Aus der Begründung der Jury:
Kochbücher eignen sich nicht als politische Manifeste. Aber Essen ist politisch, aktuell der Reispreis sogar hochpolitisch. Oder Erdbeeren im Winter aus Afrika? Behütet werden muß die regionale Verwurzelung der Küchen als wesentlicher Teil kultureller Identität überall. Bei der Revolte der Tibeter geht es ebenfalls um Rettung von Identität. Aber erschöpft die sich allein in Religiosität? Bücherfluten halten unser Interesse an diesem Volk der Mönche wach: Bildbände und Reiseberichte und immer wieder der Dalai Lama. Doch wie ernähren sich die Bewohner dieses geheimnisvollen Hochlandes und vor allem, wie schmeckt das? Zwischen Indien, dem Himmelreich der Gewürze, und den aromatischen Küchen Chinas herrscht karges Mahl: mit Käse oder Spinat gefüllte Momos, Einfachstteigtaschen aus Mehl und Wasser, jedoch hübsch in Zopfform geflochten. Der gräßliche Buttertee, in den sie Salz kippen wie unsereins Zucker, demonstriert wie exakt der Mensch seine Ernährung seinen Lebensbedingungen anpassen muß. Frau Mendrong hat uns am Beispiel des Faszinosums Tibet einen spannenden ethnologischen Blick in dessen Töpfe zubereitet. Wir sollten daraus kosten..."
(Frank Brunner)