LiteraTurm 2008

Blinden Flecken auf der Spur

24. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Gestern Abend hat das Literaturfestival LiteraTurm im Frankfurter Literaturhaus eröffnet. Unter dem Motto "vergangen verdichtet" geht es in diesem Jahr um Literatur und Geschichte. Zur Eröffnungsveranstaltung saßen sich der Autor Marcel Beyer und die Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann gegenüber. Hubert Spiegel ("FAZ") moderierte.
"Eigentlich war ich historisch nie besonders interessiert", sagte ausgerechnet Marcel Beyer. Das überrascht, denn seine Bücher, wie zuletzt auch "Kaltenburg", enthalten stets geschichtlich tiefgehende Hintergründe. Über den Reiz der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, der DDR und vor allem über das Erinnern des Menschen diskutierten Beyer und Assmann. Wie hängt man selber mit vergangener Geschichte zusammen, lautete eine zentrale Fragestellung. Moderator Hubert Spiegel stellte heraus, dass sich Autoren (geboren in den 60ern) wie Arno Geiger, Julia Franck und eben auch Marcel Beyer mit Momenten der Geschichte auseinander setzen, die sie selber nicht erlebt haben. Anhand einer Familiengeschichte werden Fäden gesponnen und es werden Verbindungen zur eigenen Person gefunden. Auch wenn Zeitgeschichte von Beyer fiktionalisiert werde, so bekommt das "Gegenwärtige erst durch das Erinnern einen Sinn", meint der Autor. Aleida Assmann, die intensiv zur Geschichte und Gedächtnis geforscht hat, fügte hinzu, die heutige Gesellschaft sei von einer "Memory-Mania" gekennzeichnet – Der Erinnerung kommt eine immer stärkere Bedeutung zu. LiteraTurm wird bereits zum 4. Mal vom Kulturamt Frankfurt veranstaltet. Bis Sonntag finden Lesungen und literarische Gespräche überwiegend in Hochhäusern statt, also Gebäuden, die das Stadtbild Frankfurts prägen. Weitere Gast-Autoren sind unter anderem Julia Franck, Florian Havemann und Martin Walser.