Herr Erkel, die Telekom vertreibt auf zahlreichen Plattformen digitalen Content. Wollen Sie mit PagePlace nun zum E-Book-Händler werden?
Gregor Erkel: PagePlace ist für uns ein Ansatz, um im Netz ein Vollsortiment für elektronische Publikationen aufzubauen. Die Konsumenten sollen alles finden, was im Internet erhältlich ist – Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Wir treten dabei als Kooperationspartner – als »Enabler« – auf und verstehen uns nicht in erster Linie als Verkäufer. Das Modell ist für alle Verlage offen.
Was unterscheidet PagePlace von bisherigen Modellen?
Ronald Schild: Das Konzept ist in seiner Ausprägung im deutschen Markt neuartig, weil es ähnlich wie Amazon in den USA mit Apps arbeitet, die auf Blackberry, iPhone und Android-Geräten laufen. Dem Kunden bietet es größtmögliche Nutzerfreundlichkeit.
Erkel: Das von uns verwendete Cloud-Modell erlaubt den Zugriff auf die gekauften E-Books von jedem Ort aus. Es kann nicht nur online, sondern auch im Offline-Modus gelesen werden. Alle Funktionen – Bezahlen, Lesen, Markieren, E-Book-Bibliothek verwalten – sind in einer App zusammengefasst, die man sich beispielsweise auf das iPad herunterladen kann.
Wie wichtig ist die Content-Kooperation von libreka! mit der Telekom?
Schild: Die Zusammenarbeit ist für libreka! ein weiterer Meilenstein, zumal wir mit rund 40.000 Titeln zentraler Lieferant von PagePlace sind. Insgesamt beliefern wir jetzt rund 20 Plattformen und Online-Shops mit E-Books, darunter auch den iBookstore von Apple.
Ist denn ein eigenes Lesegerät mit Telekom-Branding geplant?
Erkel: Es sind durchaus Kooperationen mit Geräteherstellern denkbar. In der Previewphase bis Anfang Mai steht das Angebot Apple-Nutzern für iPhone und iPad zur Verfügung. Die Erweiterung auf Android-Geräte steht kurz bevor. Künftig soll es keinerlei Beschränkungen geben – zumal auch immer mehr Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem auf den Markt kommen.
Welche Rolle spielen die Telekom-Kunden für die Besucherfrequenz auf PagePlace?
Erkel: Jeder zweite Telefonkunde in Deutschland hat bei der Telekom einen Anschluss – dass heißt, er kann E-Book-Käufe ganz bequem über seine Telefonrechnung einziehen lassen. Alle Kunden – auch die bei anderen Anbietern registrierten – können zwischen vier Bezahlungsmethoden wählen, darunter auch Click&Buy, Kreditkarte und PayPal.
Wie wollen Sie denn Buchhandelskunden für PagePlace gewinnen?
Erkel: Im Moment befinden wir uns noch in der Preview-Phase. Ab Mai läuft dann eine Marketing-Kampagne, für die wir alle Telekom-Kanäle aktivieren werden.
Kann der stationäre Buchhandel am E-Book-Geschäft partizipieren?
Schild: Ja. Entsprechende Angebote sind schon deshalb sinnvoll, damit die Kundenbindung nicht beim E-Book abbricht. Dabei sind durchaus Kooperationen mit der Telekom denkbar.
Erkel: Gleichzeitig wollen wir natürlich für PagePlace auch Kunden gewinnen, die es bisher nicht gewohnt sind, ein Buch im Buchhandel zu kaufen.
Welche Position kann eine Plattform wie PagePlace den Akteuren im E-Book-Markt verschaffen?
Schild: Uns geht es vor allem darum, einen echten Wettbewerb im E-Book-Markt zu ermöglichen und den großen internationalen Playern Paroli zu bieten.
Erkel: Die Erfahrung zeigt, dass gerade die international aufgestellten Unternehmen zu großen Restriktionen in ihren Geschäftspraktiken neigen. Dagegen wollen wir ein offenes Geschäftsmodell setzen.