Immer langsam mit den jungen Pferden. Dieser Satz fiel sinngemäß, in anderer Formulierung, mehrmals bei der Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins in der vergangenen Woche. Junge Pferde in der Buchbranche, das sind elektronische Inhalte, elektronische Lesegeräte, elektronische Bücher, Content-Plattformen und was sonst noch durch die Weiten des digitalen Zeitalters galoppiert.
Der temperamentvolle Nachwuchs wirbelt jede Menge Staub auf, sein Getrappel ist weithin hörbar. Ist die Staubwolke aber erst einmal abgezogen, hat sich so viel gar nicht verändert. Die Aufmerksamkeit, die der digitalen Buchwelt zukommt, ist bislang umgekehrt proportional zu ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bedeutung.
Geld verdient wird nach wie vor überwiegend mit Print, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Diese Aussage von Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins, mag unsexy klingen, entspricht aber in den meisten Buchhandlungen und Verlagen der Realität. Das wird so bleiben, bis die neuen Geschäftsmodelle ausgereift sind und eine kritische Teilnehmermasse erreichen.
Ebenso entspricht es der Realität, dass das stationäre Sortiment längst nicht abgemeldet ist. Mehr als die Hälfte aller Bücher werden nach wie vor über diesen Vertriebsweg abgesetzt, wenngleich das Internet weiter stark wächst. Auch hier: Langsam mit den jungen Pferden! Jeder Buchhändler kann sich mit eigenem Shop diesen Kanal zu Nutze machen. Also alles nur Übertreibung, das Gerede von Internet und Digitalisierung? Das sicher nicht. Die jungen Pferde werden ihren Weg machen.