Modern teilzunehmen (ab 12. März). Reichlich Merchandising und Ausstellungskataloge (rot Hardcover, blau Broschur) warten schon auf Käufer.

Kopfzerbrechen bereitet den Ausstellern die Rückvergütung durch die LBF. Viele sind schon auf Hotel- und Reisekosten sitzengeblieben. "Hinsichtlich einer Erstattung der Gebühren für den Lizenztisch haben wir bei der Messe angefragt und warten noch auf ein Feedback", sagt Thomas Rensing, Pressesprecher bei Coppenrath.

Auch Myriam Lang, Leiterin des Schweizer Gemeinschaftstands ist besorgt: "Die Messekosten (Fläche, Mitausstellergebühren, Katalogeinträge usw.) werden ja von Reed London immer im Voraus berechnet und müssen im Voraus bezahlt werden. Laut ihren AGBs gibt es eigentlich auch nichts zurück", so Lang. Sie vermutet, dass Reed die Messe so spät abgesagt hat, weil man die Ausrufung des nationalen Notstands abgewartet hat, um dann möglicherweise Gelder von (Rück-)Versicherungen zu bekommen. Ob das an die Aussteller weitergegeben wird, ist noch offen. "Nachgefragt haben wir, aber es kam noch keine Antwort und auch kein offizielles Schreiben. Deshalb kann ich nur sagen, wir sind dran und harren der Information aus London." 

Wegen der kurzfristigen Absage müssen viele Aussteller auch 100 Prozent des Standbaus bezahlen, was gerechtfertigt ist, denn die Arbeiten wurden ja gemacht, und die Messebauer waren bereits auf dem Weg nach London oder schon dort mit ihren LKWs. "Wir konnten netterweise einen kleinen Rabatt aushandeln, aber es ist im Moment ein Tropfen auf den  heissen Stein“, so Myriam Lang. Und das dürften erst die Anfänge der Probleme und Kosten sein, die der Coronavirus auch international für die Buchbranche bedeutet.