Um es vorwegzunehmen: meiner Meinung nach handelt Microsoft nur konsequent. Das Unternehmen aus Redmond hat in den letzten Jahren Millionen investiert, um Buchinhalte, die zumindest für lieferbare Titel ohnehin digital vorliegen sollten, nachträglich vom gedruckten Titel in ein online verwendbares digitales Format zu bringen. Dies ist nicht nur die qualitativ schlechtere Lösung, sondern auch nicht sonderlich zukunftsorientiert.
Führen wir uns die Ausgangslage nochmals vor Augen: die Produktionskette in der Buchherstellung ist mittlerweile komplett digital. Von außen betrachtet sollte also die Lieferung von digitalen Formaten überhaupt kein Problem sein. In der Praxis scheitert dies aber nur allzu häufig. Die Gründe hierfür sind vielfältig: von fehlender Versionierung über die Erstellung von PDFs rein zu Druckzwecken bis hin zu fehlenden Standards in der Datenhaltung. Deshalb setzen praktisch alle Digitalisierungsinitiativen weitgehend auf die nachträgliche Digitalisierung von gedruckten Büchern. Dies ist auch bei libreka! nicht anders; allerdings sehen wir dies lediglich als Übergangslösung. Kürzlich erst haben wir ein Verfahren veröffentlicht, um PDFs zur digitalen Nutzung zu standardisieren. Und mit dem epub-Format, an dessen Gestaltung wir mitarbeiten, kann zukünftig eine branchenweite und internationale Standardisierung im Datenaustausch erreicht werden.
Natürlich war die Idee von Microsoft aus eigener Sicht reizvoll. Durch die Digitalisierung in großem Stil entsteht eine Content-Sammlung von ungeheurem Wert. Und da die Digitalisierung auf eigene Kosten und mit proprietären Formaten erfolgt, kann die Weitergabe der Daten an andere Marktteilnehmer beliebig eingeschränkt werden. Diese Idee ist nicht neu und erfreut sich auf großer Beliebtheit.
Das Agieren von Microsoft zeigt jedenfalls Eines überdeutlich: Verlage müssen sich zukünftig als Content-Lieferanten sehen und digitale Inhalte in Eigenregie erstellen. Microsoft stellt sehr eindrucksvoll unter Beweis, wie gefährlich das blinde Vertrauen in einzelne, wenn auch finanziell potente Player von außen ist. Die Branche muss sich auf offene Standards einigen, um allen Marktteilnehmern den Zugang zu digitalem Content zu gewährleisten.
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