Mit einem Umsatzanteil von 15,2 Prozent kommt die Warengruppe Kinder- und Jugendbuch gleich auf dem zweiten Platz hinter der Belletristik. Während der Gesamtbuchmarkt 2010 um 0,4 Prozent leicht zugelegt hat, gingen die Umsätze beim Kinder- und Jugendbuch um 3,4 Prozent zurück, was letztlich eine Normalisierung bedeutet: „2009 war im Bereich der Jugendbücher ein Ausnahmejahr mit vielen neu erschienenen Bestsellern im All-Age-Bereich“, sagt Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins.
Vor allem bei „Noch-nicht-Lesern“ und „Leseneulingen“ stehen Bücher hoch im Kurs: Die drei Warengruppen Vorschul-/Erstlesealter (Umsatzanteil 5,5 Prozent), Bilderbücher (Umsatzanteil 17 Prozent) sowie Spielen und Lernen (6,5 Prozent) konnten jeweils um rund fünf Prozent zulegen; Vorlesebücher (Umsatzanteil 4,9 Prozent) gewannen leicht um 1,1 Prozent. Insgesamt machen diese vier Segmente gut ein Drittel des Umsatzes in der Warengruppe Kinder- und Jugendbücher aus. Stärkste Warengruppen im Segment sind nach wie vor Jugendbücher (ab 12 Jahre; Umsatzanteil 27,4 Prozent) und Kinderbücher (bis 11 Jahre; Umsatzanteil 27,3 Prozent). Während die Jugendbücher im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 17,8 Prozent verzeichnen, konnten die Kinderbücher um 3,9 Prozent zulegen. Die Zahlen hat media control GfK International im Auftrag des Börsenvereins ermittelt.
Kluge Väter lesen
Für gleichberechtigtes Vorlesen machte sich die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen
(avj) stark. Vor dem Schlafengehen seien in der Regel auch die Väter zu Hause und könnten sich dem Nachwuchs widmen, meinte Ulrich Störiko-Blume. „Kluge Väter lesen, vorbildliche lesen vor“, so der Vorsitzende der avj. „Wenn althergebrachte Rollenzuweisungen abgeschafft werden, muss das auch im Vermittlungsprozess von Kinder- und Jugendliteratur geschehen.“ Unabdingbar sei aber der richtige, spannende Lesestoff. Störiko-Blume rief die Buchbranche zur Unterstützung auf. „Verlage sollten sich mit ihren Programmen stärker auf die Bedürfnisse von Jungen ausrichten. Und Buchhandlungen können ihre Stärken – Beratung und Kaufempfehlung – ausspielen und darauf hinwirken, dass Kinder- und Jugendbücher speziell für Jungen bekannter werden.“
Es gilt, die Männer zu sensibilisieren
Bei den Vätern setzte auch die Stiftung Lesen an. Lesevorbilder seien wichtig, damit aus Leseneulingen begeisterte Leser würden, meinte Sprecher Christoph Schäfer. Gefragt seien hierbei gerade die Väter, die das Vorlesen zwar wichtig fänden, es aber überwiegend den Müttern überließen: "Nur knapp ein Fünftel der Männer liest seinen Kindern allein oder gemeinsam mit der Partnerin vor. Männer sehen sich eher für
andere Freizeitbeschäftigungen zuständig", berichtete Schäfer. „Zahlreiche Projekterfahrungen belegen aber: Väter werden zu Vorlese-Vätern – wenn man sie für das Thema sensibilisiert und durch niederschwellige, männer-affine Angebote zum Aktiv-Werden motiviert.“ Er nannte Initiativen und Projekten wie „Lesestart“ und „Mein Papa liest vor“ der Stiftung Lesen.
Vorlesen als Investition in die Zukunft
Auf den nachhaltigen Effekt des Vorlesens, der über die reine Vorlesesituation hinausgeht, wies der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ) hin. „Vorlesen schafft gemeinsame Erfahrungen, liefert Stoff für gemeinsame Gespräche und spätere Erinnerungen", sagte Regina Pantos. "Für Väter ein wichtiger Schatz, der vielleicht erst viel später richtig gewürdigt wird. Es ist zu hoffen, dass sich auch bei den Männern das Bewusstsein verstärkt, dass das Vorlesen auch für sie eine Win-Win-Situation ist“, so die Vorsitzende des AKJ. Väter könnten durch das Vorlesen im Familienkreis für ihre Söhne eine wichtige Orientierung
auch in entwicklungspsychologischer Hinsicht sein.