Wie Buchhandlungen auf die Schließung reagieren

Nachbarschaftshilfe und Zusammenhalten

19. März 2020
von Börsenblatt
Kooperationen mit anderen Einzelhändlern, telefonische Beratungstermine, Bilderbuchkino im Schaufenster, Abgabe an der Rezeption von Klinik oder Altenheim ... Es gibt einige Möglichkeiten, mit denen Buchhandlungen trotz Schließung weiter den Kontakt halten – ohne Berührung.

Einzelhändler-Lieferservice in Attendorn

Im sauerländischen Attendorn haben sich in der Corona-Krise acht Einzelhändler zu einem Lieferservice zusammengeschlossen: "Die Idee dazu hatte ein freiberuflicher Fotograf, der in Windeseile Fotos von uns gemacht und eine Website auf die Beine gestellt hat: attendorn-liefert.de", berichtet Buchhändler Michael Frey. Die Hinweise darauf haben die Händler auf ihren Homepages und in den Schaufenstern hängen. In einer WhatsApp-Gruppe verständigen sie sich, wer welche Aufträge hat und in welchen Ortsteil fährt: Die 25.000 Einwohner große Stadt besteht aus der Kernstadt mit knapp 14.000Einwohnern und aus 55 weiteren Dörfern und Weilern. So fährt dann der Fischhändler oder der Konditor auch Bücher aus oder der Buchhändler Wurst und Lederwaren. Das funktioniere schon ganz gut, sagt Frey, "das wichtigste Signal an die Kunden ist aber: Wir sind alle für Euch da!"

Beratungstermine

Bei der Buchhandlung LeseZeichen in Germering können Kunden seit gestern telefonische Beratungstermine vereinbaren, die auch per Facetime oder Whats App Audio möglich sind. "Der Vorteil ist der individuellere Kontakt", erklärt Buchhändlerin Katrin Schmidt, "und man kann viel besser Bücher und Nonbooks, Spiele - die sind wegen der Marge interessant - am Telefon zeigen und beraten." Schmidt erhofft sich davon Zusatzverkäufe. Der Versand ist portofrei - "und da fast jeder Whats App oder ein iPhone hat, ist das auch für kleine Buchhandlung leicht umzusetzen."

Hinweis im Schaufenster

In Remchingen, Waldbronn und Pfinztal liefertdie Buchhandlung LiteraDur per Post und Boten.

Bücher an die Klinik-Rezeption

Patienten der Hardtwaldkliniken gehören zu den Kunden der Buchhandlung Akzente in Bad Zwesten. Wenn die Reha-Patienten nicht zu ihr kommen können, kommt Sortimenterin Katja Jankowski nun zu ihnen: An die Rezeption der Klinik gibt sie die Bücher ab, die bei ihr online über das Portal www.geniallokal.de per E-Mail (info@akzente-buchhandlung.de) oder telefonisch oder per WhatsApp (0175/3622970) bestellt wurden. Gerade für die Reha-Patienten ist die Lektüre ein Lichtblick. Jankowski betreibt neben dem Buchladen in Bad Zwesten auch Buch + Papier Mönch in Borken.

Apotheke hilft aus

"Tolle Nachbarn haben wir!", findet Buchhändlerin Anne v. Bestenbostel in Nordenhamm.Der Apotheker von gegenüber hatte spontan zugesagt, ihr Abholfach zu übernehmen: "Wann kommt Ihr? Ich habe schon ein Regal freigeräumt." Gegen Barzahlung oder Vorkasse kann er bei Bestenbostel bestellte Bücher abgeben. "Wir sind so froh, denn das erhält uns ein bisschen am Leben", sagt v. Bestenbostel. "Und das Stadtcafé neben uns wird unser Briefkasten, nimmt Pakete an und gibt welche an DPD raus. Wir halten hier zusammen!"

Die Nachbarschaftshilfe funktioniert auch beim LiteraturLaden, der Buchhandlung im Frankfurter Hof in Trebur. Inhaberin Anja Münker-Nanke hat den Apotheker in der Nähe dafür gewinnen können, dass Kundinnen bestellte Bücher dort abholen können.

Bilderbuchkino im Schaufenster

Der Buchpalast in München-Haidhausen bietet ein täglich wechselndes Bilderbuchkino im Schaufenster an: "Eine kleine Abwechslung, wenn Kinder einen Spaziergang um den Block machen“, erklärt Mitinhaberin Katrin Rüger. „Alle Verlage, die ich in der Eile gefragt habe, waren sofort bereit mitzumachen." Rüger hätte am Freitag die erste Kindergartenkiste ausgegeben – aber dann kam die Nachricht von der Schließung der Kindergärten und Schulen. Aus diesem Fundus hat Rüger ganz schnell geschöpft. Der Bayerische Rundfunk und die SZ fanden die Idee so gut, dass sie darüber berichtet haben.

Was alles ohne einen geöffnete Buchhandlung noch möglich ist, darüber informiert die Osiandersche an den Eingangstüren ihrer Filialen.