Die Sonntagsfrage

Wie wichtig ist London fürs Geschäft?

10. April 2011
Redaktion Börsenblatt
Eine Aschewolke aus Island hat die London Book Fair im vergangenen Jahr empfindlich gestört. Weil der Vulkan Eyjafjallajökull Dampf abgelassen hat, war der Flugverkehr gestört – und die Buchmesse kam gar nicht erst in Gang. Tausende Messebesucher mussten absagen, darunter auch die Agentin Nicole Witt (Literarische Agentur Mertin). In diesem Jahr ist sie wieder dabei. Was sie sich erwartet?
Nach der wegen des Ascheregens verpassten Messe im letzten Jahr freue ich mich, die Kollegen nun wieder persönlich zu treffen, vor allem englischsprachige Verleger. Der direkte Dialog ist durch nichts zu ersetzen, im Gespräch treten immer wieder Themen und Gemeinsamkeiten zutage, an die man bei den Vorbereitungen nicht gedacht hat.

Los geht es für mich heute Mittag – ich habe insgesamt 60 Termine, einen neuen Katalog und lauter spannende Bücher dabei: Brasilianer, die im Hinblick auf das Gastland 2013 in Frankfurt interessant sind, ein neues Kinderbuch von José Saramago, Luis Sepúlveda, beste lateinamerikanische Erzählkunst aus Kolumbien, historische Romane aus Mexiko, junge Autoren aus Spanien und Argentinien.

Traditionell schließen wir auf der Messe wenig Verträge ab, das geschieht eher im Vorfeld – gerade in letzten Tagen vor meiner Abreise nach London erreichten uns attraktive Angebote aus Frankreich und Spanien. Oder im Anschluss an die Messe: Denn Belletristik aus dem spanischen und portugiesischen Sprachraum braucht Überzeugungsarbeit - und dann Zeit zur Lektüre, die wegen der Sprachbarriere oft länger dauert als bei einem englischsprachigen Titel. Aber unsere Erfahrung zeigt: Qualität setzt sich durch, richtig gute Geschichten finden immer Anklang. Und Übersetzungsförderungen helfen.

Der Markt für digitale Inhalte ist für Belletristik bislang begrenzt, obwohl das E-Book in den USA teilweise hervorragende Resultate erzielt und es natürlich auch in europäischen Ländern tolle Initiativen gibt. Die Beteiligung der Autoren hat sich weltweit bei 25 Prozent vom Nettoerlös des Verlags eingependelt – mit der Möglichkeit zur Neuverhandlung nach einer bestimmten Frist. Als spannend erleben wir derzeit den Aufstieg des Genre der Graphic Novels und haben auch hier Vorschläge im Gepäck.

Nach Abschluss der letzten Vorbereitungen und bevor es ein paar Tage später schon wieder zur Messe in Buenos Aires geht, freue ich mich jetzt auf die tolle Stadt London, leckeres indisches Essen, auf bekannte und neue Gesichter. Und viele anregende Gespräche!